Frauen für die Energiewende: Führung dort stärken, wo sie zählt
Warum weibliche Führung für einen gerechten Wandel unverzichtbar ist.
Wie prägt weibliche Führung die globale Energiewende – und welche politischen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflussen diese Rolle?
15 weibliche Führungskräfte aus Partnerländern in Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa trafen sich im September 2025 in Berlin und Bonn, um diesen Fragen nachzugehen. Die einwöchige Studienreise fand im Rahmen des Projekts H2-diplo statt, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird.
Geopolitik trifft weibliche Führung
Der Auftakt fand in Berlin statt: Gesprächen im Auswärtigen Amt und im Deutschen Bundestag ermöglichte den Delegierten den Austausch mit deutschen Akteur*innen zu den politischen Veränderungen, die die globale Energiewende begleiten. Die Teilnehmerinnen brachten die unterschiedlichen Rahmenbedingungen ihrer nationalen Energiestrategien ein – von sicherheitsrelevanten Prioritäten, etwa in der Ukraine, bis zu neuen Wirtschaftschancen in afrikanischen Märkten.
In einer Diskussionsrunde mit Abgeordneten, darunter die frühere Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Svenja Schulze, betonten die Delegierten die Bedeutung grenzüberschreitender parlamentarischer Netzwerke für faire und stabile politische Rahmenbedingungen und entwickelten erste Ideen zu deren Ausbau.
Mit Fachleuten aus der Wissenschaft wurde erörtert, wie globale Konkurrenz um kritische Mineralien, grüne Technologien und Energieflüsse derzeit die internationale Energielandschaft neu gestalten.
Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden die kürzlich veröffentlichte H2-diplo-Studie Challenging Entrenched Power Structures in the Energy Sector. Die Analyse zeigte, dass strukturelle Barrieren für Frauen sowie die ungleiche Verteilung von Energiearmut weltweit weiterhin vergleichbar sind. Die Beiträge der Delegierten machten deutlich: Das Gesicht von Energiearmut ist häufig das Gesicht einer Frau. Ein klares Signal dafür, dass weibliche Führung kein „Nice-to-have“, sondern eine Voraussetzung für eine sozial akzeptierte Energiewende ist.
Von Maßnahmen gegen Desinformation bis zur Skalierung industrieller Innovation
Ein Workshop mit der Deutschen Welle Akademie stattete die Delegierten mit Strategien aus, um Klima- und Energiedesinformation zu begegnen – ein wachsendes Risiko für die gesellschaftliche Akzeptanz von Energieprojekten. Besonders Frauen in Führungspositionen erleben dabei häufig gezielte Desinformationskampagnen.
Beim UN-Klimasekretariat (UNFCCC) in Bonn begrüßte die stellvertretende Exekutivsekretärin Noura Hamladji die Gruppe und betonte die Notwendigkeit, alle verfügbaren Plattformen zu nutzen, um Koalitionen für eine gerechte Energiewende auszubauen. Gemeinsam mit UN-Fachleuten erörterten die Delegierten das Zusammenspiel von Geschlecht, Klima und Sicherheit und unterstrichen, dass internationale Energieziele nur durch konkrete Maßnahmen erreicht werden können – nicht allein durch politische Ankündigungen.
Der Besuch des Thyssenkrupp-Industrieparks in Duisburg ermöglichte den direkten Austausch mit Akteur*innen aus dem groß-industriellen Bereich der erneuerbaren Energien. Dort diskutierten die Delegierten, wie industrielle Innovationen skaliert werden können - und welche Möglichkeiten zur Technologieentwicklung und internationalen Forschungspartnerschaft bestehen.
Die Dynamik beibehalten
Der Abschluss der Studienreise fand in der Zentrale der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn statt und war mit einer klaren Botschaft verbunden: Die Energiewende ist nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern auch eine Frage von Führung, Teilhabe und gesellschaftlichem Wandel.
Die Studienreise markierte zugleich den Start eines wachsenden Netzwerks. Die Delegierten setzen ihren Austausch virtuell fort, mehrere von ihnen trafen sich bereits bei internationalen Konferenzen wieder. Erste Schritte zu einem selbstorganisierten internationalen Netzwerk sind bereits in Planung – ein Zeichen für die nachhaltigen Verbindungen, die während der Reise entstanden sind.
Insgesamt hat die Studienreise gezeigt: Eine gerechte Energiewende braucht mehr als Technologie und Investitionen – sie brauchte auch eine inklusive Führung und vielfältige Stimmen am Verhandlungstisch.
Zum Projekt: Geschlechteraspekte in der internationalen Energiekooperation verankern
Das IKI-Projekt H2-diplo verfolgt das Ziel, Geschlechteraspekte systematisch in energiepolitische Dialoge und Kooperationen zu integrieren. Dabei geht es darum, strukturelle Veränderungen im Energiesektor der Partnerländer zu unterstützen.
Ausgewählte Beispiele der Projektarbeit:
In der Ukraine arbeitet H2-diplo unter dem Label „Innovation in Krisenzeiten“ eng mit dem Women’s Energy Club of Ukraine (WECU) zusammen und organisiert öffentliche Diskussionen sowie Schulungen zu einem gerechten und inklusiven grünen Wiederaufbau.
In Kenia kooperiert das H2-diplo-Büro mit der Organisation Women in Green Hydrogen (WIGH) und organisiert regelmäßig Veranstaltungen, um weibliche Führung im Wasserstoff- und Energiesektor sichtbar zu machen.
Ein wichtiges Ergebnis der Arbeit in Nigeria ist die jährliche Veranstaltung „African Women for the Energy Transition“, die Politikerinnen und Fachfrauen zusammenbringt, um ihre Rolle beim Vorantreiben der Energiewende zu stärken. Darüber hinaus finanziert H2-diplo Schulungen zum Kompetenzaufbau im Rahmen einer Kooperation mit der nigerianischen NGO Girls and Women Technological Empowerment Organization.
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Kontakt
IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71
10963 Berlin
Weitere Informationen
WECU – Women’s Energy Club of Ukraine
GWTEO – Girls And Women Technological Empowerment Organisation
Gender in der IKI
Das Erreichen von Geschlechtergerechtigkeit ist für die IKI ein zentraler Faktor, denn: Die Potenziale aller Beteiligten sollen genutzt werden und zu einem verbesserten Schutz des Klimas und der Biodiversität beitragen.