Klimafreundliches Bauen in Usbekistan
Das erste Holz-Modellhaus des Landes zeigt, wie emissionsarme und klimaresiliente Gebäude mit lokalen Materialien realisiert werden können.
Das IKI-geförderte Projekt „Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudesektor“ hat einen wichtigen Meilenstein für nachhaltiges Bauen in Zentralasien erreicht. Auf dem Campus der Nationalen Forschungsuniversität „Tashkent Institute of Irrigation and Agricultural Mechanization Engineers“ (TIIAME NRU) stellten die Projektpartner Usbekistans erstes Holz-Modellhaus fertig. Das Gebäude veranschaulicht praxisnah, wie sich CO₂-arme und klimaangepasste Bauweisen unter lokalen Bedingungen umsetzen lassen.
Konkrete Antwort auf einen emissionsintensiven Bausektor
Der schnell wachsende Bausektor Usbekistans ist bislang stark von CO₂-intensiven Materialien wie Beton und gebrannten Ziegeln geprägt. Das Modellhaus setzt hier an und bietet eine konkrete Alternative. Durch den Einsatz lokal verfügbarer Materialien wie Holz, Stroh und Lehm werden die sogenannten grauen Emissionen deutlich reduziert – zugleich sinkt der künftige Energiebedarf des Gebäudes.
Die Konstruktion kombiniert einen Holzrahmen mit Wandfüllungen aus Stroh und Lehm und einem zementarmen Fundament. Ein passives Solardesign sowie forschungsbasierte Dämmtechniken erhöhen zusätzlich die Energieeffizienz und den thermischen Komfort. Damit zeigt das Gebäude, dass klimaresilientes Bauen technisch machbar und wirtschaftlich ist.
Von der Forschung in die Praxis
Entwickelt wurde das Modellhaus von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), der TIIAME NRU, dem Center for International Forestry Research – World Agroforestry (CIFOR-ICRAF) sowie dem Natural Building Lab der Technischen Universität Berlin. Als Reallabor für nachhaltige Bauweisen wurden Sicherheit, Langlebigkeit, Ästhetik und Replizierbarkeit systematisch geprüft, um Vertrauen in Holz als modernen und verlässlichen Baustoff zu stärken.
Heute dient das Gebäude als Lehr- und Lernort. Studierende, Lehrende und Fachkräfte nutzen das Modellhaus für ingenieur- und architekturbezogene Lehrveranstaltungen, berufliche Weiterbildungen und Öffentlichkeitsarbeit. So trägt das Projekt gezielt zum Aufbau lokaler Kompetenzen für einen nachhaltigeren Bausektor bei.
Größere Wirkung durch digitales Lernen
Über das physische Gebäude hinaus entfaltet das IKI-Projekt seine Wirkung durch ein umfangreiches Angebot an Online-Lernmaterialien. Im Rahmen des Open-Source-Formats World Lecture Project entstand eine Reihe von Video-Vorlesungen, die auf Usbekisch, Russisch und Englisch verfügbar sind.
Die Inhalte reichen von regionalen Klimawandelfolgen über Agroforstwirtschaft bis hin zu emissionsarmem Bauen, Holzbau und klimaangepasstem Design. Gemeinsam mit dem Modellhaus bilden diese Materialien ein digitales Lernzentrum, das Studierende, Fachkräfte und Entscheidungsträger weit über den TIIAME-Campus hinaus erreicht.
Ein übertragbares Modell für Klimaschutz und Resilienz
Neben der praktischen Demonstration und Ausbildung entwickelte das Projekt ein Policy Paper sowie Schulungsinhalte, die Hochschulen dabei unterstützen, nachhaltige Bauprinzipien in ihre Studienprogramme zu integrieren.
Durch die Verbindung von praktischer Umsetzung, forschungsbasierter Beratung und Aufbau von Wissen und Kompetenzen bietet das IKI-Projekt ein übertragbares Modell für andere Regionen, die ihre Emissionen senken, ihre Klimaresilienz stärken und traditionelles Bauwissen mit modernen Nachhaltigkeitszielen verknüpfen wollen.
Über die IKI Medium Grants
Mit dem IKI-Medium-Grants-Förderinstrument, das von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt wird, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.
Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.
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