Wie Klimarisikoversicherungen Menschen und Natur schützen
Ein innovativer Versicherungsansatz zeigt, wie sich Menschen und Natur gemeinsam besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen können.
Für die Menschen in Saint Bernard oder auf den Inseln der geschützten Küstenlandschaft Biri-LaRoSa gehören Taifune zum Alltag. Doch in den vergangenen Jahren sind die Stürme heftiger geworden. Wenn meterhohe Wellen auf die Küste treffen, stehen nicht nur Häuser und Existenzen auf dem Spiel. Auch die Mangrovenwälder, die erste natürliche Verteidigungslinie gegen Sturmfluten, werden oft schwer beschädigt.
Dabei leisten Mangroven weit mehr als Küstenschutz. Sie sind Kinderstube für Fische, speichern große Mengen Kohlenstoff und sichern vielen Familien ihre Lebensgrundlage. Werden sie zerstört, trifft das Mensch und Natur gleichermaßen. Genau hier setzt Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) an:
Gemeinsam mit Partnern zeigt ein IKI-Projekte, wie sich finanzielle Schutzmechanismen mit ökosystembasierter Anpassung (Ecosystem-based Adaptation, EbA) verbinden lassen. Das Ziel: die Widerstandsfähigkeit besonders gefährdeter Küstengemeinden gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken. Dabei wird der Schutzwert von Küstenökosystemen wie Mangrovenwäldern gezielt berücksichtigt.
Mangroven mit Versicherungsschutz
Ein zentrales Vorhaben ist die Entwicklung einer parametrischen Versicherung für Mangroven, die zunächst in Saint Bernard (Southern Leyte) sowie in der geschützten Küsten- und Meereslandschaft Biri-LaRoSa (BLPLS) in Northern Samar erprobt werden soll.
Die Versicherung sieht Auszahlungen an Versicherungsnehmer – etwa lokale Verwaltungseinheiten oder kommunale Umweltbehörden – vor, wenn Mangrovenbestände infolge eines Taifuns erheblich beschädigt werden. Grundlage sind klimabezogene Parameter wie Windgeschwindigkeit oder Sturmfluthöhen. Werden zuvor festgelegte Schwellenwerte überschritten, erfolgt die Auszahlung automatisch.
Schnelle Finanzierung bedeutet schnelle Wiederherstellung. Je schneller sich Ökosysteme erholen, desto stärker wird langfristig die Resilienz von Mensch und Natur.
Das Besondere: Versichert ist dabei das Mangrovenökosystem selbst. Die Mittel sollen unmittelbar nach einem Taifun für Schadensbewertungen, Aufräumarbeiten und Wiederherstellungsmaßnahmen bereitstehen. So kann die Regeneration der Mangroven und ihrer wichtigen Küstenschutzfunktion beschleunigt werden.
Die Versicherungsleistungen ergänzen die Haushaltsmittel der lokalen Verwaltungseinheiten und Umweltbehörden für Wiederaufforstung und Schutzmaßnahmen, darunter die Anzucht von Setzlingen, Wiederbepflanzungen und Maßnahmen zur Durchsetzung des Naturschutzes.
Gleichzeitig können Bewohnerinnen und Bewohner der Küstenregionen für Schadensbewertungen geschult und für Aufräumarbeiten beschäftigt werden. Diese sogenannten „Cash-for-Work-Maßnahmen“ schaffen unmittelbar nach Naturkatastrophen Einkommensmöglichkeiten. Langfristig soll der Ansatz sowohl die Widerstandsfähigkeit der Küstengemeinden als auch die Stabilität der natürlichen Lebensräume stärken.
Meilenstein in Sicht: die Zulassung des Versicherungsprodukts
Entwickelt wird das Versicherungsprodukt gemeinsam von der staatlichen Philippine Crop Insurance Corporation (PCIC) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die das IKI-Projekt umsetzt. Angeboten werden soll es zunächst in den beiden Projektregionen Northern Samar und Southern Leyte. Langfristig sollen die Versicherungsprämien von den lokalen Verwaltungseinheiten oder den lokalen Umweltbehörden getragen werden.
Das IKI-Projekt unterstützt die PCIC unter anderem durch Machbarkeitsstudien, technische Beratung bei der Produktentwicklung, Fortbildungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen sowie bei der Erschließung öffentlicher Finanzierungswege für die Prämien.
Derzeit läuft die Entwicklung des Produkts parallel zu Schulungs- und Informationsmaßnahmen für die PCIC und die beteiligten Kommunen. Die Zulassung des Versicherungsprodukts ist für Ende 2026 vorgesehen. Eine erste Produktsimulation soll im ersten Quartal 2027 folgen.
Neue Rahmenbedingungen für das Klimarisikomanagement
Über die Entwicklung des Versicherungsprodukts hinaus trägt das Projekt dazu bei, günstige Rahmenbedingungen für innovative Klimarisikoversicherungen auf den Philippinen zu schaffen. Dazu gehören die Unterstützung bei der Zulassung entsprechender Versicherungsprodukte, die stärkere Berücksichtigung von Versicherungsansätzen in der Entwicklungsplanung sowie die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen, der Versicherungswirtschaft und lokalen Akteuren.
Die geplante Mangrovenversicherung wäre die erste ihrer Art auf den Philippinen. Sie könnte den Weg für weitere Versicherungsprodukte ebnen, die gezielt natürliche Ökosysteme absichern – sowohl durch staatliche als auch private Versicherungsanbieter.
Ein Modell für klimaresiliente Küstenregionen
Angesichts zunehmender Klimarisiken zeigt das Beispiel der Philippinen, wie Klimarisikoversicherungen die ökosystembasierte Anpassung sinnvoll ergänzen und die Resilienz gefährdeter Küstengemeinden stärken können.
Die Erfahrungen aus der Pilotphase und der Weiterentwicklung des Ansatzes können künftig auch anderen besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen als Orientierung dienen.
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Ausgezeichnet!
Das IKI-Projekt wurde im Abschlussbericht „Global Shield Vision 2025“ als Impact Story ausgezeichnet.