Grüne Kompetenzen, konkrete Wirkung: Sambias Biogas-Unternehmer
Ein junger Unternehmer in Sambia macht aus Marktabfällen Biogas. Wie die IKI junge Innovatoren dabei unterstützt, nachhaltige grüne Geschäftsmodelle aufzubauen.
Jeden Morgen kehren Händlerinnen und Händler auf den Märkten Sambias Gemüseschalen, verdorbene Tomaten und Essensreste in Abfallbehälter. Für Mphatso Simbao, Gründer von Umodoro Biotech, ist dieser Abfall kein Müll, sondern eine wertvolle Ressource. Seine Biogasanlagen verwandeln organische Marktabfälle in Biogas zum Kochen und nährstoffreichen Gärrest, der als landwirtschaftlicher Dünger eingesetzt werden kann.
Doch um aus dieser Idee ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, brauchte es mehr als technisches Fachwissen. Es galt, eine Klimalösung zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Kundschaft entspricht und wirtschaftlich nachhaltig ist.
Von ersten Experimenten zu marktorientierter Innovation
Mphatso wuchs auf einem Bauernhof ohne Müllabfuhr auf, wo Abfälle routinemäßig verbrannt wurden. „Wir haben einfach immer alles verbrannt“, erinnert er sich. Auf der Suche nach besseren Möglichkeiten der Abfallverwertung begann er, mit Düngemitteln zu experimentieren. Sein Projekt brachte ihm 2016 einen Platz bei der Google Science Fair ein. Bei einem Stipendienbesuch in der Google-Zentrale lernte er die Technologie zur Herstellung von Biokraftstoffen kennen.
Nach seiner Rückkehr brachte er sich ein ganzes Jahr lang selbst den Bau von Biogasanlagen bei, bevor er eine funktionsfähige Anlage bei seinen Eltern zu Hause installierte. Doch aus einer technischen Errungenschaft ein nachhaltiges Unternehmen zu machen, blieb eine Herausforderung.
Während Sambia an der Erreichung seiner nationalen Klimaziele arbeitet, können junge Innovatorinnen und Innovatoren dazu beitragen, vielversprechende Ideen in praktische Lösungen umzusetzen. Technologie allein reicht jedoch nicht aus.
Klimainnovation erfordert auch Marktkenntnisse, Geschäftsentwicklung und ein Verständnis für die Bedürfnisse der Kundschaft.
Hier setzt die Facility for Action for Climate Empowerment to Achieve Nationally Determined Contributions (FACE-NDC) Innovation Challenge an, die von Deutschlands Internationaler Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt wird.
Als einer der zwölf besten Finalisten Sambias nahm Mphatso an einem fünfwöchigen Trainingsprogramm teil, um Klimalösungen weiterzuentwickeln, die zu den national festgelegten Klimabeiträgen des Landes beitragen.
Erst zuhören, dann entwickeln
Ursprünglich plante Mphatso, Kunststoffabfälle in Rohöl umzuwandeln. Während des Trainings erkannte er jedoch, dass sein Konzept keinen ausreichend klaren Marktbedarf bediente. Stattdessen begann er, direkt mit potenziellen Kundinnen und Kunden zu sprechen.
„Ich habe rund 30 Unternehmen in sieben großen Marktgebieten interviewt“, erzählt er.
Die Gespräche machten zwei miteinander verbundene Herausforderungen deutlich: wachsende Mengen an Lebensmittelabfällen und einen konstanten Bedarf an bezahlbarem Kochbrennstoff. Mphatso gab sein ursprüngliches Konzept auf und richtete Umodoro neu aus – hin zur Biogasproduktion.
Dabei lernte er, Ideen zu überprüfen, potenzielle Nutzende einzubeziehen und Lösungen an tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten, anstatt zuerst ein Produkt zu entwickeln und erst danach nach Kundschaft zu suchen.
Ein Geschäftsmodell, das lokale Wertschöpfung schafft
Das Geschäftsmodell von Umodoro kombiniert drei zentrale Komponenten: einen 1.000-Liter-Biodigester, der Lebensmittelabfälle in Gas umwandelt, Gasspeicherbeutel und intelligente Zähler, mit denen Kundinnen und Kunden nur für die tatsächlich verbrauchte Gasmenge bezahlen. So müssen Händlerinnen und Händler nicht die gesamten Kosten einer Anlage im Voraus tragen. Zudem entsteht ein Nebenprodukt, das als organischer Dünger genutzt werden kann.
Um die Kosten weiter zu senken, plant Mphatso, die Speicherbeutel lokal herzustellen. Während importierte Beutel rund 150 US-Dollar pro 1.000 Liter kosten, soll die lokale Produktion den Preis auf 40 bis 50 US-Dollar senken. Das könnte dazu beitragen, dass sich das Unternehmen schneller wirtschaftlich trägt und zugleich neue grüne Arbeitsplätze vor Ort entstehen.
Zu den wichtigsten Zielgruppen gehören Lebensmittelhändlerinnen und -händler, viele von ihnen Frauen.
Mit diesem System werden die Lebensmittelabfälle aus dem Verkaufsbetrieb zur Herstellung des Kochbrennstoffs für denselben Betrieb genutzt.
Die Lösung zeigt, wie lokal angepasste Klimainnovationen Abfälle reduzieren, alternative Kochenergie bereitstellen und wirtschaftliche Chancen schaffen können.
Von der Schulung zur Investitionsreife
Beim Pitch Day im Mai 2026 wurde Umodoro als eines von drei Teams für ein weiteres fünfwöchiges Mentoring- und Förderprogramm im Rahmen von FACE-NDC ausgewählt.
Mphatso baute seine Kompetenzen in den Bereichen Kundengewinnung, Finanzierung und Wachstumsplanung aus. Er lernte, wie sich Genehmigungen für Märkte lokaler Kommunen einholen lassen, wie sich die Wirkung anhand vermiedener Abfallmengen und eines geringeren Holzkohleverbrauchs messen lässt und wie sichergestellt werden kann, dass auch Händlerinnen von der Lösung profitieren. Mentorinnen, Mentoren und andere Innovatorinnen und Innovatoren unterstützten ihn außerdem dabei, Produkte auf Grundlage von Nutzerfeedback zu verbessern, die Umweltwirkung gegenüber Geldgebern zu vermitteln und verantwortungsvolles Wachstum zu planen.
Am 3. Juli 2026 präsentierte er beim Demo Day einen investitionsreifen Geschäftsplan. Die Veranstaltung wurde von Bongo Hive organisiert und vom FACE-NDC-Projekt unterstützt. Das Programm brachte ihn zudem mit potenziellen Investoren und Organisationen aus dem Bereich des grünen Unternehmertums zusammen. Anschließend präsentierte er seine Geschäftsidee Investorinnen und Investoren über das Zambia Business Angels Network und begann ein dreijähriges Inkubationsprogramm für Start-ups am National Technology Business Centre.
Potenzial in konkrete Wirkung umsetzen
Heute stehen bereits zwei Kunden bereit, und eine neue Partnerschaft zur Herstellung von Druckgasflaschen für komprimiertes Biogas ist hinzugekommen.
In den kommenden zwei Jahren will Mphatso seine Anlagen auf mindestens 15 Märkten lokaler Kommunen betreiben – und so Abfälle reduzieren und gleichzeitig bezahlbare Kochenergie bereitstellen.
Seine Geschichte zeigt, dass erfolgreiche Klimainnovation mehr erfordert als eine vielversprechende Technologie. Entscheidend sind auch die Fähigkeiten, Märkte zu verstehen, auf die Bedürfnisse der Nutzenden einzugehen, Partnerschaften aufzubauen und ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln.
Durch die FACE-NDC Innovation Challenge, unterstützt von der IKI, erwarb Mphatso das Wissen und die unternehmerischen Kompetenzen, um seine Experimente in eine konkrete Geschäftsentwicklung zu überführen. Sein Beispiel zeigt, wie grünes Unternehmertum dazu beitragen kann, praktische und wirtschaftlich tragfähige Klimalösungen zu entwickeln.
„Wenn wir vollständig nachhaltig und unabhängig sein können“, sagt er, „glaube ich, dass wir weit kommen können.“
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