02.11.2026

Wie aus Existenzangst Naturschutz wird

Eine Person mit dunkler Haut trägt ein rotes, langärmliges Oberteil und einen dunklen, runden Hut. Sie steht im seichten, klaren Wasser, das bis zu den Knien reicht. Im Hintergrund ist ein Boot auf dem Wasser zu sehen, dahinter eine Insel mit niedrigen Hügeln. Der Himmel ist wolkenlos und hellblau.
Tomi Aldian Maehen ist Mitglied der Gemeinde West-Wetar in Indonesien und engagiert sich im Rahmen eines IKI-Projekts für die Akzeptanz eines neuen Meeresschutzgebiets.

Als das Meeresschutzgebiet West Wetar Ende 2025 ausgewiesen wurde, fürchteten viele Fischer im äußersten Osten Indonesiens, das Meer würde ihnen entzogen. Ein junger Mann aus der Gemeinschaft half, diese Angst in etwas anderes zu verwandeln: in eine von der Gemeinschaft getragene Entscheidung, die Gewässer zu schützen, von denen ihre Familien seit jeher leben.

Tomi Aldian Maehen, ein junger Mann aus der West-Wetar-Gemeinschaft, sitzt zusammen mit dem Dorfvorsteher, Gemeindeangestellten, angestammten Ältesten, dem Dorfberatungsgremium und weiteren Gemeindemitgliedern in Telemar.

Am 13. September 2026 hat Tomi Aldian Maehen dem Dorfvorsteher, dessen Mitarbeitenden, dem Dorfbeirat (BPD), den Dorfältesten und weiteren Mitgliedern der Gemeinschaft von Telemar erklärt, warum der Schutz des Gebiets West Wetar wichtig ist – und so das Verständnis vor Ort gestärkt.

Man hat ihn gebeten, etwas zu erklären, das noch ganz neu ist: das Meeresschutzgebiet West Wetar. Es erstreckt sich entlang von acht Dörfern und wurde Ende 2025 offiziell ausgewiesen. Es umfasst mehr als 300.000 Hektar – mit Korallenriffen, Seegraswiesen, Mangrovenwäldern und den Wanderrouten vieler Meeresarten. In der Mitte liegt eine Kernzone, in der keine Fischerei erlaubt ist – ein geschützter Raum, in dem das Meer sich erholen kann.

Nicht alle verstanden auf den ersten Blick, warum das Schutzgebiet geschaffen wurde.

Am Anfang fürchten die Fischer um ihre Lebensgrundlage

Fischerin aus der West-Wetar-Gemeinschaft in Indonesien.

In der West-Wetar-Gemeinschaft gab es zunächst Zweifel. Manche fürchteten, dass Gebiete, die ursprünglich zu den lokalen Gemeinschaften gehören, mit der Ausweisung zum Eigentum der Zentral- oder Regionalregierung würden – oder zumindest unter ihrer Aufsicht stehen.

Für die Fischer war die Angst konkreter: dass der Naturschutz sie vom Meer fernhielt. 

Gemeindeversammlungen sorgen für mehr Verständnis

Doch die Stimmung hat sich verändert. Ein Grund war eine Reihe von Gemeindeversammlungen, in denen über das Schutzgebiet informiert wurde. Organisiert wurden diese Versammlungen vom Projekt Solutions for Marine and Coastal Resilience in the Coral Triangle (SOMACORE) in Zusammenarbeit mit staatlichen Partnern und den Organisationen Konservasi Indonesia und Conservation International-Timor-Leste. 

Dank der von der IKI unterstützten Gemeindeversammlungen verstehen die Gemeindemitglieder die Vorteile des Schutzgebiets.

Pak Peter Hetharia vom Provinzamt für Meereswirtschaft und Fischerei in Maluku bestätigt die Wichtigkeit der Versammlungen. Davor seien die Fischer davon ausgegangen, dass ihre Aktivitäten eingeschränkt würden. Als die Ziele und Vorteile erklärt wurden, wurde die Stimmung deutlich aufgeschlossener. Aus den Versammlungen gingen die Wünsche und Vorstellungen der Gemeinschaften hervor, die in die 5-, 10- und 20-jährigen Managementpläne für das Gebiet einfließen.

Deutschland unterstützt ein globales Versprechen

Deutschland unterstützt das SOMACORE-Projekt über seine Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) und leistet so einen Beitrag zum globalen Versprechen, bis 2030 insgesamt 30 Prozent aller globalen Meeresgebiete unter Schutz zu stellen. Gesunde Ozeane sind für das Leben auf unserem Planeten existentiell. Sie sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, sie liefern Nahrung und sie puffern die Erderhitzung ab, indem sie Wärme und CO2 aufnehmen. 

Vom Gespräch zur lokalen Initiative

Tomi Aldian Maehen nutzt auch Jugendveranstaltungen als Gelegenheit, um junge Menschen und Angehörige der Gemeinschaft in Gespräche über den Schutz und die Bewahrung der marinen Ressourcen von West-Wetar für zukünftige Generationen einzubeziehen.

Auch Tomi nahm an den Versammlungen teil. Den Sinn des Naturschutzes hatte er bereits verstanden, bevor die erste stattfand. Und er hatte verstanden, wie wichtig es ist, für den Schutz des Meeres auch außerhalb der Versammlungen zu werben. Tomi nutzt unter anderem Jugendveranstaltungen, wie die Treffen der kirchlichen Jugendorganisation Angkatan Muda GPM, um über den Schutz der Meeresgebiete zu sprechen. Wenn er heute in Nachbarorte wie Ustutun, Lirang oder Karbubu reist, spricht er dort mit Gemeindeleitern und angestammten Ältesten. Und seine kontinuierliche Arbeit beginnt, Früchte zu tragen. 

Eine Person mit dunkler Haut trägt ein rotes, langärmliges Oberteil und einen dunklen, runden Hut. Sie steht im seichten, klaren Wasser, das bis zu den Knien reicht. Im Hintergrund ist ein Boot auf dem Wasser zu sehen, dahinter eine Insel mit niedrigen Hügeln. Der Himmel ist wolkenlos und hellblau.
Die Menschen haben angefangen, die Bedeutung des Schutzgebiets für die wirtschaftliche Tragfähigkeit unserer Meere und für unser Meeresökosystem zu verstehen – für unsere Kinder und Enkel
Tomi Aldian Maehen, Mitglied der West-Wetar-Gemeinschaft in Indonesien

Durch sein Engagement wurde er zu einem wichtigen Botschafter in der West-Wetar-Gemeinschaft. Doch er ist nicht allein. Pak Peter Hetharia hat in den Gemeindeversammlungen eine starke Beteiligung von Ältesten, jungen Menschen und Frauen festgestellt. Pokmawas – eine Überwachungsgruppe der Gemeinschaft, die auf Patrouille geht und illegale Fischerei meldet – besteht zu fast 90 Prozent aus jungen Menschen.

Eine Überwachungsgruppe geht auf Patrouilleund meldet illegale Fischer.

Junge Gemeinschaftsmitglieder engagieren sich für die das neue Meeresschutzgebiet.

Neben den Gemeindeversammlungen organisiert SOMACORE regionale Austauschprogramme. Sie haben Tomi konkrete Impulse gegeben. Nach Schulungsbesuchen auf Alor und Bali bildet er nun eine Pokdarwis-Gruppe aus – eine Gemeinschaftsgruppe für Tourismusbewusstsein, die helfen soll, die Tourismuschancen im Dorf zu gestalten. Sein Plan: Die Gruppe in Telemar zunächst stärken und dann zusammen mit Gleichgesinnten ähnliche Gruppen in den übrigen sieben Dörfern aufzubauen.

Das Meer für die nächste Generation schützen

Die Unterstützung der Gemeinschaft nimmt nach und nach konkretere Formen an. Nach den Treffen in Telemar hat Tomi nach eigenen Angaben Zusicherungen von Gemeindemitgliedern, angestammten Ältesten und dem Dorfberatungsgremium erhalten, die Kernzone des Schutzgebiets als Zuflucht für das Meeresleben zu schützen.

Die West-Wetar-Gemeinschaft und ihre Dörfer leben seit Generationen von den Meeresgebieten vor ihrer Küste.

Die Gemeindemitglieder haben verstanden, dass Schäden an Ökosystemen wie den Korallenriffen und Laichgründen die Meeresressourcen für kommende Generationen gefährden. Dieses Verständnis bestimmt jetzt, was im Wasser geschieht – nicht nur auf dem Papier. 

Für West Wetar ist der Naturschutz ein Prozess, kein abgeschlossenes Werk. Die Ausweisung hat den Rahmen geschaffen. Die Gespräche haben geholfen, ihn zu verstehen. Für Menschen wie Tomi geht es jetzt weiter. Sein Plan ist einfach: in Telemar anfangen, herausfinden, was funktioniert – und die Erfahrungen in die sieben Nachbarorte tragen.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

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Videos zum Projekt

Video Thumbnail "Champions of the Coast: Building a Stronger Network for Fisheries Stewardship"

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Video Thumbnail "Cross-Country Cooperation on Whale Shark Conservation"

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