22.09.2026

Die Energiewende beginnt in der Küche

Frau mit buntem Kleid und Schürze steht vor einem Kochherd in einer Holzhütte in Guatemala
Doña Paulina Rajop gehört zu der Gruppe von Frauen, die für die Wartung von Kochherden geschult wurden,

Weniger Rauch, weniger Brennholz, mehr Lebensqualität: Doña Flory López aus Guatemala kocht dank eines verbesserten Kochherds gesünder und umweltfreundlicher. 

Jeden Tag bereitet Doña Flory López in ihrem Zuhause in San Mateo, Guatemala, Frühstück, Mittag- und Abendessen für fünfzehn Menschen zu. Bis vor Kurzem bedeutete das, ihren holzbefeuerten Herd ständig mit Brennholz zu versorgen, wodurch ihre Küche voller Rauch war. Heute bereitet sie weiterhin dieselben Tortillas und Mahlzeiten zu – benötigt dafür aber weniger als die Hälfte des Brennholzes, das sie zuvor verbrauchte.

Weniger Rauch, weniger Brennholz

Wie Millionen Haushalte in Guatemala ist Doña Flory seit Langem auf Brennholz zum Kochen angewiesen. Ihr früherer Herd verfügte über keine wirksame Möglichkeit, den Rauch abzuleiten. Zehn Jahre lang sammelte sich der Rauch in ihrer Küche, schwärzte den Herd und setzte ihre Familie einer gesundheitsschädlichen Luftverschmutzung aus.

Vor fünf Monaten ersetzte Doña Flory ihren alten Herd durch einen verbesserten Kochherd, der im Rahmen des Programms „Effiziente Nutzung von Brennholz und alternativen Brennstoffen in ländlichen und indigenen Gemeinden in Guatemala“ (Guatemala – Cookstoves) unterstützt wird.

Es fördert effizientere, emissionsarme Kochlösungen und arbeitet zugleich mit lokalen Herstellern zusammen, damit Familien die Technologien vor Ort kaufen, warten und reparieren lassen können.

Für Doña Flory ist der Unterschied unmittelbar spürbar. Sie schätzt, dass sie früher etwa eine Tarea – ungefähr einen Kubikmeter – Brennholz pro Monat verbrauchte. Heute benötigt sie weniger als die Hälfte davon. Ein Schornstein leitet den Rauch nach draußen, anstatt ihn in ihrer Küche entweichen und ansammeln zu lassen.

Eine Frau mit Zopf und kariertem Schürzenkleid backt Tortillas auf einer Arbeitsfläche mit mehreren Tortillas in einer Küche in Guatemala.
Doña Flory bereitet auf ihrem Kochherd Tortillas zu.
Verbesserte Kochherde sind besonders wichtig für die Gesundheit unserer Kinder und für uns Frauen, da wir diejenigen sind, die die meiste Zeit zu Hause mit dem Kochen verbringen.
Doña Flory López, Einwohnerin von San Mateo

Das Programm arbeitet mit 15 Herstellern verbesserter Kochherde (ICS) zusammen, die den Haushalten eine Reihe geprüfter Modelle anbieten. Alle Herde verfügen über eine Plancha, auf der Familien Tortillas und andere Speisen zubereiten können, sowie über einen Schornstein, der den Rauch aus der Küche ableitet. Außerdem besitzen sie eine effiziente Brennkammer, die den Brennholzverbrauch reduziert. 

Von der Küche zu messbaren Klimawirkungen

Doña Florys Erfahrung steht beispielhaft für einen Wandel, der sich in Tausenden Haushalten vollzieht. Bis Juli 2026 hatten mehr als 26.688 Menschen durch das Programm direkt von saubereren Kochbedingungen profitiert.

Dem Programm zufolge wurden kumulativ mehr als 134.000 t CO₂e an Treibhausgasemissionen eingespart, vor allem durch den geringeren Brennholzverbrauch.

Das Programm zielt nicht nur darauf ab, Technologien zu verteilen, sondern auch darauf, einen funktionierenden Markt für sauberere Kochlösungen aufzubauen. Lokale Hersteller werden dabei unterstützt, die Qualität, Produktion, den Vertrieb und die Wartung verbesserter Kochherde weiterzuentwickeln.

Familien wie die von Doña Flory treffen ihre Kaufentscheidungen selbst, während ausgebildete Frauen in indigenen Gemeinschaften zunehmend Wartungs- und Reparaturdienstleistungen vor Ort anbieten. In drei Maya-K’iche’-Gemeinden wurden 63 Frauen in der Wartung und Reparatur verbesserter Kochherde geschult. Sie kümmern sich inzwischen um 200 Herde in ihren Gemeinden.

Dieses lokale Fachwissen trägt dazu bei, dass die Vorteile der neuen Technologie auch nach der Installation erhalten bleiben.

Der nächste Schritt: Kochen mit Strom wird erprobt

Verbesserte Kochherde reduzieren bereits in großem Umfang den Brennholzverbrauch und die Rauchbelastung. Gleichzeitig unterstützt das Programm 1.250 Familien bei der Einführung elektrischer Kochtechnologien.

Teilnehmende Haushalte können einen Gutschein in Höhe von 50 US-Dollar für den Kauf von Induktionskochfeldern erhalten, ergänzt durch Schulungen und Beratung. Darüber hinaus stehen Mikrokredite für Induktionskochfelder, elektrische Schnellkochtöpfe und elektrische Planchas zur Verfügung. Wo erforderlich, werden auch die elektrischen Hausinstallationen verbessert, damit die Geräte sicher genutzt werden können.

Erste Beobachtungen zeigen, dass das elektrische Kochen bereits verändert, wie einige Haushalte traditionelle Brennstoffe nutzen. Von den 65 Haushalten, die zwischen Mai und Juli 2026 beobachtet wurden, gaben 62 an, dass sie für die tägliche Zubereitung von Mahlzeiten kein Brennholz mehr verwendeten. Einige nutzten es jedoch weiterhin für bestimmte Gerichte oder für die Zubereitung größerer Mengen. Die Haushalte berichteten außerdem, dass ihre LPG-Gasflaschen nach der Einführung elektrischer Kochtechnologien 15 bis 30 Tage länger hielten.

Diese ersten Ergebnisse verdeutlichen, wie Finanzierung, Schulungen und technische Unterstützung Haushalten dabei helfen können, einen Teil ihrer Kochaktivitäten auf Strom umzustellen. 

Das Pilotprojekt liefert wertvolle Erkenntnisse darüber, wie elektrisches Kochen verbesserte Kochherde ergänzen und Teil eines umfassenderen Übergangs zu saubererem und emissionsärmerem Kochen werden kann.

Für Doña Flory hat die Energiewende bereits mit einer ganz praktischen Veränderung in ihrer eigenen Küche begonnen. Sie kocht weiterhin die Speisen, die ihre Familie seit Langem zusammenbringen, aber mit deutlich weniger Brennholz und ohne einen vom Rauch erfüllten Raum.

Erfahrungen wie ihre – zusammen mit den neuen Erkenntnissen des Programms zum elektrischen Kochen – zeigen auf, wie Familien in ganz Guatemala mit weniger Luftverschmutzung, geringeren Emissionen und mehr Komfort kochen können.

Hintergrund zur Projektarbeit

57 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Guatemala entfallen auf die Nutzung von Brennholz, das hauptsächlich zum Kochen verwendet wird. Etwa 2,1 Millionen Haushalte, die überwiegend in den ärmsten und am stärksten gefährdeten Gemeinden des Landes liegen, nutzen Brennholz. 70 Prozent der guatemaltekischen Haushalte – vor allem Kinder und Frauen – sind einem hohen Risiko für Herz- und Atemwegserkrankungen ausgesetzt. 

IKI-Unterstützung für die Mitigation Action Facility

Das Projekt Guatemala – Cookstoves wird über die Mitigation Action Facility finanziert. Die Mitigation Action Facility – ein multilaterales Förderprogramm – stellt technische Unterstützung und Finanzierung bereit, um die Umsetzung ambitionierter Minderungsmaßnahmen zu fördern. Sie treibt die Dekarbonisierung in den drei Schwerpunktsektoren Energie, Verkehr und Industrie voran. Einer ihrer wichtigsten Finanzierungspartner ist die deutsche Bundesregierung, die ihre Unterstützung über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) bereitstellt.

Weitere Projekte im Schwerpunktsektor Energie

 

Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert

Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

Kontaktformular