Wie CO₂-Zertifikate den Schutz von Mangroven stärken
Ein Blue-Carbon-Projekt in der Gazi-Bucht an der Küste Kenias zeigt, wie Klimaschutz, Biodiversitätserhalt und nachhaltige Entwicklung Hand in Hand gehen können.
Am Rande der elften Our Ocean Conference besuchte eine hochrangige Delegation des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) das Projekt „Grenzüberschreitender Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der Meeres- und Küstenregion“, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) Deutschlands gefördert wird.
Die Delegation unter der Leitung von Staatssekretär Jochen Flasbarth fuhr mit dem Boot durch die Mangrovenkanäle der Gazi-Bucht. Dort befindet sich Mikoko Pamoja, das weltweit erste Projekt, das den Schutz von Mangroven durch den Verkauf von CO₂-Zertifikaten finanziert. Inzwischen im zweiten Jahrzehnt seines Bestehens, schützt Mikoko Pamoja 117 Hektar Mangrovenwald innerhalb eines insgesamt 615 Hektar großen Mangrovenökosystems. Durch diese Arbeit konnten bislang mehr als 22.000 Tonnen CO₂ eingespart oder langfristig gebunden werden.
Schätzungsweise 80 Prozent der Fischbestände entlang der Küste sind in einer Phase ihres Lebenszyklus auf Mangroven angewiesen – sei es als Laichgebiet, Schutzraum oder Nahrungsquelle. Darüber hinaus gehören Mangroven zu den kohlenstoffreichsten Ökosystemen der Erde: Sie speichern bis zu viermal mehr Kohlenstoff als andere tropische Wälder. Gleichzeitig bilden ihre dichten Wurzelsysteme einen natürlichen Schutz gegen Küstenerosion und Sturmfluten.
Doppelte Wirkung: Wie Naturschutz das Leben der Gemeinden verbessert
Während des Besuchs wurde auch deutlich, wie das Projekt Klimaschutz und Biodiversitätserhalt in einen direkten Nutzen für die lokale Bevölkerung verwandelt:
Die CO₂-Zertifikate werden an international Käufer verkauft und treuhänderisch von der Association for Coastal Ecosystem Services (ACES) verwaltet. Die Zertifikate werden erst dann an die Gemeindeorganisation Mikoko Pamoja Community Organisation ausgezahlt, wenn die vereinbarten Schutzziele erreicht sind.
Die Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden anschließend gemeinsam über die Verwendung der Mittel. Bis heute wurden auf diese Weise mehr als 190.000 US-Dollar für Projekte wie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, Gesundheitsversorgung, die Renovierung von Schulen und Bildungsmaßnahmen eingesetzt.
Im Gespräch mit jungen lokalen Führungskräften
Nach der Bootsfahrt traf sich die Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern von vier Beach Management Units (BMUs) aus der weiteren Region Shimoni-Vanga.
Im Mittelpunkt des Austauschs standen sowohl die alltäglichen Herausforderungen beim Management der lokalen Fischerei und der marinen Ressourcen als auch die konkreten Verbesserungen durch die Unterstützung des Projekts. Dazu gehören Schulungen in den Bereichen Führung, Finanzmanagement, Monitoring und Konfliktlösung.
Als junge Frau war ich früher viel zu schüchtern, um mit Menschen zu sprechen. Heute erhebe ich selbstbewusst Daten von Fischerinnen und Fischern und präsentiere meine Ergebnisse den Leitungen der Beach Management Units und der Versammlung. Diese Arbeit hat mir Selbstvertrauen gegeben.
Das Gespräch unterstrich einen Grundgedanken des IKI-Projekts: Nachhaltiger Küstenschutz kann nur erfolgreich sein, wenn er nicht von außen vorgegeben wird. Vielmehr muss der Küstenschutz in den lokalen Gemeinschaften verankert sein, die von diesen Ressourcen abhängen, und ihre Organisationsstrukturen berücksichtigen.
Die Vision: Ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet
Der letzte Teil des Besuchs widmete sich den langfristigen Zielen des Projekts. Kenia und Tansania verständigten sich bereits 2015 auf die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Schutzgebiets. Das IKI-Projekt schlägt nun vor, dieses Vorhaben mithilfe eines Biosphärenreservats im Rahmen des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ (Man and the Biosphere – MAB) umzusetzen.
Nach diesem Ansatz richtet zunächst jedes Land ein eigenes nationales Biosphärenreservat ein. Anschließend werden beide Schutzgebiete durch einen gemeinsamen Managementrahmen miteinander verbunden.
Die lokalen Gemeinschaften sind von Beginn an wesentliche Bestandteile dieses Prozesses: Sie wirken an der Festlegung der verschiedenen Schutzzonen mit und beteiligen sich nach der Einrichtung des Biosphärenreservats an dessen Verwaltung. Gerade diese starke Einbindung der Bevölkerung war einer der Hauptgründe für die Wahl des MAB-Programms als Rahmen.
Das Bewerbungsdossier Tansanias befindet sich inzwischen in der Endphase, während Kenia den Prozess vor Kurzem begonnen hat. Damit werden die Grundlagen für eines der ersten grenzüberschreitenden marinen Biosphärenreservate der Region geschaffen.
Ein Modell mit Vorbildcharakter
Für die Delegation, die sich in Kenia über den Schutz der Ozeane im globalen Kontext austauschte, bot der Besuch in Gazi einen unmittelbaren Einblick darin, wie erfolgreicher Meeresschutz aussieht, wenn er von den Menschen getragen wird, die täglich mit diesen Ökosystemen leben.
Dieses Modell soll nun im Rahmen des IKI-Kwale-Tanga-Projekts entlang der gesamten Küste von Kwale und Tanga sowie grenzüberschreitend bis nach Tansania ausgeweitet werden.
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Kontakt
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Was bedeutet „Blue Carbon“?
Einige marine Ökosysteme tragen dazu bei, CO₂ aus der Wassersäule aufzunehmen und langfristig zu speichern. Dieser Prozess wird als „Blue Carbon“ (blauer Kohlenstoff) bezeichnet; die entsprechenden Lebensräume werden Blue-Carbon-Ökosysteme genannt. (Quelle: Bundesamt für Naturschutz)