Vietnam

Das Land gehört zu den Schwerpunktländern, mit denen die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) besonders eng zusammenarbeitet.

Vietnam ist durch seine lange Küstenlinie und die Deltas äußerst verwundbar gegenüber dem Klimawandel. Die Auswirkungen des Klimawandels und eine CO2-intensive Ökonomie gefährden Vietnams ehrgeizige Stabilitäts-, Wachstums- und Wohlstandspläne. Die größten Risiken im Hinblick auf den Klimawandel sind die Zunahme von Extremereignissen und verstärkte saisonale Schwankungen, die Überschwemmungen und lokal begrenzten Dürren zur Folge haben. Die Küstengebiete sind vom Meeresspiegelanstieg, Überflutungen und Salzwassereintrag betroffen, was die Biodiversität und Landwirtschaft, insbesondere den Reisanbau in Deltagebieten, beeinträchtigt.

Vietnam ist derzeitig abhängig von fossilen Energieträgern für seine Stromerzeugung. Im Jahr 2020 bestand der Strommix aus 46 Prozent Kohle, 31 Prozent Wasserkraft, 10 Prozent Erdgas/Öl, 11 Prozent Solar, 1 Prozent Wind und 1 Prozent Biomasse/Import. Aufgrund eines schnellen Wirtschaftswachstums entsteht ein starker Druck auf den Ausbau von Stromerzeugungskapazitäten und sonstige Energieinfrastruktur. 

Die Klimapolitik Vietnams

Aktuelle 2030-Ziele gemäß übergeordneter Energiesektorstrategie (Politbüro-Resolution 55, Februar 2020) sind 

  • ein 15 bis 20-prozentiger Anteil von erneuerbaren Energieträgern am Primärenergiebedarf (entsprechend etwa 30 Prozent Erneuerbare-Energien-Anteil am Strommix) sowie 
  • eine Reduzierung des Endenergieverbrauchs um sieben Prozent gegenüber einem Business-as-usual-Szenario. 

Auf der COP26, die im November 2021 in Glasgow stattfand, hat die vietnamesische Regierung überraschend ein neues Netto-Null-Emissionsziels für das Jahr 2050 verkündet. Dadurch werden derzeitig zentrale Strategien und Pläne überarbeitet. Dazu gehören die nationale Klimastrategie und der nationale Energieplan „Power Development Plan 8“. Zudem soll bis zur COP27 ein aktualisierter nationaler Klimabeitrag (Nationally Determined Contribution, NDC) und eine Langfriststrategie eingereicht werden. Es wird erwartet, dass die neue Zielsetzung insbesondere Auswirkungen im Energiesektor haben wird, beispielsweise mit Blick auf den Ausbau erneuerbarer Energien, den Kohleausstieg bei steigendem Energiebedarf oder neue Technologien wie Carbon Capture Storage (CCS) und Wasserstoff. 

Arbeitsschwerpunkte der Internationalen Klimaschutzinitiative

Die IKI fördert eine Bandbreite an Projekten in verschiedenen Sektoren, um Vietnam bei der Transformation hin zu einer klimaverträglichen und resilienten Entwicklung zu unterstützen. Den Bedarfen entsprechend bildet sich die Energiewende als Schwerpunkt im IKI-Portfolio in Vietnam heraus. Der Großteil der Mittel wird im Bereich der Emissionsminderung eingesetzt, darunter gibt es regionale Projekte zu Energieverbrauch, städtischem Klimaschutz und Green Banking. 

Im Bereich Anpassung gibt es, unter anderem, ein Projekt zum Küstenschutzes durch die Anpflanzung von Mangroven sowie ein neues Vorhaben aus dem Ländercall 2020, das den Fokus auf naturbasierten Lösungen im Agrarsektor richtet. Ergänzt wird das IKI-Portfolio um regionale und globale Projekte zu innovativen Versicherungen und Klimadienstleistungen. 

In Kürze

Region: Asien

Einwohnerzahl: 98,2 Millionen (Weltbank, 2021)

CO2eq-Emissionen gesamt (inkl. LULUCF): 310 Millionen Tonnen (Climate Action Tracker, 2016)

CO2-Emissionen pro Kopf: 3,5 Tonnen (Weltbank, 2019)

IKI-Projekte im Land (Stand: Juni 2022):

  • bilateral: 8 laufend, 11 abgeschlossen
  • regional: 8 laufend, 11 abgeschlossen
  • global: 23 laufend, 24 abgeschlossen

Climate Action Tracker

NDC-Status

 IKI-Partnerministerien:

  • Umweltministerium (MONRE) 
  • Landwirtschafsministerium (MARD)
  • Bauministerium (MOC)
  • Finanzministerium (MOF)
  • Ministerium für Industrie und Handel (MOIT)
  • Verkehrsministerium (MOT)
  • Ministerium für Planung und Investition (MPI)
     

Schnittstellenprojekt

In den meisten Schwerpunktländern der IKI gibt es sogenannte IKI-Schnittstellenprojekte, die feste Projektbüros in den Hauptstädten haben. Neben ihrem eigenen landesspezifischen Projektauftrag gehört es zu den Aufgaben der Schnittstellenprojekte, engen Kontakt zu den Umwelt- und Klimaministerien zu halten sowie die klima- und biodiversitätspolitische Vernetzung mit anderen relevanten Ministerien sicherzustellen. Darüber hinaus arbeiten die Schnittstellenprojekte daran, alle IKI-Projekte im Land und in der Region miteinander zu vernetzen und so Synergien zu fördern.

In Vietnam wird die Schnittstellenfunktion derzeit vom Projekt Unterstützung Vietnams für die Umsetzung des Pariser Abkommens (SIPA) übernommen. 

Schwerpunkte des Projekts 

Die Unterstützung der vietnamesischen Regierung zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens erstreckt sich auf fünf Kernbereiche:

  • Beratung bei der weiteren Entwicklung und Umsetzung des vietnamesischen Klimabeitrags. 
  • Unterstützung beim Aufbau eines institutionellen Rahmens zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. 
  • In Zusammenarbeit mit relevanten Ministerien, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft: Entwicklung von Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes, die langfristig finanzierbar sind. 
  • In zwei Provinzen werden konkrete Maßnahmen durchgeführt, die hohes Skalierungspotential aufweisen (Konzept der ökosystembasierten Anpassung)
  • Funktion als IKI-Schnittstelle: Förderung des Dialogs über Klima und Biodiversität zwischen den IKI-Projekten im Land sowie zwischen weiteren Akteur*innen (Vernetzungsangebote und Wissensmanagement)

Kontakt zum Projekt

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