18.08.2026

Mit lokalen Ideen gegen den Klimawandel

Blick auf Kiribati: Hauptatoll Tarawa und seine Lagune

Auf den Atollinseln von Kiribati zeigt Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI), wie Gemeinden mit einfachen, lokal angepassten Lösungen ihre Ernährung sichern und widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel werden können.

Salzwasser dringt in die Böden ein, das Grundwasser versalzt, und an der Küste steigt das Risiko von Überschwemmungen. Trotzdem wachsen auf Kiribati Früchte, Gemüse und andere Lebensmittel – in Hochbeeten, Aquaponik-Anlagen und mit Hilfe von Pflanzenkohle. Was auf den ersten Blick nach sehr kleinen Lösungen aussieht, hilft den Gemeinden, mit den Folgen des Klimawandels zu leben und unabhängiger von importierten Lebensmitteln zu werden.

Eigene Lebensmittel anbauen, neue Einkommensquellen erschließen

Los geht´s: Der eigene Anbau von Lebensmitteln ist ein Baustein, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Das IKI-Projekt „Blau-grüne Entwicklung in Kiribati“ setzte auf einfache Methoden, mit denen die Gemeinden ihre Lebensmittelversorgung verbessern und sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten können.

Die Gemeinden erhielten praktische Schulungen 

  • zum Lebensmittel-Anbau in Hochbeeten, 
  • zur Kompostierung von organischen Abfällen und Seetang, 
  • zur Verbindung von Fischzucht und Pflanzenanbau in einem geschlossenen Wasserkreislauf (Aquaponik) und 
  • zur Kleintierhaltung, etwa von Schweinen und Hühnern.

Außerdem wurde der Einsatz von Pflanzenkohle (Biochar) erprobt, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und die Auswirkungen der Versalzung auf Nutzpflanzen zu verringern.

Mit diesen Ansätzen können die Haushalte trotz der schwierigen Umweltbedingungen vor Ort Obst und Gemüse anbauen. Mehr lokale Lebensmittel bedeuten zugleich weniger Abhängigkeit von Importen. Das ist besonders wichtig, wenn Lieferketten unterbrochen werden – wie während der Covid-19-Pandemie.

Das Projekt förderte zudem Abfalltrennung und Recycling und richtete kleine Gemeinschaftsmärkte ein, auf denen überschüssige Erzeugnisse getauscht oder verkauft werden können. Damit entstehen nicht nur neue Möglichkeiten für die Lebensmittelversorgung, sondern auch für zusätzliche Einkommen – insbesondere für Frauen.

Frauen und ältere Menschen als Motor für den Wandel

Frauen und ältere Menschen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Maßnahmen. So bestanden beispielsweise vier von fünf teilnehmenden Kirchengruppen nahezu vollständig aus Frauen und älteren Menschen. 

Gerade Frauen tragen häufig Verantwortung für die Ernährung ihrer Familien und das Wohlergehen der Gemeinschaft - deshalb waren sie eine wichtige Zielgruppe der Schulungsangebote. 

Lokale Strukturen nutzen, Wirkung verstärken

Das Projekt nutzte das traditionelle „Maneaba-System Kiribatis“, um Vertrauen aufzubauen, die Beteiligung zu fördern und die Zusammenarbeit zwischen Kirchenältesten und weiblichen Führungspersönlichkeiten zu stärken. Maneabas sind traditionellen Versammlungsorte, an denen sich die Menschen austauschen und gemeinschaftliche Entscheidungen treffen.

Zum Beispiel in Betio: Auf der Insel, auf der Kirchen eine zentrale Rolle im Zusammenleben der Gemeinden spielen, fanden Workshops in den kirchlichen Maneaba-Gebäuden statt. 

Zudem setzte das Projekt auf die Verbindung von wissenschaftlichen Informationen mit den Erfahrungen der Menschen vor Ort. So konnten die Gemeinden besser verstehen, welche langfristigen Veränderungen der Klimawandel mit sich bringt. Denn: Gerade schleichende Veränderungen sind oft schwer wahrzunehmen – und damit auch schwer als unmittelbare Gefahr zu erkennen.

Erfahrungen weitergeben

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts ist, dass Klimaanpassung besonders dann funktioniert, wenn Lösungen gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden, bezahlbar sind und zu den lokalen Bedingungen passen.

Schulungsmaterialien, Leitfäden und Erfahrungen aus Pilotgemeinden wie Bonriki, Temwaiku, Bikenibeu, Eita und Nanikaai helfen dabei, das Wissen aus der Projektarbeit an andere Inselgemeinden in Kiribati weiterzugeben. Veranstaltungen und der Austausch zwischen Gemeinden, Gemeinderäten und weiteren Akteuren tragen dazu bei, erfolgreiche Ansätze bekannt zu machen und weiterzuentwickeln.

Ausblick

Das IKI-Projekt hat wichtige Impulse für eine gemeindebasierte Anpassung an den Klimawandel gesetzt. Viele Haushalte führen den Gemüseanbau und Aquaponik bereits mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten fort - oder bauen die Aktivitäten weiter aus.

Die Arbeit geht damit über das Projektende hinaus: Lokale Gemeinderäte, Gemeinden und Partner wollen die Erfahrungen durch weitere Schulungen, Austausch und die Aufnahme erfolgreicher Ansätze in lokale Planungsprozesse weiter nutzen.

Über die IKI Medium Grants

Das Projekt „Blau-grüne Entwicklung in Kiribati“ wurde im Rahmen der IKI Medium Grants gefördert. Mit den Förderinstrument, das von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt wird, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.

Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.

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