Südafrika

Das Land gehört zu den Schwerpunktländern, mit denen die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) besonders eng zusammenarbeitet.

Derzeit stammen rund 85 Prozent des südafrikanischen Stroms aus einem alternden Kohlekraftwerkspark. Trotz verschiedener Interventionsmaßnahmen zur Energieversorgungssicherheit, müssen immer wieder ganze Stadteile für mehrere Stunden vom Stromnetz genommen werden, um den Zusammenbruch des Netzes zu vermeiden. „Loadshedding“ wird diese Maßnahme genannt, zu Deutsch: Lastabwurf. Die Einschnitte für die Bevölkerung und das Wirtschaftsleben sind enorm. Es besteht die Herausforderung, den Ausbau zusätzlicher Stromerzeugungskapazitäten erneuerbar und nachhaltig zu gestalten – und eine politische Strategie zu entwickeln, die das Wirtschaftswachstum und die Klimaziele Südafrikas berücksichtigt. 

Die Klimapolitik Südafrikas

Südafrika hat im September 2021 einen aktualisierten, ehrgeizigeren nationalen Klimabeitrag (Nationally Determined Contribution, NDC) vorgelegt. Die Zielwerte für 2025 liegen nun zwischen 510 bis 398 MtCO2-eq und 420 bis 314 MtCO2-eq für 2030, was 32 Prozent unter den ursprünglichen Verpflichtungen von 2015 liegt. Net-zero soll bis 2050 erreicht werden. Somit hat sich die Ambition des NDC-Updates erhöht und liegt laut Einschätzung des Climate Action Trackers nahe der 1,5-Grad-Celsius-Kompatibilität.

Der aktualisierte Klimabeitrag skizziert einen Ansatz für einen gerechten Übergang zur Erreichung der NDC-Ziele. Zudem stellt er sicher, dass Gemeinden, die von Klimaschutzmaßnahmen und der Umstellung auf eine emissionsarme Entwicklung betroffen sind, auch Nutznießer der umfassenden Transformation sind. Gesetzesänderungen und eine kürzlich abgeschlossene Beschaffungsrunde für erneuerbare Energien deuten auf einige positive Entwicklungen hin, auch wenn der Ansatz nach der weltweiten Pandemie zunächst stark auf fossile Investitionen gesetzt hatte. 

Um seine Klimaziele zu erreichen, plant Südafrika die Einführung eines Klimaschutzgesetzes (Climate Change Bill). Das Kabinett hat den Gesetzesentwurf bereits genehmigt, der Entwurf befindet sich derzeit im parlamentarischen Prozess. 

Die „National Climate Change Adaptation Strategy“ (NCCAS) wurde im August 2020 verabschiedet und ist Grundlage für das Klimaschutzgesetz. 

Zu den größten Herausforderungen bei der Anpassung an den Klimawandel gehört beispielsweise die andauernde Wasserkrise im Land. 

Südafrika hat das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) unterzeichnet; der überarbeitete National Biodiversity Strategy and Action Plan (NBSAP) gilt für den Zeitraum 2015 bis 2025.

Die Just Energy Transition Partnership mit Südafrika

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat 2020 die Presidential Climate Commission (PCC) eingerichtet, die die Aufgabe hat, die nationale Klimapolitik besser zu koordinieren und das prioritäre Thema „Just Transition“ (sozial gerechter Strukturwandel) sektortübergreifend voranzutreiben. Auf der COP26 startete Südafrika mit Frankreich, der Europäischen Union, dem Vereinigten Königreich, den USA und Deutschland eine langfristige Just Energy Transition Partnership (JETP). Deutschlands Beitrag zu den zunächst 8,5 Milliarden US-Dollar von rund 800 Millionen US-Dollar basiert auf der langjährigen Zusammenarbeit mit Südafrika. 

Die IKI unterstützt diesen Prozess mit dem geplanten Projekt „Just Transition to a Decarbonized Economy for South Africa“ (JUST SA) sowie dem geplanten globalen Projekt „Innovation Regions for a Just Energy Transition“. 

Arbeitsschwerpunkte der Internationalen Klimaschutzinitiative

Der Schwerpunkte der IKI-Arbeit in Südafrika liegt im Bereich Emissionsminderung und „Just Energy Transition“. In geringerem Ausmaß ist die IKI auch in den Bereich Biodiversität, Anpassung an den Klimawandel und Waldschutz aktiv. In der bilateralen Kooperation werden derzeit Projekte zu Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden und Infrastruktur sowie zur Entwicklung und Umsetzung der Klimapolitik Südafrikas durchgeführt.

Aus dem Ländercall mit Südafrika im Jahr 2020 werden aktuell zwei Projekte für die Umsetzung vorbereitet, es waren folgende zwei Förderschwerpunkte festgelegt worden: 

  • Gerechter Strukturwandel (Just Transition) zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft für Südafrika 
  • Landnutzung und Minderung des Klimawandels 

In Kürze

Region: Südliches Afrika

Einwohnerzahl: 60,0 Millionen (Weltbank, 2021)

CO2eq-Emissionen gesamt (inkl. LULUCF): 491 Millionen Tonnen (Climate Action Tracker, 2017)

CO2-Emissionen pro Kopf: 7,5 Tonnen (Weltbank, 2019)

IKI-Projekte im Land (Stand: Juni 2022):

  • bilateral: 3 laufend, 10 abgeschlossen 
  • regional: 6 laufend, 2 abgeschlossen
  • global: 27 laufend, 27 abgeschlossen

Climate Action Tracker

NDC-Status

 IKI-Partnerministerien:

  • Department of Forestry, Fisheries and the Environment (DFFE)
  • Department of Mineral Resources and Energy (DMRE)
  • Department of Public Works and Infrastructure (DPWI)
  • Department for Water and Sanitation (DWS)
  • Department of Trade, Industry and Competition (DTIC)

Schnittstellenprojekt

In den meisten Schwerpunktländern der IKI gibt es sogenannte IKI-Schnittstellenprojekte, die feste Projektbüros in den Hauptstädten haben. Neben ihrem eigenen landesspezifischen Projektauftrag gehört es zu den Aufgaben der Schnittstellenprojekte, engen Kontakt zu den Umwelt- und Klimaministerien zu halten sowie die klima- und biodiversitätspolitische Vernetzung mit anderen relevanten Ministerien sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten die Schnittstellenprojekte daran, alle IKI-Projekte im Land und in der Region miteinander zu vernetzen und so Synergien zu fördern.

In Südafrika wird die Schnittstellenfunktion derzeit vom Projekt Climate Support Programme IV übernommen. 

Schwerpunkte des Projekts 

  • Unterstützung des DFFE bei der Umsetzung der nationalen Klimaziele in den Bereichen Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Transparenz; Beratung zur Integration des Aspekts biologische Vielfalt 
  • Förderung innovativer Finanzierungströme 
  • Unterstützung bei der Vorbereitung von Projekten (Maßnahmen zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt) 
  • Funktion als IKI-Schnittstelle: Förderung des Dialogs über Klima und Biodiversität zwischen den IKI-Projekten im Land sowie zwischen weiteren Akteur*innen (Vernetzungsangebote und Wissensmanagement)

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