24.05.2023

Gender-Mainstreaming: von Ideen zu Maßnahmen

Eine Frau steigt mit ihrem Gepäck in ein Tuktuk in Indien

Die von der IKI unterstützte NDC-Transportinitiative für Asien organisierte im März 2023 eine eintägige Konferenz, um über Wege zur Neugestaltung des Verkehrs und der Infrastruktur in indischen Städten zu diskutieren.

drei Frauen und zwei Männer stehen auf einer Konferenz auf der Bühne und halten ein Schild mit dem Hashtag WomenInTransport in den Händen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Plenarsitzung: Dr. Vandana Kumar (Unterstaatssekretärin, Rajya Sabha Sekretariat, indische Regierung), Amitabh Kant (G20 Sherpa, Indien), Dr. Philip Ackermann (deutscher Botschafter für Indien und Bhutan), Frau D. Thara (Unterstaatssekretärin, Ministerium für Wohnungsbau und städtische Angelegenheiten, indische Regierung), Dr. Sudeshna Chatterjee (Programmdirektorin für Forschung, Weltressourceninstitut (WRI), Indien).

Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie die Geschlechterinklusion sowie ein gerechter Zugang zu Mobilität und Chancen erreicht werden kann. Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft des Forums für die Dekarbonisierung des Verkehrs statt.

Die Konferenz brachte mehr als 80 Gender-Expertinnen und Gender-Experten sowie Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Verkehrsplanung, Forschung, aus der Praxis, der Zivilgesellschaft und andere Stakeholder zusammen, die darüber sprachen, wie wichtig eine Aufschlüsselung von Daten nach Geschlechtern für die Entwicklung von inklusiven öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Räumen sind. Dabei wurde auch über die stärkere Einbeziehung von Frauen in kritische Entscheidungs- und Planungsprozesse im Verkehrssektor diskutiert.

Hier sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus der Konferenz:

Nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Datenerhebung

Um ein besseres Verständnis der Verkehrsmuster von Frauen und den Herausforderungen, denen sie in Bezug auf die Mobilität gegenüberstehen, zu erlangen, müssen Städte die Erhebung geschlechtsspezifischer Pendeldaten als einen wesentlichen Bestandteil in allen Politik- und Planungsprozessen berücksichtigen. Eine solche Datenbank trägt nicht nur zur Entwicklung von genderresponsiven Maßnahmen bei, sondern kann auch öffentliche Verkehrsbetriebe bei der Ausarbeitung widerstandsfähiger Strategien unterstützen, um die Teilhabe von Frauen in der Arbeitswelt zu fördern und gegen „geschlechtsblinde“ Vorschriften anzugehen, die Frauen daran hindern, Berufe im Verkehrssektor anzustreben und dort erfolgreich zu sein.

Von Frauen geleitete Verkehrsplanung und -gestaltung

Es ist von entscheidender Bedeutung, die Perspektiven von Frauen in jeder Phase der Verkehrs- und Stadtplanung mit einzubeziehen – von der politischen Entscheidungsfindung bis zur Durchführung. Dies kann durch die Einrichtung von Gender-Arbeitsgruppen in öffentlichen Verkehrsbetrieben und die Förderung einer inklusiven Planung durch die Beteiligung der Gemeinschaft realisiert werden. Dazu gehört auch die Entwicklung von geschlechtersensiblen Indikatoren, mit denen das Wachstum kommunaler Verkehrssysteme überwacht werden kann. Diese kontinuierlichen und gezielten Bemühungen bedeuten einen großen Schritt in Richtung auf inklusivere und gerechtere Verkehrssysteme.

Möglichkeiten zur Verbesserung der Geschlechterinklusion unter den Beschäftigten im Verkehrssektor

Das Aufkommen der Gig-Economy (Teil des Arbeitsmarkts, bei dem Aufträge kurzfristig und flexibel an unabhängige Auftragnehmerinnen und Auftragnehmer vergeben werden) und des Elektromobilitätsmarkts bieten neue Chancen, Frauen in die traditionell von Männern dominierte Arbeitswelt des Verkehrssektors zu integrieren. Zu den Lösungsansätzen, Frauen für den Einstieg in diese Berufe zu gewinnen, zählen der weitreichende Aufbau von Kompetenzen und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Schaffung von frauenfreundlichen Arbeitsumgebungen. Darüber hinaus sollen mehr junge Frauen dazu ermutigt werden, technische Studiengänge zu belegen, und geschlechtsblinde politische Barrieren abgebaut werden. Die Verkehrsbranche entwickelt sich immer weiter weg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hin zu Elektrofahrzeugen. Daher wird es unerlässlich sein, gezielte formale Bildungs- und Ausbildungsangebote zu schaffen, um die Geschlechterparität und einen gerechten Übergang in der Arbeitswelt zu gewährleisten.

Finanzierung eines geschlechterinklusiven Mobilitätsökosystems

Eine geschlechtergerechte Planung von Haushaltsmitteln ist ein Instrument, mit dem Regierungen dafür sorgen können, öffentliche Mittel so einzusetzen, dass die Gleichstellung der Geschlechter gefördert und die Rolle von Frauen gestärkt werden. Dies ist besonders effektiv, wenn geschlechtersensible Ziele und spezifische Haushaltsmittel in den Verkehrssektor integriert werden. Unternehmerinnen im Verkehrssektor sind oft mit Herausforderungen beim Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten konfrontiert. Diese Herausforderungen können durch die Entwicklung von Finanzprodukten und risikoarmen Finanzierungsmodellen, die auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind, gemindert werden. Für Unternehmen im Bereich der Mobilität ist es zudem wichtig, sich stärker auf die Geschlechtergerechtigkeit auszurichten und die Präferenzen von Frauen in Fördermittelprogramme einzubeziehen, um zu gewährleisten, dass ihre Initiativen wirtschaftlich tragfähig sind. 

Kollaborationen, um die Wirkung der Geschlechterinklusion im Verkehr zu verstärken

In einigen Bundesstaaten und Städten Indiens wurden geschlechterinklusive Initiativen durchgeführt. So werden beispielsweise zwei Metrostationen in Mumbai ausschließlich von Frauen geleitet und bei Ausschreibungen für die Beschaffung von Elektrobussen in Indien ist vorgeschrieben, dass 25 Prozent des Fahr-, Depot- und Werkspersonals Frauen sein müssen. Solche Initiativen sind zwar lobenswert – damit sie eine nachhaltige Wirkung haben, müssen diese Bemühungen jedoch beschleunigt werden. Ein programmatischer Lösungsansatz zur Förderung der Kollaboration und des Wissensaustauschs kann dazu beitragen, die Geschlechterinklusion unter den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren zu institutionalisieren. Dem Austausch von Ideen und bewährten Verfahren zwischen öffentlichen Verkehrsbetrieben, Fahrdienstanbietern, Gewerkschaften im Paratransit-Bereich (öffentliche Verkehrsdienste nach Bedarf ohne feste Routen und Fahrpläne) und anderen Stakeholdern auf verschiedenen Ebenen kommt daher eine entscheidende Bedeutung zu.  

Die Einbeziehung der Perspektiven von Frauen und deren Vertretung in jeder Phase der Verkehrs- und Stadtentwicklung wird zum Aufbau inklusiverer und gerechterer Verkehrssysteme in Indien beitragen.

Wie Amitabh Kant, Indiens Sherpa für die G20, auf der Konferenz erklärte: „Indien hat im Rahmen seiner G20-Präsidentschaft ganz klar die von Frauen geleitete Entwicklung in den Vordergrund gerückt. Wir glauben, dass es an der Zeit ist, sich auf die Frauen zu konzentrieren – besonders heute, da in Indien mehr Frauen als Männer leben. Laut der jüngsten National Family Health Survey, einer Umfrage, die regelmäßig vom Ministerium für Gesundheit und Familienfürsorge durchgeführt wird, kommen in Indien auf 1.000 Männer 1.022 Frauen. Der Aufbau einer Fünf-Billionen-US-Dollar-Wirtschaft in Indien wird nicht möglich sein, ohne dass Frauen eine zentrale Rolle dabei zukommt.”

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