05.03.2026

„Ein Beschwerdemechanismus lebt vom Vertrauen“

Andrea Kämpf, Leiterin der Geschäftsstelle des Unabhängigen Beschwerdemechanismus der IKI, spricht auf einer Veranstaltung auf der Bühne in ein Mikrofon.

Interview mit Andrea Kämpf, Leiterin der Geschäftsstelle des Unabhängigen Beschwerdemechanismus der IKI. 

Vor vier Jahren hat die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) den Unabhängigen Beschwerdemechanismus (IKI UBM) eingerichtet. Damit gibt es eine Stelle, an die sich Projektmitarbeitende oder andere Personen wenden können, wenn es in einem IKI-Projekt zu Fehlentwicklungen kommt – von negativen sozialen oder ökologischen Wirkungen bis zur Veruntreuung von Fördermitteln. Wir finden: Vier Jahre IKI UBM sind ein guter Anlass, um nachzufragen, wie sich die Beschwerdestelle etabliert hat – und welche aktuellen Entwicklungen anstehen. 

Liebe Andrea, Du leitest seit Beginn die Geschäftsstelle des IKI UBM. Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Meilensteine seit der Einrichtung des Mechanismus?

Das Wichtigste war, schnell handlungsfähig zu werden und Beschwerden tatsächlich zu bearbeiten – das haben wir auch geschafft! Wir haben sehr zügig das unabhängige Expertenpanel besetzt, das sich um die Bearbeitung der Fälle kümmert. 

Außerdem gibt es viele Bereiche im Hintergrund, die ebenfalls funktionieren müssen, um den besonderen Anforderungen an den UBM gerecht zu werden. Dazu gehört beispielsweise ein Datenschutzkonzept, das wir erarbeitet haben. Ein weiteres wichtiges Element ist die Verschränkung unserer Verfahren mit denen der Vergabe von IKI-Fördermitteln, wie die Verankerung des IKI UBM in den Vereinbarungen mit den Durchführungsorganisationen.

Wie stellt Ihr sicher, dass Betroffene in den Partnerländern der IKI den Beschwerdemechanismus kennen, ihm vertrauen und ihn tatsächlich nutzen können?

Ein Beschwerdemechanismus lebt ganz klar vom Vertrauen der Menschen! Zentral für die Bekanntmachung des IKI UBM sind die Durchführungsorganisationen vor Ort. Die verpflichten wir vertraglich, den Beschwerdemechanismus bekannt zu machen, beispielsweise über ihre Websites und bei Projekttreffen vor Ort. Dazu stellen wir ihnen Materialien in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Außerdem bieten wir Online-Seminare auf Englisch und – auf Anfrage – auch in anderen Sprachen an, die allen Interessierten offenstehen. Perspektivisch wollen wir das durch eine eigene Öffentlichkeitsarbeit in den IKI-Schwerpunktländern erweitern. 

Bisher haben wir 16 Beschwerden erhalten. Das spricht, im Vergleich zu anderen Beschwerdemechanismen, für einen ganz guten Bekanntheitsgrad und eine gute Erreichbarkeit. Immerhin bearbeitet der IKI UBM – nach einer einjährigen Aufbauphase – erst seit rund drei Jahren Beschwerden. 

Wichtig ist klar zu haben: Die Anzahl an Beschwerden ist keine Messgröße dafür, dass etwas schiefläuft – sondern sie helfen allen Beteiligten, die Projektarbeit zu verbessern. 

Das Publikum einer Veranstaltung, die die IKI zusammen mit der deutschen Nichtregierungsorganisation urgewald zum Zusammenwirken von Beschwerdemechanismen und Safeguardssystemen in der Klima- und Entwicklungsfinanzierung ausgerichtet hat.
Im Herbst 2025 richtete die IKI zusammen mit der deutschen Nichtregierungsorganisation urgewald in Berlin eine internationale Veranstaltung zum Zusammenwirken von Beschwerdemechanismen und Safeguardssystemen in der Klima- und Entwicklungsfinanzierung aus.

Welche „Lessons Learned“ lassen sich aus den eingegangenen Beschwerden ziehen?

Von den 16 Beschwerden hat das Panel vier für zulässig erklärt hat. Darüber hinaus gab es einige Beschwerden, die allgemeine Aspekte betrafen, die der UBM nicht annehmen konnte, die wir aber an das jeweilige Projektmanagement weitergeleitet haben. 

Da wir die Bearbeitung der zulässigen Beschwerden gerade erst abgeschlossen haben oder dabei sind das zu tun, ist es schwierig, bereits Wirkungen für die Projektarbeit zu messen. Erfahrungsgemäß zeigt sich so etwas erst später, und für eine Auswertung ist sicherlich auch eine größere Anzahl von Beschwerden erforderlich. 

Durch die Beschwerdebearbeitung haben wir aber auch schon wertvolle Hinweise zu unseren Verfahren erhalten, die wir sukzessive einarbeiten: Zum Beispiel, wie wir unsere Anforderungen noch besser an die Durchführungsorganisationen kommunizieren können.

Wie fügt sich der IKI-Beschwerdemechanismus in bestehende Beschwerdesysteme ein?

Wir im IKI UBM koordinieren das IKI-Beschwerdesystem mit den Durchführungsorganisationen, die zum Teil über eigene Systeme verfügen. Dabei arbeiten wir ähnlich wie das IKI-Safeguards-Team. Mit diesen beiden Säulen schaffen wir ein umfassendes Accountability-System, zu dem Betroffene auf lokaler und internationaler Ebene Zugang erhalten. Sie haben immer das „choice of forum“, das heißt: Sie können die Beschwerdemöglichkeit nutzen, zu der sie am meisten Vertrauen haben. 
 

Andrea Kämpf im Gespräch mit einer Frau bei einer IKI-Veranstaltung in Berlin mit zahlreichen Gästen.
Andrea Kämpf verfügt über 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Menschenrechte, Rechenschaftslegung, Nachhaltigkeitsstandards, partizipative Regierungsführung und Stakeholder-Management.

Wie fällt insgesamt deine Zwischenbilanz aus nach vier Jahren IKI Beschwerdemechanismus? 

Ich bin stolz darauf, dass der IKI UBM so schnell arbeitsfähig wurde und international als gute Praxis angesehen wird! Wir sind nach den vier Jahren wirklich gut aufgestellt – vor allem wenn man bedenkt, dass die IKI ein eher kleiner Geber ist, aber gleichzeitig weltweit sehr viele und vielfältige Stakeholder hat – von der multilateralen Organisation bis zu entlegenen Communities und kleinen NRO.

Zum Abschluss noch ein Blick in die nahe Zukunft: Was steht an im Jahr 2026 für den IKI-Beschwerdemechanismus? 

Da stehen zwei Punkte ganz oben auf der Liste: Zum einen müssen wir derzeit einige Stellen des Expertenpanels neu besetzen. Die Mitglieder arbeiten nur tageweise für den IKI UBM. Einige haben sich beruflich verändert, und ihre Haupttätigkeit ist nicht mehr mit der Arbeit für den IKI UBM vereinbar. 

Der zweite Punkt ist der Aufbau einer Community of Practice: Viele Durchführungsorganisationen wünschen sich einen vertieften Austausch zum Thema Beschwerdemechanismen. Daher planen wir für den kommenden Herbst ein erstes virtuelles Community-of-Practice-Treffen. 

Interessierte Durchführungsorganisationen können sich schon jetzt per E-Mail bei uns melden, gerne auch mit Themen, die sie interessieren.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

Zur Person

Andrea Kämpf, LL.M., ist Rechtsanwältin sowie Mediatorin und leitet die Geschäftsstelle des unabhängigen IKI-Beschwerdemechanismus. Sie hat mehr als 25 Jahre mit Organisationen des öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Sektors gearbeitet. 

Dabei sammelte sie Erfahrung in den Bereichen Menschenrechte, Rechenschaftslegung, Nachhaltigkeitsstandards, partizipative Regierungsführung und Stakeholder-Management. 
 

Über den IKI UBM

Der Unabhängige Beschwerdemechanismus der IKI ist strukturell und finanziell unabhängig. Er besteht aus einem externen Gremium von vier Fachleuten und einer Geschäftsstelle. Diese ist bei der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH angesiedelt, der Projektträgerin der IKI. 

Alle Details zum IKI UBM 

Kontakt: IKI-complaints@z-u-g.org