Neue Impulse für Klimaschutz, Biodiversitätserhalt und Gemeinschaften
73.000 neu gepflanzte Bäume, 93 Hektar wiederhergestellte Waldflächen und jährlich 415 Tonnen weniger CO₂-Emissionen – das ist die Bilanz eines IKI-Projekts in Tansania.
Noch nachhaltiger als diese Zahlen ist jedoch eine andere Wirkung: Drei Dorfgemeinschaften haben gelernt, ihre Wälder selbst zu schützen und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Wer heute die Dörfer Vumari, Kigurusimba und Msaraza in den tansanischen Distrikten Same und Pangani besucht, sieht junge Bäume wachsen: auf ehemaligen Kahlschlagflächen, in Mangrovengebieten und sogar auf Schulhöfen und Kirchengeländen.
Aber die Veränderung reicht weiter, sie zeigt sich auch in Menschen, die Verantwortung übernommen haben, gemeinsam Entscheidungen treffen und ihre natürlichen Lebensgrundlagen langfristig sichern wollen.
Beteiligung als starke Basis für den Waldschutz
Statt Wiederaufforstung ausschließlich von außen zu organisieren, stellte das Projekt Pro-NDC-Act, das von Deutschlands Internationaler Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wurde, die lokalen Gemeinschaften in den Mittelpunkt.
Bewohnerinnen und Bewohner planten die Maßnahmen mit, trafen Entscheidungen und setzten sie gemeinsam um. Lokale Projektkomitees bildeten die Brücke zwischen den Gemeinden und den Projektpartnern. Schulungen, Workshops und gemeinsames Lernen schufen das notwendige Wissen, um die Wälder auch über das Projektende hinaus zu schützen.
Passgenaue Ansätze für verschiedene Landschaften
Die Ergebnisse sprechen für sich: Auf insgesamt 93 Hektar wurden degradierte Waldflächen wiederhergestellt. Rund 73.000 Bäume fanden ihren Platz in den Wäldern der Eastern Arc Mountains, den seltenen ostafrikanischen Küstenwäldern und den Mangroven an der Mündung des Pangani-Flusses.
Wo Aufforstung aufgrund starker Degradierung kaum Erfolg versprach, setzten die Gemeinden auf einen wirkungsvollen Ansatz: Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR). Dabei werden bereits vorhandene Sträucher und junge Bäume gezielt gepflegt, damit sich der Wald aus eigener Kraft regenerieren kann.
Die wiederhergestellten Wälder speichern künftig mehr Kohlenstoff und reduzieren den Ausstoß von Treibhausgasen um rund 415 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr. Gleichzeitig entstehen wieder Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in einigen der artenreichsten Waldökosysteme Ostafrikas.
Baumschulen als Lernorte
Mindestens ebenso wichtig sind jedoch die sozialen Veränderungen. In allen drei Dörfern entstanden Baumschulen, in denen fast 125.000 Setzlinge von 40 heimischen Baumarten herangezogen wurden. Aus den Standorten wurden schnell Lernorte für nachhaltigen Waldschutz, die auch Menschen aus benachbarten Gemeinden anzogen. Das Wissen über heimische Baumarten, Saatgutgewinnung und Wiederaufforstung bleibt damit dauerhaft vor Ort.
Besonders Frauen und andere gesellschaftlich oft benachteiligte Gruppen übernahmen im Projekt Verantwortung. Ihre aktive Beteiligung an Planung und Umsetzung stärkte nicht nur ihre Rolle innerhalb der Gemeinden, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Aus gemeinsamer Arbeit entstand ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl – eine Voraussetzung dafür, dass Naturschutz langfristig erfolgreich sein kann.
Neue wirtschaftliche Perspektiven
Auch wirtschaftlich eröffnete das Projekt neue Perspektiven. Mit der Einführung der Imkerei entstanden zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, die den Druck auf die Wälder verringern.
Gleichzeitig wurden Waldschutzkräfte geschult, Schutzgebietsgrenzen besser markiert und das Bewusstsein für den Wert intakter Wälder gestärkt.
Wirkungen über das Projekt hinaus
Noch vor Projektabschluss vereinbarten Dorfräte, lokale Projektkomitees und Distriktverwaltungen konkrete Aufgaben für die Zukunft – von regelmäßigen Waldpatrouillen über die Pflege der Baumschulen bis zur Saatgutsammlung für kommende Anpflanzungen. Die Distriktregierungen von Same und Pangani haben zugesagt, diese Arbeit weiterhin finanziell und fachlich zu unterstützen.
Die Erfahrungen aus Vumari, Kigurusimba und Msaraza zeigen, dass erfolgreiche Waldwiederherstellung weit mehr bedeutet als Bäume zu pflanzen. Es geht darum, Gemeinden dabei zu unterstützen, langfristig Verantwortung für ihre natürliche Umwelt zu übernehmen.
Das Modell soll nun Schule machen: Ein praxisnaher Leitfaden fasst die Erfahrungen aus der Arbeit des Projekts Pro-NDC-ACT zusammen und soll anderen Gemeinden in Tansania dabei helfen, ähnliche Initiativen umzusetzen, die einen Beitrag zu den Klimaschutzverpflichtungen des Landes leisten und gleichzeitig die biologische Vielfalt sowie die Lebensgrundlagen im ländlichen Raum stärken.
Über die IKI Medium Grants
Das Projekt Pro-NDC-Act wurde im Rahmen der IKI Medium Grants gefördert. Mit den IKI Medium Grants, die von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt werden, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.
Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.
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