11.08.2026

Klimaresilient dank Agroforstwirtschaft

Mangobäume stehen auf trockenem Boden in einem Flussbettgebiet in der Region Dodoma in Tansania.
Mangobäume bieten Schatten in einem Flussbettgebiet in der Region Dodoma, Tansania.

So stärkt die IKI die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im ländlichen Tansania.

Steigende Temperaturen, immer heftigere und unvorhersehbarere Niederschläge sowie Überschwemmungen und Dürren prägen die Regionen Dodoma und Morogoro im Zentrum Tansanias. Die Folgen des Klimawandels erschweren zunehmend die landwirtschaftliche Produktion und gefährden damit die wichtigste Lebensgrundlage eines Großteils der ländlichen Bevölkerung.

Hier setzt das Projekt „Skalierung von Agroforstwirtschaft für ganzheitliche Stärkung der Klimaresilienz im ländlichen Tansania (SCARF)“ an, das von Deutschlands Internationaler Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt wird. Ziel des Projekts ist es, die Einführung und Verbreitung agroforstwirtschaftlicher Praktiken in Tansania gezielt zu fördern.

Agroforstwirtschaft gilt als wirksamer Ansatz, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Die Integration von Bäumen und Sträuchern in Ackerbau- und Viehhaltungssysteme stärkt die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe gegenüber klimatischen Belastungen. Besonders in den agrarisch geprägten semiariden und subhumiden Regionen Tansanias bietet dieser Ansatz eine ökologisch nachhaltige Antwort auf die wachsenden Herausforderungen.

Lokale Dynamiken verstehen, Herausforderungen identifizieren

Agroforstwirtschaft bietet zahlreiche Vorteile. Sie verbessert beispielsweise die Bodenfruchtbarkeit, reguliert das Mikroklima und trägt zur Diversifizierung von Lebensgrundlagen bei. Trotz dieses anerkannten Potenzials ist ihre Verbreitung unter Landwirt*innen in den Regionen Dodoma und Morogoro bislang gering.

Das IKI-Projekt verfolgt das Ziel, das Verständnis der sozioökologischen Zusammenhänge zu vertiefen und Hindernisse für die breitere Einführung agroforstwirtschaftlicher Praktiken zu identifizieren. Auf dieser Grundlage entwickelt das Projekt Handlungsempfehlungen, um die Verbreitung von Agroforstwirtschaft zu fördern und die Anfälligkeit ländlicher Gemeinschaften gegenüber den Folgen des Klimawandels zu verringern. 

Erfolgreiche Anwendung von Agroforstwirtschaft in Tansania

Die Zusammenarbeit mit den lokalen Landwirt*innen begann mit Fokusgruppendiskussionen in den Dörfern und multidisziplinären Workshops. Dabei wurden die biophysikalischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die Herausforderungen der Bevölkerung sowie die Potenziale agroforstwirtschaftlicher Ansätze analysiert.

Auf dieser Grundlage wurden gemeinsam maßgeschneiderte und standortgerechte Lösungen entwickelt. Dabei identifizierten die Projektbeteiligten fünf zentrale Agroforsttechnologien (AFTs):

  • Fruchtbaummischkulturen, 
  • Holzpflanzungen zur Bereitstellung von Bau- und Brennholz, 
  • die Integration von stickstofffixierenden Baumarten sowie Maßnahmen zur Regenwasserspeicherung,
  • Konturpflanzungen mit Futterpflanzen und 
  • mehrjährige Kulturen zur integrierten natürlichen Schädlingsbekämpfung.

Diese Agroforsttechnologien bilden einen zentralen Baustein des Projekts. Sie dienen als Grundlage für die Beratung und Unterstützung der Landwirt*innen beim Aufbau standortangepasster Agroforstsysteme.

Mehrere Papaya-Bäume mit großen Früchten auf einem Feld unter bewölktem Himmel.
Papaya-Bäume gehören zu den Pflanzungen, die zum Einsatz kommen.

Umfragen für eine starke Wissensbasis

Darüber hinaus wurden in den Regionen Erhebungen mit Landwirt*innen durchgeführt. Die Ergebnisse lieferten wichtige Erkenntnisse über die Faktoren, die die Entscheidung zur Pflanzung und Erhaltung von Agroforstbäumen beeinflussen. Sie zeigten zudem auf, welche Unterstützung die Betriebe für die Pflege bestehender Baumbestände benötigen und welche Maßnahmen die weitere Verbreitung agroforstwirtschaftlicher Praktiken fördern können.

Darüber hinaus identifizierten die Erhebungen Faktoren, die zum Erhalt lokaler Baumarten beitragen, sowie geeignete Baumarten für unterschiedliche Standorte. Grundlage hierfür waren sowohl die Präferenzen der Landwirt*innen als auch die jeweiligen ökologischen Standortbedingungen.

Stärkung der Kompetenzen von Landwirt*innen

Ein zentraler Bestandteil des Projekts war die Stärkung der Kompetenzen lokaler landwirtschaftlicher Gemeinschaften, damit sie die Vorteile agroforstwirtschaftlicher Technologien besser verstehen und in der Praxis anwenden können. Zu diesem Zweck wurden in acht Dörfern der Zielregionen Demonstrationsflächen eingerichtet, auf denen die ausgewählten Agroforsttechnologien erprobt und anschaulich vermittelt wurden. Die Demonstrationsflächen entstanden unter Beteiligung von Landwirt*innen aus verschiedenen Dörfern sowie landwirtschaftlichen Beratungsfachkräften.

Um die weitere Verbreitung agroforstwirtschaftlicher Praktiken zu unterstützen, verfolgte das Projekt einen mehrstufigen Ansatz. So wurden zusätzliche Schulungen zu Themen wie der Anlage und Bewirtschaftung von Baumschulen, der Baumpflege sowie weiteren agrarökologischen Methoden angeboten. Zudem entstanden in den Dörfern Baumschulen, um den Zugang zu den ausgewählten Baumarten zu verbessern.

Während der ersten Anbausaison erhielten die teilnehmenden Landwirt*innen eine kontinuierliche fachliche Begleitung. Bei regelmäßigen Vor-Ort-Besuchen und über den Austausch per WhatsApp konnten sie offene Fragen klären und so Herausforderungen bei der Umsetzung der Agroforstmaßnahmen bewältigen.

Einbindung politischer Entscheidungsträger

Das Projekt führte darüber hinaus mehrere Workshops mit Ministerien, lokalen Regierungsakteuren und landwirtschaftlichen Beratungsdiensten durch. Kürzlich organisierte es einen nationalen Workshop mit Fachabteilungen von Ministerien, Beratungsdiensten sowie weiteren zentralen Interessengruppen. Ziel war es, Forschungsergebnisse in konkrete, für Politik und Praxis umsetzbare Maßnahmen zu überführen.

An dem Workshop nahmen insgesamt 21 Personen teil, darunter fünf Frauen. Die Präsentationen vermittelten einen Überblick über die Grundlagen der Agroforstwirtschaft, die im Projekt geförderten Agroforsttechnologien sowie Ansätze zur Skalierung ihrer Anwendung. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung der breiten Übernahme bewährter Praktiken hervorgehoben.

Der Workshop stärkte das Bewusstsein für Agroforstwirtschaft, verbesserte die institutionelle Abstimmung und legte – gemeinsam mit den weiteren Projektaktivitäten – die Grundlage dafür, Agroforstsysteme stärker in die landwirtschaftliche Planung, die Ressourcenmobilisierung sowie in nationale Monitoring- und Evaluierungsrahmen zu integrieren. 

Damit unterstützt die IKI ganz konkret den Aufbau langfristiger Strukturen zur Förderung der Klimawiderstandsfähigkeit durch Agroforstwirtschaft in Tansania.

Über die IKI Medium Grants

Mit dem IKI-Medium-Grants-Förderinstrument, das von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt wird, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.

Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.

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