25.09.2026

Wie organische Abfälle zu einer Ressource werden

Eine Markhändlerin hält in jeder Hand einen Bund Bananen und steht vor einem Marktstand mit weiteren Bananen und Gemüse.
Naboso Joyce, eine Bananenverkäuferin auf dem Markt von Soroti in Uganda.

Auf Märkten in Kenia und Uganda sind organische Abfälle mehr als nur ein Entsorgungsproblem. Mit der richtigen Unterstützung können sie zu einer Einkommensquelle werden, zu gesünderen Gemeinschaften beitragen und Klimaschutz ermöglichen.

Auf dem City Park Market in Nairobi ist bereits viel los, als Samuel Maina seinen Arbeitstag beginnt. Um ihn herum präsentieren Händlerinnen und Händler frische Waren für ihre Kundschaft, Kisten mit Tomaten, Avocados und Bananen wechseln den Besitzer. Doch nicht alles wird bis zum Ende des Tages verkauft. Ein Teil der Lebensmittel wird zu Abfall – und verursacht Kosten für die Händlerinnen und Händler und verschärft zugleich das wachsende Abfallproblem.

Für Samuel ist dieser Abfall jedoch auch eine Chance.

Als Händler bin ich zu 100 Prozent bereit, mich an der Abfallbewirtschaftung zu beteiligen, denn die Abfälle würden genutzt. Anstatt auf der Müllhalde zu landen, könnten sie Jugendlichen dabei helfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie daraus organischen Dünger herstellen
Samuel Maina, Frischwarenhändler und Vorsitzender des City Park Market.

Samuel ist nicht allein. Eine aktuelle Baseline-Erhebung unter Händlerinnen und Händlern in den Stadtteilen Westlands und Dagoretti North in Nairobi zeigt: 92 Prozent der Befragten sind bereit, sich an Initiativen zu beteiligen, die organische Markt­abfälle in neue Produkte und Einkommensmöglichkeiten verwandeln – etwa durch Recycling, Wurmkompostierung, aerobe Kompostierung oder die Nutzung von Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Black Soldier Fly, BSF) zur Herstellung von Tierfutter.

Doch Bereitschaft allein reicht nicht aus.

Aus Abfall eine Chance machen

Für viele Händlerinnen und Händler sind organische Abfälle derzeit vor allem mit Kosten verbunden - und nicht mit wirtschaftlichen Chancen. Obwohl 82 Prozent der Befragten bereits für die den Abfallsammel-Service bezahlen, verfügen 98 Prozent nicht über geeignete Ausrüstung zum Abfallsemmeln, wie z.B. Abfallbehälter. Nur 22 Prozent trennen derzeit ihre organischen Abfälle.

Gleichzeitig verderben frische Lebensmittel schnell. Überangebot, verspätete Lieferungen, Schäden beim Transport und ungünstige Wetterbedingungen tragen zu den Lebensmittelverlusten bei. Während der Regenzeit verschärft sich das Problem: 40 Prozent der Befragten nannten den April, also die lange Regensaison, als den Monat, in dem sie den höchsten Lebensmittelverderb verzeichnen.

Bei einigen Produkten sind die Verluste beträchtlich. Während der mittlere Anteil verdorbener Waren über alle Produkte hinweg bei 1,7 Prozent pro Tag lag, erreichten die Verluste bei Tomaten 11,9 Prozent, bei Avocados 10 Prozent und bei Papayas 8,6 Prozent.

Wenn die Lebensmittel weggeworfen werden, entsteht daraus ein weiteres Problem. Organische Abfälle, die unbehandelt auf Deponien verrotten, setzen Methan frei – einen besonders klimaschädlichen kurzlebigen Klimaschadstoff. Zudem können sie unangenehme Gerüche verursachen, Schädlinge anziehen und gesundheitliche sowie hygienische Risiken für die Bevölkerung und die Händlerinnen und Händler auf dem Markt und in der Umgebung erhöhen.

Dabei könnten dieselben Abfälle zu einer wertvollen Ressource werden.

Abfälle nutzen, Wohlstand schaffen

Die Idee findet auch in Uganda Anklang. Dort stehen Händlerinnen und Händler vor ähnlichen Herausforderungen – und sehen ähnliche Chancen.

Eine Markhändlerin hält in jeder Hand einen Bund Bananen und steht vor einem Marktstand mit weiteren Bananen und Gemüse.
Ich wünschte, ich hätte eine Möglichkeit, die Abfälle zu nutzen und damit Wohlstand zu schaffen, anstatt Verluste zu erleiden, wenn meine Bananen überreif werden.
Naboso Joyce, Händlerin in Uganda

Naboso Joyces Worte bringen die zentrale Idee des Waste to Wealth (WAWE)-Projekts auf den Punkt: Was derzeit als Abfall betrachtet wird, kann zum Ausgangspunkt für neue wirtschaftliche Aktivitäten werden.

Organische Marktabfälle können zu organischem Dünger oder Tierfutter verarbeitet werden. Dadurch lassen sich Entsorgungskosten senken und gleichzeitig neue Einkommensmöglichkeiten für Müllsammlerinnen und Müllsammler, Frauen und junge Menschen schaffen.

Landwirtinnen und Landwirte könnten zu einem wichtigen Teil dieses entstehenden Marktes werden. Nahezu alle in Kiambu und Soroti befragten Landwirtinnen und Landwirte gaben an, dass sie den Kauf von aus Abfällen hergestellten Produkten in Betracht ziehen würden – vorausgesetzt, die Produkte sind erschwinglich, ihre Qualität wird durch kleine Praxistests nachgewiesen und sie sind vor Ort in kleinen Verpackungen erhältlich.

Viele Markthändlerinnen und -händler sind selbst in der Landwirtschaft tätig. Damit kommen sie nicht nur als Kundinnen und Kunden, sondern auch als Vertriebspartner für diese neuen Produkte infrage.

Was braucht es, damit Kreislaufwirtschaft funktioniert?

Der Bedarf an neuen Chancen ist deutlich. Doch Händlerinnen und Händler sowie Müllsammlerinnen und Müllsammler benötigen Unterstützung, um daraus tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Schulungen sind der größte Bedarf: 81 Prozent der Befragten nannten sie als Priorität. Es folgten der Zugang zu Krediten mit 59 Prozent, Möglichkeiten zur Abfallsammlung und zum Recycling mit 52 Prozent sowie Ausrüstung oder Lagerungsmöglichkeiten mit 46 Prozent.

Frauen stehen vor zusätzlichen Hürden. Frauen über 35 Jahren wurden als besonders gefährdet eingestuft, von neu entstehenden Recyclingunternehmen ausgeschlossen zu werden. 45 Prozent der Befragten bezeichneten diese Gruppe als besonders benachteiligt.

Negative gesellschaftliche Einstellungen wurden am häufigsten als Hindernis genannt, gefolgt von einem eingeschränkten Zugang zu Schulungen und familiären Verpflichtungen. Auch Diskriminierung wurde als bedeutende Herausforderung genannt.

Gezielte Schulungen, erschwingliche Finanzierungsmöglichkeiten, geeignete Ausrüstung und flexible Geschäftsmodelle könnten Frauen dabei unterstützen, an der wachsenden Recyclingwirtschaft teilzunehmen und von ihr zu profitieren.

Klimaschutz und bessere Lebensgrundlagen verbinden

Das Waste to Wealth (WAWE)-Projekt arbeitet daran, biologisch abbaubare Marktabfälle in organischen Dünger und nachhaltiges Tierfutter umzuwandeln. Damit werden mehrere Herausforderungen gleichzeitig angegangen: Methanemissionen werden reduziert, die Widerstandsfähigkeit von Ernährungssystemen gestärkt, die Bodengesundheit verbessert und neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen.

Das Projekt ist in Kiambu und Nairobi City County in Kenia sowie in Soroti City in Uganda aktiv und bringt lokale Verwaltungen, Universitäten und Partner aus dem Privatsektor zusammen.

Unterstützt von der Climate and Clean Air Coalition (CCAC) zeigt die Initiative, wie konkrete Lösungen vor Ort Entwicklungsländer dabei unterstützen können, den Klimawandel zu bekämpfen und gleichzeitig Gesundheit, Ernährungssicherheit und Lebensgrundlagen der Menschen zu verbessern.

Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) gehört zu den Gebern, die diese Arbeit über die CCAC unterstützen.

Lösungen schaffen, die den Menschen zugutekommen

Bei dem Projekt geht es nicht allein darum, neue Technologien zur Verarbeitung organischer Abfälle einzuführen. Es geht darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Menschen diese Technologien nutzen und daraus tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln können.

Dazu gehören Investitionen in Wissen, Zugang zu Finanzierung und Ausrüstung, der Aufbau lokaler Märkte sowie die Sicherstellung, dass Frauen und andere von Ausgrenzung bedrohte Gruppen an den neuen Möglichkeiten teilhaben können.

Der Ansatz folgt einem zentralen Prinzip des Klimaschutzes: Lösungen sind besonders dann nachhaltig, wenn sie an den Lebensrealitäten der Menschen anknüpfen und ihnen die Möglichkeit geben, selbst zu ihrer Umsetzung beizutragen.

In Nairobi und darüber hinaus geht es daher längst nicht mehr nur um die Frage, wie organische Abfälle entsorgt werden können. Es geht darum, ihren Wert zu erkennen und zu nutzen – für die Menschen, für Ernährungssysteme und für den Klimaschutz.

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Die Climate and Clean Air Coalition

Die Climate and Clean Air Coalition (CCAC) ist eine freiwillige Partnerschaft von mehr als 200 Regierungen, zwischenstaatlichen Organisationen und Nichtregierungsorganisationen. Sie wurde 2012 gegründet und wird innerhalb des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) koordiniert.

CCAC Website 

Über das Waste to Wealth-Projekt

Das Projekt wird im Rahmen der „Climate and Clean Air Coalition“ umgesetzt; Deutschlands Internationale Klimaschutzinitiative gehört zu den Geldgebern. 

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