Indonesiens Torfmoore schützen
Bildung, nachhaltige Landwirtschaft und kluge Planung zeigen, wie wirksamer Klimaschutz und bessere Lebensgrundlagen Hand in Hand gehen.
Früher konnte ein Bauer in Dorf Baru in Südsumatra einmal im Jahr Reis ernten. Heute sind es zwei manchmal sogar drei Ernten. Zusätzlich produziert seine Dorfgemeinschaft organischen Düngern und vermarktet Honig. Das Beispiel zeigt: der Schutz der Natur und wirtschaftliche Entwicklung lassen sich gut verbinden. In diesem Fall, in dem Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) mit ihrem Projekt Peat Impacts die Weichen gestellt hat, spielen Torfmoore eine Hauptrolle.
Torfmoore als Verbündete gegen den Klimawandel
Indonesiens kohlenstoffreiche Torfmoore zählen zu den wichtigsten natürlichen Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Gleichzeitig stehen sie unter anhaltendem Druck durch Entwässerung und wiederkehrende Brände. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die IKI eine Brücke zwischen lokalem Engagement, wissenschaftlicher Forschung und staatlicher Politik geschlagen – mit dem Ziel, diese wertvollen Ökosysteme dauerhaft zu erhalten.
Indem das Projekt lokale Wiedervernässungs- und Renaturierungsmaßnahmen mit einer stärkeren politischen Steuerung sowie skalierbaren Einkommensmodellen verbindet, entstand ein praxisnahes Modell für wirksamen Klimaschutz. Es orientiert sich gleichermaßen an den Entwicklungsbedürfnissen der Gemeinden und an den nationalen Klimaschutzzielen Indonesiens.
Klassenzimmer und digitale Netzwerke: Torfmoore für kommende Generationen bewahren
Langfristiger Umweltschutz beginnt mit frühzeitiger Bildung und einem offenen Zugang zu Wissen. Das IKI-Projekt Peat-IMPACTS verfolgte daher einen zweigleisigen Ansatz: Es brachte das Thema Torfmoorschutz sowohl in Schulen als auch in den digitalen Raum und stellte so sicher, dass Wissen generationenübergreifend vermittelt und dauerhaft verfügbar gemacht wird.
Gemeinsam mit dem South Sumatra Watershed Forum und der indonesischen Agentur für die Wiederherstellung von Torfmooren und Mangroven (BRGM) entwickelte das Projekt ein auf die Region zugeschnittenes Lehrprogramm zum Thema Torfmoore.
Dieses Curriculum wird inzwischen erfolgreich an 1.530 Grundschulen in den Bezirken Ogan Komering Ilir (OKI), Banyuasin und Kubu Raya eingesetzt. Es vermittelt bereits Kindern ein grundlegendes Verständnis für die Bedeutung und Funktionsweise von Torfökosystemen und verankert den Torfmoorschutz dauerhaft im lokalen Bildungssystem.
Parallel dazu entstand mit WikiGambut eine offene, kollaborative Wissensplattform, die Forschungsergebnisse zu Torfökosystemen bündelt, aufbereitet und öffentlich zugänglich macht. Mehr als 568 ehrenamtliche Mitwirkende aus unterschiedlichen Fachbereichen beteiligten sich bislang an der Plattform. Zwischen Januar 2020 und Dezember 2024 verzeichnete WikiGambut über 154.500 Besuche. Auch mehr als ein Jahr nach Abschluss der Projektlaufzeit wächst die Reichweite weiter: Inzwischen nutzen rund 1.974.430 Besucherinnen und Besucher das Portal.
Wissen in die Praxis bringen
Damit wissenschaftliche Erkenntnisse Wirkung entfalten, müssen sie den Weg aus dem Labor in die Praxis finden. Nur so lassen sich Bodendegradation eindämmen, die biologische Vielfalt schützen und landwirtschaftlich verursachte Brände verhindern. Da viele Landwirte das Abbrennen von Flächen traditionell als schnellste und kostengünstigste Methode der Landvorbereitung betrachten, richtete das Projekt Demonstrationsflächen ein und bot intensive Schulungen zur brandfreien Flächenvorbereitung an, Stichwort: Zero-Burning Land Preparation.
Acht Demonstrationsflächen in sieben Dörfern
Insgesamt entstanden acht Demonstrationsflächen mit einer Größe zwischen 0,5 und 10 Hektar in sieben Pilotdörfern. Sie werden nachhaltig bewirtschaftet und haben maßgeblich dazu beigetragen, den Schutzstatus von 71 Hektar ökologisch wertvoller Torfmoore zu sichern und zu verbessern.
Auf diesen Flächen führten die Gemeinden torfverträgliche Formen der Paludikultur – also der landwirtschaftlichen Nutzung nasser Torfböden ohne Absenkung des Wasserstands – sowie Agrosilvofischerei-Systeme wie das sogenannte Surjan-System ein. Im Dorf Sungai Radak Dua in Westkalimantan werden dabei erhöhte Anbauflächen für Kulturen wie Betelnuss und Durian-Frucht mit tiefer gelegenen Fischteichen kombiniert. Dieses Wassermanagement ermöglicht mehrere Ernten pro Jahr und schafft zusätzliche Einkommensquellen, ohne die Torfböden zu entwässern.
Neue landwirtschaftliche Ansätze verdoppeln die Ernte
Auch im Dorf Baru in Südsumatra erzielte das Projekt beachtliche Erfolge. Durch die Einführung von Agrosilvofischerei-Systemen konnten die Landwirte ihre Reisproduktion von einer auf zwei bis drei Ernten jährlich steigern. Ergänzend unterstützte das Projekt gemeinschaftliche Unternehmen, darunter die Herstellung organischer Düngemittel sowie die Produktion von Honig stachelloser Trigona-Bienen unter der zertifizierten Marke „Bunga Desa“. Damit wurde deutlich, dass sich Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung gegenseitig stärken können.
Klimaschutz dauerhaft in der Planung verankern
Lokale Erfolge entfalten ihre langfristige Wirkung erst dann, wenn sie in staatliche Strukturen eingebunden werden. Peat-IMPACTS sorgte deshalb dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und Umweltdaten direkt in die regionalen Planungsprozesse integriert und rechtlich verankert wurden.
Gemeinsam mit Behörden, Wissenschaftseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Vertretern der Privatwirtschaft entwickelte und verabschiedete das Projekt drei landschaftsbezogene Pläne zum Schutz und zum Management von Torfmooren. Diese umfassen unter anderem die besonders wichtigen Regionen OKI und Kubu Raya.
Um eine dauerhafte rechtliche, institutionelle und finanzielle Absicherung zu gewährleisten, wurden die Pläne erfolgreich in die Regionalentwicklungsprogramme zweier Landkreise integriert. Durch ihre Einbindung in bestehende staatliche Planungszyklen bleibt der Torfmoorschutz langfristig finanziert und institutionell verankert – statt lediglich Bestandteil eines zeitlich begrenzten Projekts zu sein.
Entwicklung eines maßgeschneiderten Planungs- und Analyseinstrument
Unterstützt wurde dieser Prozess durch den Einsatz des Planungs- und Analyseinstruments LUMENS (Land Use Planning for Multiple Environmental Services), das von ICRAF – der Durchführungsorganisation des Projekts – entwickelt wurde.
Mithilfe eines eigens entwickelten Moduls lassen sich Treibhausgasemissionen unter verschiedenen Wiedervernässungsszenarien modellieren. Dadurch erhielten sowohl die Umweltbehörden auf Provinzebene als auch das indonesische Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Emissionsbilanzierung und die Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge.
Blick nach vorn: Ein Modell mit internationalem Potenzial
Das Vermächtnis des IKI-Projekts Peat-IMPACTS zeigt, dass naturbasierte Lösungen dann besonders erfolgreich sind, wenn sie natürliche Kohlenstoffspeicher schützen und zugleich die Lebensgrundlagen ländlicher Gemeinschaften stärken sowie lokale Verantwortung fördern.
Angesichts zunehmender klimabedingter Risiken in den Tieflandregionen Asiens bietet dieser mehrstufige Aufbau von Wissen und Fähigkeiten ein praxiserprobtes Modell für andere tropische Länder.
Besonders küstennahe und tiefliegende Regionen in Staaten wie Vietnam oder Bangladesch verfügen über vergleichbare Torf- und Mangrovenlandschaften und könnten erheblich von einer Übertragung dieses integrierten Ansatzes profitieren.
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