11.03.2026

Safeguards unterstützen Frieden und Naturschutz in Kolumbien

Eine Person mit einer schwarzen Kappe schaut durch Blätterdickicht.
Monitoring der biologischen Vielfalt in der Gemeinde rund um den Nationalpark Serranía de Chiribiquete.

Wie gelingt Naturschutz im Konfliktgebiet? Ein IKI-Projekt in Kolumbien zeigt, wie Dialog und Safeguards Frieden und Biodiversität stärken.

Schutzgebiete können Biodiversität nur dann langfristig sichern, wenn sie auch für die lokale Bevölkerung funktionieren. Genau hier setzt das Projekt „Schutzgebiete und Frieden“ an, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird. 

Viele Nationalparks Kolumbiens liegen in Regionen, die über Jahrzehnte vom bewaffneten Konflikt geprägt waren. Ungleiche Landverteilung, ungeklärte Besitzverhältnisse und illegale Wirtschaftszweige haben Spannungen zwischen Naturschutzinteressen und lokalen Lebensgrundlagen verschärft. Tausende Kleinbauernfamilien – sogenannte Campesinos – leben in oder in der Nähe von Schutzgebieten, häufig ohne formelle Landtitel. Strikte Schutzmaßnahmen allein können unter solchen Bedingungen Misstrauen verstärken und Konflikte sogar anheizen.

Schutz durch Beteiligung statt durch Verbote

Zwei Männer unterzeichnen einen Vertrag.
Unterzeichnung des gemeinsamen Naturschutzabkommens zwischen Kakao-Verbänden und den lokalen Umweltbehörden rund um den Nationalpark Alto Fragua Indi Wasi.

Das IKI-Projekt verfolgt daher einen anderen Ansatz: Umwelt- und Sozialstandards – sogenannte Safeguards – werden systematisch in die tägliche Projektarbeit integriert. Dazu gehören Risikoanalysen, Sicherheitsmonitoring sowie Beschwerdemechanismen, über die Gemeinden ihre Anliegen sicher einbringen können.

Steigen Risiken, werden Aktivitäten angepasst, verlegt oder verschoben. Diese flexible Vorgehensweise schützt sowohl lokale Gemeinschaften als auch Projektmitarbeitende – ohne die langfristigen Naturschutzziele aus den Augen zu verlieren.

Ein zentrales Element sind partizipative Vereinbarungen mit Campesino-Familien. Statt Einschränkungen vorzugeben, moderiert das Projekt Dialogprozesse darüber, wie Land so genutzt werden kann, dass Wälder erhalten bleiben und zugleich Einkommen gesichert wird. Ökologische Wiederherstellung wird dabei mit nachhaltigen Produktionssystemen verbunden – ein Ansatz, der zeigt: Naturschutz und Lebensgrundlagen müssen kein Widerspruch sein.

Vertrauen als Grundlage erfolgreicher Schutzgebiete

Die ersten Ergebnisse sind sichtbar: Der Austausch zwischen Gemeinden und Parkverwaltungen hat sich verbessert, Vertrauen wächst. Lokale Organisationen verfügen heute über mehr Wissen zu Rechten, Risiken und Naturschutzregeln. Konflikte können dadurch frühzeitig entschärft werden, bevor sie eskalieren.

Safeguards tragen zugleich messbar zum Schutz der Biodiversität bei. Wenn Entscheidungen gemeinsam getroffen und als fair wahrgenommen werden, steigt die Akzeptanz von Schutzgebietsregeln. Nachhaltige Landnutzung und Renaturierungsmaßnahmen reduzieren den Druck durch Abholzung und Degradierung. Naturschutz wird stabiler, weil er von den Menschen vor Ort mitgetragen wird.

Lehren für Naturschutz in fragilen Regionen

Ein Mann und eine Frau hocken neben einem dünnen Baumstamm.
Monitoring der biologischen Vielfalt durch die Gemeinschaft rund um den Nationalpark Alto Fragua Indi Wasi.

Die Erfahrungen aus Kolumbien zeigen, dass Naturschutz in konfliktsensiblen Kontexten neue Ansätze braucht. Safeguards wirken am besten, wenn sie nicht als formale Pflicht verstanden werden, sondern als praktisches Instrument. Beteiligung und ein rechtebasierter Ansatz erhöhen die gesellschaftliche Akzeptanz von Schutzgebieten – und verbessern langfristig deren Wirkung.

Ausblick: Was bleibt über das Projekt hinaus?

Mit dem geplanten Projektabschluss im Juni 2026 rückt nun die Verstetigung der Ergebnisse in den Mittelpunkt. Die Unterstützung durch die IKI hat dauerhafte Kompetenzen bei der Durchführungsorganisation, dem WWF Kolumbien, und den lokalen Partnern aufgebaut. Diese reichen von Risikoanalysen über partizipative Prozesse bis hin zu funktionierenden Beschwerdemechanismen.

Diese Fähigkeiten ermöglichen es, konfliktsensible und rechtebasierte Naturschutzansätze auch über die Projektlaufzeit hinaus anzuwenden. Die Erfahrung aus Kolumbien macht deutlich: Investitionen in Safeguards bedeuten nicht nur Risikomanagement – sie schaffen auch Vertrauen, stärken lokale Akteure und legen damit die Grundlage für dauerhaften Biodiversitätsschutz und friedlichere Landschaften.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

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