Ein Elektroauto als Wegbereiter für Lesothos Verkehrswende
Ein Pilotprojekt zeigt, wie Elektromobilität in Lesotho funktioniert, welche Herausforderungen bewältigt werden müssen – und was das für den längerfristigen Wandel des Landes bedeutet.
Jeden Morgen, wenn T'sita Molapo den Schlüssel in dem Elektrofahrzeug des MaZero-Projekts umdreht, ist kein Motorengeräusch zu hören – nur ein leiser Start in den neuen Arbeitstag. Doch das Fahrzeug bringt ihn nicht einfach nur zur Arbeit. Molapo hilft dabei, unter realen Bedingungen zu erproben, wie ein Übergang zur Elektromobilität aussehen könnte – als Dozent am Fachbereich Physik und Elektronik der National University of Lesotho und Hauptnutzer des derzeit erst dritten Elektrofahrzeugs in Lesotho.
Was als routinemäßige Aufgabe begann, ist inzwischen zu einer praktischen Demonstration sauberer Mobilität auf den Straßen von Maseru geworden, wo herkömmliche Benzin- und Dieselmotoren weiterhin die Norm sind. Gleichzeitig liefern seine täglichen Fahrten Erfahrungen und Daten, die zu einem weitaus größeren Schritt beitragen können: der Entwicklung der ersten nationalen Roadmap Lesothos für Elektromobilität.
Vom einzelnen Fahrzeug zum nationalen Lernprozess
Lesotho steht im Verkehrsbereich vor einer besonderen Herausforderung. Das Land ist in hohem Maße auf importierte fossile Brennstoffe angewiesen, während die wachsenden städtischen Gebiete zunehmend unter den verkehrsbedingten Emissionen leiden. Gleichzeitig verfügt Lesotho über ein großes Potenzial für erneuerbare Energien. Dadurch ergibt sich die Chance, sauberere Mobilität mit lokal erzeugtem Solarstrom zu verbinden.
Hier kommt Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) ins Spiel: Das IKI-finanzierte MaZero-Projekt brachte das Elektrofahrzeug im Juli 2025 nach Maseru.
Das Pilotprojekt soll zeigen, wie Elektromobilität in Lesotho funktionieren kann, welche Herausforderungen bewältigt werden müssen und welches lokale Wissen gewonnen werden kann, um den längerfristigen Wandel des Landes zu unterstützen.
Besichtigung einer der Ladestationen, die für das Pilotprojekt errichtet wurden.
Um das lokale Stromnetz nicht zusätzlich zu belasten, errichtete das Projekt zwei eigens dafür vorgesehene Photovoltaik-Ladestationen: eine Anlage mit 11 kWp in Roma sowie eine Station mit 16 kWp in Maseru. Gemeinsam zeigen sie, wie Elektromobilität mit erneuerbarer Energie betrieben werden kann, und stellen gleichzeitig die Infrastruktur bereit, um die Technologie im Alltag zu erproben.
Mit jeder Fahrt lernen wir mehr darüber, was Elektromobilität in Lesotho braucht. Unser Projekt zeigt bereits heute, dass wir mit erneuerbarer Energie, praktischer Erfahrung und lokalem Wissen den Weg für eine saubere Mobilität der Zukunft ebnen können.
Lernen durch Fahren
Für Molapo bedeutete der Umstieg auf Elektromobilität, neue Routinen zu entwickeln. In einem Land ohne flächendeckendes öffentliches Ladenetz erfordert jede Fahrt etwas mehr Planung.
Das tägliche Laden konzentriert sich auf die beiden Solarladestationen. Das Fahrzeug verbraucht etwa 16 kWh pro 100 km. Bei längeren Fahrten plant Molapo seine Routen anhand der verfügbaren Batteriereichweite oder trifft im Voraus Vorkehrungen, um am Zielort laden zu können.
Dieser bewusste Umgang mit Energie begann bereits am ersten Tag. Als er das Fahrzeug an der südafrikanischen Grenze abholte, lag der Batteriestand bei lediglich 22 Prozent, mit einer verbleibenden Reichweite von 72 Kilometern. Seine erste Fahrt wurde somit unmittelbar zu einem Praxistest dafür, ob das Fahrzeug den gesamten Weg bis nach Roma schaffen würde.
Eine seiner ersten Erfahrungen war, dass sich die Reichweite bei längeren Fahrten mit Geschwindigkeiten um 100 km/h auf Nationalstraßen wie der N8 von Maseru zum BYD-Servicezentrum in Bloemfontein deutlich verringert.
Daher gewöhnte er sich daran, bei längeren Fahrten die Batterie zu schonen, indem er die Geschwindigkeit unter 100 km/h hält. Auch extreme Wetterbedingungen erwiesen sich als eine der wichtigsten Lernerfahrungen: Um an besonders kalten oder heißen Tagen Batterieleistung zu sparen, zieht Molapo häufig wärmere Kleidung an oder öffnet die Fenster, anstatt die Klimaanlage dauerhaft laufen zu lassen.
Solche Erfahrungen erscheinen vielleicht wie kleine Details des täglichen Autofahrens. Für ein Land, das am Anfang seines Übergangs zur Elektromobilität steht, liefern sie jedoch wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Elektrofahrzeuge unter den örtlichen klimatischen und infrastrukturellen Bedingungen funktionieren.
Erfahrungen in belastbare Erkenntnisse verwandeln
Hier geht die Wirkung des MaZero-Pilotprojekts über das Fahrzeug selbst hinaus. Molapo legt täglich etwa 80 bis 90 km zurück, und das Fahrzeug hat inzwischen insgesamt rund 16.500 km auf den Straßen Lesothos gefahren.
Seit Beginn des MaZero-Projekts entspricht dies einer Einsparung von rund 2,82 t CO₂e – für das eine Auto!
Die während Molapos Fahrten erhobenen Daten fließen in Forschungsarbeiten der National University of Lesotho ein. Auf diese Weise schafft das Projekt eine Verbindung zwischen Demonstration, Forschung und Politikgestaltung: Die Technologie wird im Alltag erprobt, aus den Erfahrungen entstehen Daten und Wissen und diese Erkenntnisse können in die nationale Planung einfließen.
Input für die nationale Roadmap zur Elektromobilität
Die Erfahrungen sind besonders relevant, da die nationalen Ministerien derzeit an Lesothos erster offizieller nationaler Roadmap für Elektromobilität arbeiten. In Anerkennung dieser praktischen Expertise wurde das MaZero-Projekt offiziell eingeladen, zu dem politischen Dokument beizutragen.
Während ein erster Entwurf bis Ende Oktober 2026 erwartet wird, um eine breitere Einbindung der Interessengruppen einzuleiten, hat das Projekt bereits wichtige Grundlagen geschaffen: Eine Reihe von Stakeholder-Workshops hat wertvolle Beiträge von mehr als 200 lokalen Teilnehmenden zusammengetragen und damit die Entwicklung der Roadmap unmittelbar beeinflusst.
Vom Pilotprojekt zur Skalierung
Inzwischen geht das Projekt bereits über ein einzelnes Fahrzeug hinaus: Seit Anfang 2026 erweitern sechs MaZero-Elektroroller das Pilotprojekt. So kann Elektromobilität in unterschiedlichen Alltagssituationen erprobt werden. Allein die Registrierung der Elektroroller in Lesotho hat einen neuen regulatorischen Prozess angestoßen und stellt alle Beteiligten vor eine steile Lernkurve.
Die Bedeutung dieser Entwicklungen liegt nicht in der Anzahl der derzeit auf Lesothos Straßen fahrenden Elektrofahrzeuge, sondern in dem, was das Pilotprojekt als Nächstes ermöglichen kann: Infrastruktur, praktische Erfahrung, Forschungskapazitäten und politisches Wissen sind allesamt Bausteine für einen umfassenderen Wandel.
Für Molapo ist diese Veränderung auf sehr einfache Weise sichtbar: Jeden Morgen steigt er in ein Elektrofahrzeug und fährt leise zur Arbeit. Für Lesotho jedoch bedeutet jede einzelne Fahrt mehr – sie ist eine Sensibilisierungskampagne und eine Gelegenheit zu lernen, wie saubere Mobilität vor Ort funktionieren kann und was erforderlich ist, um sie in wesentlich größerem Maßstab zu ermöglichen. Molapo nimmt beispielsweise abwechselnd Kolleginnen und Kollegen der Universität entlang seiner Strecke mit, damit sie das Konzept der Elektromobilität aus erster Hand kennenlernen können.
Darüber hinaus hatten bereits mehr als 1.250 Menschen vor Ort auf nationalen Handels- und Fachmessen die Gelegenheit, das Elektrofahrzeug selbst zu erleben.
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen, dass der Übergang zu einem CO₂-armen Verkehr nicht mit einer landesweiten Fahrzeugflotte oder einem vollständig ausgebauten Ladenetz beginnen muss. Er kann mit einem Pilotprojekt, einer Infrastruktur auf Basis erneuerbarer Energien und Menschen beginnen, die bereit sind, eine neue Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.
Ein einzelnes Fahrzeug ist noch keine Verkehrswende. Aber es kann der Ausgangspunkt sein, um das Wissen, die Datenbasis und die politischen Rahmenbedingungen aufzubauen, die erforderlich sind, um einen solchen Wandel möglich zu machen.
Über die IKI Medium Grants
Das MaZero-Projekt wird über die IKI Medium Grants gefördert. Mit dem Förderinstrument, das von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt wird, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.
Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.
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Das MaZero-Projekt wird von der Technischen Hochschule Ingolstadt gemeinsam mit der National University of Lesotho und der Nichtregierungsorganisation Technologies for Development koordiniert.
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