Ambitionen zu konkreten Maßnahmen machen
Wie Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative die Türkei auf dem Weg zur COP31 unterstützt
Während sich die Türkei darauf vorbereitet, in diesem Jahr die UN-Klimakonferenz (COP31) in Antalya auszurichten, verlagert sich der Schwerpunkt der globalen Klimapolitik zunehmend von politischen Verpflichtungen hin zu konkreten Maßnahmen in der Realwirtschaft.
Mit ihrer Vision einer Netto-Null-Emissionsbilanz bis 2053 und ihrem national festgelegten Klimaschutzbeitrag (Nationally Determined Contribution, NDC 3.0) entwickelt die Türkei einen konkreten Fahrplan für eine nachhaltige Entwicklung. Im Rahmen ihres NDC 3.0 strebt das Land an, seine Treibhausgasemissionen gegenüber der überarbeiteten Business-as-usual-Entwicklung um 466 Mt CO₂-Äquivalente zu reduzieren und damit bis 2035 auf 643 Mt CO₂-Äquivalente zu begrenzen.
Unterstützung durch Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI)
Das IKI-Schnittstellenprojekt im Land fördert den politischen Dialog und die technische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei in den Bereichen Klimaschutz und Erhalt der biologischen Vielfalt.
Das Projekt leistet direkte strategische und fachliche Unterstützung für die Direktion für Klimawandel (Directorate of Climate Change, DoCC), die dem Ministerium für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel (Ministry of Environment, Urbanisation and Climate Change, MoEUCC) unterstellt ist.
Durch die Verknüpfung von Politikgestaltung, einem nachhaltigen Finanzierungsrahmen, der Vorbereitung auf CO₂-Märkte und der Wiederherstellung von Ökosystemen trägt das Projekt dazu bei, die nationalen Klimaziele in überprüfbare und investitionsfähige Lösungen zu überführen – rechtzeitig vor der COP31.
Nationale Klimaziele in konkrete Aktionspläne überführen
Um den Anspruch der COP31, politische Zusagen in konkrete Maßnahmen zu überführen, mit Leben zu füllen, müssen Klimaverpflichtungen in klare, umsetzbare Konzepte übersetzt werden. Diese müssen festlegen, wie nationale Ziele in den wichtigsten Wirtschaftssektoren verwirklicht werden können. Um der Türkei einen fundierten, sektorspezifischen Rahmen für die Präsentation auf der COP31 an die Hand zu geben, unterstützt das IKI-Schnittstellenprojekt Türkei die DoCC bei der Aktualisierung zweier zentraler nationaler Strategiedokumente:
- Climate Change Mitigation Strategy and Action Plan (2026–2035)
- Climate Change Adaptation Strategy and Action Plan (2026–2035)
Im Rahmen partizipativer Konsultationsworkshops in Ankara kamen Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher Institutionen, der Privatwirtschaft, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft zusammen. Gemeinsam überprüften und präzisierten sie die vorgeschlagenen sektoralen Maßnahmen, institutionellen Zuständigkeiten, Zielvorgaben und Monitoringindikatoren.
Der Überarbeitungsprozess zielt darauf ab, die beiden Pläne mit dem NDC 3.0 und dem nationalen Klimagesetz in Einklang zu bringen. Im Anpassungsplan wird zudem das Globale Anpassungsziel berücksichtigt. Zusammen sollen die Pläne dazu beitragen, Emissionsminderungen voranzutreiben und die Klimaresilienz in verschiedenen Sektoren zu stärken.
Darüber hinaus unterstützt das Projekt die Entwicklung eines Managementzyklus für den nationalen Klimaschutzbeitrag. Dieser soll die institutionelle Koordination sowie die Prozesse zur Umsetzung, Überwachung und Aktualisierung der nationalen Klimaverpflichtungen stärken.
Nachhaltige Finanzierung erschließen und Kapital gezielt mobilisieren
Hochrangige Klimazusagen lassen sich ohne die Mobilisierung erheblicher öffentlicher und privater Finanzmittel nicht in konkrete Maßnahmen umsetzen. Im Einklang mit dem Schwerpunkt der COP31, politische Zusagen in investitionsfähige Projekte zu überführen, unter anderem über Plattformen wie die Climate Implementation Bridge (CIB) der Präsidentschaft, trägt das IKI-Schnittstellenprojekt Türkei dazu bei, politische Zielsetzungen mit den Finanzmärkten zu verknüpfen.
Das Projekt unterstützt die DoCC fachlich bei der Umsetzung der türkischen Taxonomie-Verordnung für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten (Green Taxonomy Regulation). Dazu gehören die Anpassung der technischen Bewertungskriterien der EU an den regulatorischen und sektoralen Kontext der Türkei sowie die Entwicklung praxisorientierter Leitlinien für einzelne Wirtschaftssektoren und eines Instruments zur Bewertung der Taxonomiekonformität.
Darüber hinaus organisierte das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) die erste NDC Clinic der Türkei unter dem Titel „Translating NDC Ambition into Investment“. Die Veranstaltung brachte politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Finanzinstitutionen und Vertreterinnen und Vertreter der Privatwirtschaft zusammen, um Investitionsprioritäten, Finanzierungshürden und Möglichkeiten zur Umsetzung nationaler Klimaverpflichtungen zu erörtern.
Diskutiert wurde auch, wie Projektpipelines und Plattformen wie die Türkiye Industrial Decarbonisation Investment Platform (TIDIP) dazu beitragen können, Investitionen in die Dekarbonisierung der Industrie voranzubringen.
Industrielle Dekarbonisierung und Vorbereitung auf die CO₂-Bepreisung vorantreiben
Die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Industrie ist entscheidend, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und gleichzeitig die industriellen Emissionen im Rahmen globaler Mechanismen wie des CO₂-Grenzausgleichssystems der EU (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) zu senken.
Um die Industrie auf diese Anforderungen vorzubereiten, unterstützt das Projekt „Fit for Carbon Pricing“ die Einführung des nationalen Emissionshandelssystems der Türkei sowie die Vorbereitung auf die Anforderungen des CBAM. Es handelt sich um eine eigenständige Initiative innerhalb des übergeordneten IKI-Portfolios in der Türkei, die ebenfalls von Deutschlands Internationaler Klimaschutzinitiative finanziert wird.
Aufbauend auf der etablierten Infrastruktur zur Überwachung, Berichterstattung und Verifizierung von Treibhausgasemissionen stärkt das Projekt die Kapazitäten öffentlicher und privater Akteure in den Bereichen CO₂-Bepreisung und industrielle Dekarbonisierung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Sektoren Eisen und Stahl sowie Aluminium.
Wirtschaftliche Modellierungen verdeutlichen die strategische Bedeutung dieses Transformationsprozesses: Eine alleinige Ausrichtung auf den CBAM birgt das Risiko wirtschaftlicher Einbußen, während sie gleichzeitig nur begrenzte Emissionsminderungen bewirkt. Ein abgestimmter nationaler CO₂-Preis hingegen kann die Emissionsreduktion erheblich beschleunigen und das Wachstum klimafreundlicher Industriesektoren fördern.
Wenn die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung in der Türkei bleiben, können die entsprechenden Mittel gezielt zur Finanzierung der industriellen Transformation eingesetzt werden.
Naturbasierte Lösungen und die Resilienz von Ökosystemen stärken
Die Klimaresilienz ist eng mit dem Zustand natürlicher Ökosysteme verknüpft. Deshalb sind integrierte Ansätze erforderlich, die Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel mit dem Erhalt der biologischen Vielfalt verbinden.
Im Einklang mit dem Globalen Biodiversitätsrahmen und dem Nationalen Wasserplan wird die gezielte Wiederherstellung von Ökosystemen durch die institutionelle Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Naturschutz und Nationalparks im Rahmen des IKI-Schnittstellenprojekts vorangetrieben.
Im Auenwald von Acarlar in der Provinz Sakarya haben praxisorientierte Aktivitäten zum Kapazitätsaufbau die fachliche Expertise gestärkt und die Gewinnung empirischer Erkenntnisse darüber unterstützt, wie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten die Regulierung des Wasserhaushalts, die Kohlenstoffspeicherung und die lokale Anpassung an den Klimawandel verbessern kann.
Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für ein skalierbares Modell naturbasierter Lösungen. Es soll im Rahmen von Side Events auf der COP31 vorgestellt werden, um konkrete Ansätze zur Stärkung der nationalen Resilienz aufzuzeigen.
Eine gemeinsame Grundlage für die Umsetzung auf der COP31
Wenn die internationale Gemeinschaft in Antalya zusammenkommt, werden konkrete Umsetzungsschritte und skalierbare Lösungsansätze im Mittelpunkt stehen. Indem die verschiedenen IKI-Projekte Politikgestaltung mit der Mobilisierung von Kapital, der Vorbereitung der Industrie und der Wiederherstellung von Ökosystemen verbinden, schaffen sie für die Türkei eine stabilere Grundlage, um ihre nationalen Klimaziele umzusetzen.
Gemeinsam stärken diese Aktivitäten die politischen Rahmenbedingungen, technischen Instrumente und institutionellen Kapazitäten, die erforderlich sind, um die Klima- und Biodiversitätsziele der Türkei voranzubringen. Mit Blick auf die Ausrichtung der COP31 verdeutlichen sie, wie internationale Zusammenarbeit dazu beitragen kann, nationale Verpflichtungen mit konkreten Maßnahmen in den einzelnen Sektoren, dem Finanzierungsbedarf und dem Schutz von Ökosystemen zu verknüpfen.
Hintergrund: Schnittstellenprojekte in den IKI-Schwerpunktländern
In den Schwerpunktländern der Internationalen Klimaschutzinitiative gibt es die IKI-Schnittstellenprojekte, die Büros in den Hauptstädten betreiben. Neben ihrem eigenen landesspezifischen Projektauftrag gehört es zu den Aufgaben der Schnittstellenprojekte,
- in engem Austausch mit den für Klima, Energie und Biodiversität zuständigen Fachministerien und den Deutschen Botschaften vor Ort zu arbeiten sowie
- alle IKI-Projekte im Land miteinander zu vernetzen und so Synergien für die Projektarbeit zu fördern.
Die Schnittstellenprojekte werden von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit umgesetzt.
Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert
Kontakt
IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71
10963 Berlin
Anfragen bitte über das Kontaktformular.