29.10.2026

Neue Wurzeln, mehr Milch: Kenias Weg in eine klimaresiliente Zukunft

Frau in olivgrüner Arbeitskleidung hockt lächelnd zwischen niedrigen Pflanzen und hält Setzlinge in beiden Händen
Verna Violet Angehi, Mitarbeiterin der Nakuru-Baumschule, kontrolliert Zypressen-Setzlinge.

In einer Baumschule an der Autobahn zwischen Nakuru und Eldoret macht Verna Violet Angehi mehr, als nur Setzlinge am Leben zu erhalten. Sie erweckt einen Baum wieder zum Leben, der seit Jahrhunderten in diesem Boden wächst – und hilft damit Milchbauern in einer der trockensten Regionen Kenias, die mageren Monate zu überstehen.

Verna Violet Angehi kniet in der Erde, zwei Nadelbaum-Setzlinge in den Händen, und überprüft die Wurzeln, bevor sie die Pflanzen beiseitelegt. Sie bereitet eine Lieferung für eine Abholung am späteren Nachmittag vor. Bis dahin muss alles bereit sein.

Mehrere Reihen junger Pflanzen in Töpfen unter einem großen Netzdach mit Bäumen und Sträuchern im Vordergrund.
Die Nakuru-Baumschule ist eine von fünf Baumschulen, die in Kenia vom „Baumschulen für das Jugendentwicklungsprojekt (NYDP)“ betrieben wird.

Die Baumschule hinter ihr ist gut gefüllt – Reihen von Töpfen erstrecken sich entlang der Nakuru-Eldoret-Autobahn im Südwesten Kenias. Mehr als 10.000 Setzlinge sind hier jederzeit auf Lager, Dutzende von Arten: von Avocado, Zypresse und Kenias berühmtem Affenbrotbaum (Baobab) bis hin zu Futterbäumen für die Milchbauern der Region. Die Anlage ist Teil des Projekts „Baumschulen für das Jugendentwicklungsprojekt (NYDP)“.

Deutschland unterstützt mit dem Projekt Kenias Weg in eine klimaresiliente Zukunft.

Neue Arbeitsplätze und neues Wissen

Mit diesem Projekt unterstützt Deutschland Kenias Weg in eine klimaresiliente Zukunft. Umgesetzt wird es von der Kenya National Farmers Federation (KENAFF) zusammen mit der Andreas Hermes Akademie. Finanziert wird es von Deutschland mit der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Ziel: jungen Menschen in Kenia neue Arbeitsplätze und neues Wissen über die Bäume ihres eigenen Landes zu vermitteln.

Als Verna anfing, in Baumschulen zu arbeiten, bestand ihre Aufgabe meist nur darin, Setzlinge am Leben zu erhalten und sie zu verkaufen. Nach zwei Jahren im NYDP ist daraus noch etwas anderes geworden: den Nachbarn zu erklären, welche Bäume den Farmen und ihren Kühen helfen, durch ein härteres Klima zu kommen.

Zwei Personen in grünen Overalls halten frischen Kohl in den Händen und stehen lächelnd im Freien vor Pflanzen und Bäumen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich den Leuten einmal erzählen würde, welcher Baum ihren Kühen mehr Milch einbringt.
Verna Violet Angehi, Mitarbeiterin der Nakuru-Baumschule

Wenn die Weiden spärlicher werden

In der Nakuru-Baumschule wachsen viele verschiedene Baumsorten heran.

In weiten Teilen Kenias verändert sich das Klima sichtlich: Die Regenfälle bleiben aus, wenn sie eigentlich einsetzen sollten. Trockenperioden werden länger. Weiden, die einst eine Milchviehherde das ganze Jahr über ernährten, sind dünner und lückenhafter geworden. Für die Tiere bedeutet das weniger Futter, weniger Milch und für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weniger Einkommen.

Jahrzehntelang haben kenianische Baumschulen vor allem eine Handvoll schnell verkäuflicher, oft importierter Arten gezüchtet, die häufig schlecht an das lokale Klima angepasst waren. Die Bäume, die eigentlich auf diese Bedingungen eingestellt sind, wurden kaum noch genutzt, und das Wissen über ihre Aufzucht wurde nicht weitergegeben. Auch die Kunden kannten ihre Vorteile nicht. Genau hier setzt das NYDP an.

80.000 Setzlinge

wurden in den Baumschulen des NYPD-Projektes in Kenia produziert. 50 % davon sind einheimische Arten.

Ein neuer Blick auf alte Bäume

Als Verna in die Baumschule eintrat, waren ihr einheimische Arten nicht fremd. Ein Diplom in Umweltwissenschaften und -technologie vom Eldoret National Polytechnic sowie Praktika beim Kenya Forest Service und der Umweltabteilung des Uasin Gishu County hatten ihr bereits solide Kenntnisse sowohl über einheimische, als auch über schnell wachsende Arten und deren Vermehrung vermittelt. Beim NYDP setzte sie dieses Wissen in die Praxis um, vertiefte ihre praktischen Erfahrungen mit der Vermehrung einheimischer Samen und lernte Facetten des Fachgebiets kennen, die in ihrer früheren Ausbildung nie zur Sprache gekommen waren.

Ein Kurs im November 2024, der vom Center for International Forestry Research and World Agroforestry (CIFOR-ICRAF) im Rahmen des Kapazitätenaufbau-Programms des Projekts durchgeführt wurde, veränderte ihre Sichtweise auf ihre Arbeit. Neben Baumarten, Agrobiodiversität, Bodengesundheit und nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden lernte Verna die Vorzüge der Apfelring-Akazie (Faidherbia albida) kennen – ein Wissen, das ihre Arbeit in der Baumschule von da an prägen sollte.

Wenn einheimische Bäume die Lösung sind

Die Apfel-Ring-Akazie behalten ihre feingliedrigen Blätter in der Trockenzeit.

Er ist einer von Kenias ältesten und am weitesten verbreiteten einheimischen Bäumen. Was ihn für Milchbauern so wertvoll macht, ist einfach: Die Apfel-Ring-Akazie wirft seine Blätter während der Regenzeit ab und behält sie in den trockenen Monaten. Genau in den Wochen, in denen die Weide am kargsten ist, bietet die Akazie ihr Laub als frisches, proteinreiches Futter an. Für einen Bauern, dessen Herde an Gewicht verliert, kann das entscheidend sein, um gute durch die Trockenzeit zu kommen.

Einheimische Baumarten können für Viehalter*innen entscheidend sein, um gut durch die Trockenzeit zu kommen.

Eine Baumschule, zu der die Menschen zurückkehren

Vernas Baumschule hat sich einen Ruf erarbeitet, der über den bloßen Verkauf von Setzlingen hinausgeht. Durch ökologische Produktionsmethoden – einschließlich biologisch abbaubarer Pflanztüten –, wettbewerbsfähige Preise und eine durchgehende Kundenbetreuung nach dem Kauf hat sie sich einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Die Art von Service, die Bauern dazu bringt, wiederzukommen und nicht nur einmal zu kaufen.

Mann in Arbeitskleidung gießt mit einer Gießkanne Setzlinge in einem überdachten Gartenbereich, vor einem Schild mit Text.
Baumschulen-Mitarbeiter Festus Lang’at bewässert die heranwachsenden Pflanzen.

Die Baumschule veranstaltet auch regelmäßige Gruppentreffen für lokale Genossenschaften, wie die Milchgenossenschaft Tulwobmoi. Bei diesen Veranstaltungen stellt Verna das Angebot der Baumschule vor und erklärt vor allem, warum bestimmte Bäume funktionieren.

22 Personen

wurden im Rahmen des NYPD-Projektes in den Bereichen Baumschulmanagement, Veredelung, integrierter Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung, Geschäftsentwicklung und Agrobiodiversität geschult.

Wissen, das weitere Kreise zieht

Verna erzählt, dass eine Frau bei einem der Treffen aufmerksam zuhörte und danach ein paar Setzlinge kaufte. Monate später kam sie zurück in die Baumschule – diesmal, um mehr zu kaufen. Ihre Kühe, so erzählte sie Verna, gaben nun merklich mehr Milch, seit sie begonnen hatte, deren Futter mit dem Laub der Bäume zu ergänzen.

Sie war wirklich dankbar, mich getroffen zu haben, denn erst bei dem Treffen hatte sie so viel mehr über Futterbäume im Allgemeinen und die Anabaum-Akazie im Besonderen erfahren
Verna Violet Angehi
Zwei Personen in Arbeitskleidung verteilen Heu auf Beeten in einer Gartenanlage mit Bäumen im Hintergrund.
Verna Violet Angehi and Festus Lang’at mulchen Beete in der Baumschule.

Für Verna zeigte dieser Moment, was ihre Arbeit tatsächlich bewirken kann: nicht nur Setzlinge zu verkaufen, sondern Wissen weiterzugeben, das den Familien direkt zugutekommt – und gleichzeitig einen Beitrag zur Wiederherstellung der Baumvielfalt in Kenia zu leisten.

Mehr als nur Bäume pflanzen

Inzwischen sind in verschiedenen Regionen Kenias fünf von jungen Menschen geführte Baumschulen aktiv. Das NYDP hat 22 Baumschulleiter*innen und -mitarbeiter*innen geschult, und mehr als die Hälfte der Führungspositionen wird von Frauen besetzt.

Zudem arbeitet das Projekt mit der kenianischen Organisation für Landwirtschafts- und Viehzuchtforschung (KALRO) zusammen, um Futterbäume in mehr bäuerlichen Gemeinden zu verbreiten. Eine Entwicklung, die dafür sorgen soll, dass Geschichten wie die von Verna und ihrer Kundin in Zukunft immer häufiger werden.

Die tägliche Arbeit schafft das Bewusstsein für einheimische Bäume, die am besten für Kenias Farmen und Klima geeignet sind.

In Nakuru wartet Verna darauf, dass ihr Kunde seine Nadelbäume abholt. Die Baumschule ist für sie ein Ort, an dem beides zusammenkommt: die praktische tägliche Arbeit und das wachsende Bewusstsein dafür, dass die Bäume, die am besten für Kenias Farmen und Klima geeignet sind, nicht immer die sind, die der Markt erwartet. Es brauchte nur jemanden, der bereit war, dieses Wissen weiterzugeben.

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