12.09.2022

Vier Erkenntnisse zur Verringerung der Treibhausgasemissionen in Chinas Transportsektor

Die Verringerung der Treibhausgasemissionen im chinesischen Transportsektor ist entscheidend für die Erreichung der nationalen und globalen Klimaziele.
Die Verringerung der Treibhausgasemissionen im chinesischen Transportsektor ist entscheidend für die Erreichung der nationalen und globalen Klimaziele.

Wie können Chinas Ambitionen zur Dekarbonisierung des Transportsektors durch multilaterale Zusammenarbeit erhöht werden? 

Die Arbeit der NDC-Transportinitiative für Asien hat die effektive multilaterale Zusammenarbeit beleuchtet, um Chinas Ambitionen zur Dekarbonisierung des Transportsektors zu erhöhen.

Die Verringerung der Treibhausgasemissionen im chinesischen Transportsektor, die im Jahr 2018 etwa elf Prozent der weltweiten Verkehrsemissionen ausmachten, ist entscheidend für die Erreichung der nationalen und globalen Klimaziele.

Im Jahr 2021 aktualisierte China seine national bestimmten Klimaschutzbeiträge (Nationally Determined Contributions, NDC) und formulierte ehrgeizige Ziele, damit die CO2-Emissionen bis 2030 ihren Höchststand erreichen und das Land dann bis 2060 kohlenstoffneutral werden kann.

Die NDC-Transportinitiative für Asien (NDC-TIA), ein deutsch-chinesisches Kooperationsprojekt, das vom Weltressourceninstitut (WRI) und anderen Partnerinnen und Partnern durchgeführt wird, unterstützt diese Ziele und verstärkt die Zielsetzungen für einen emissionsfreien Transportsektor in ganz Asien, indem sie die multilaterale Zusammenarbeit erleichtert.

Die NDC-TIA wird von der internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz in enger Zusammenarbeit mit ihrem Gründungsressort, dem Bundesumweltministerium, sowie dem Auswärtigen Amt in Auftrag gegeben. Sie wird gemeinsam mit dem chinesischen Ministerium für Ökologie und Umwelt (MEE) durchgeführt. Durch die Einbeziehung von Interessengruppen, Forschung und Wissensaustausch hat das Projekt die chinesischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger bei der Entwicklung wirksamer Strategien zur Kontrolle der Treibhausgasemissionen (THG) und Luftschadstoffe im Transportsektor unterstützt. Die NDC-TIA hat auch dazu beigetragen, die verkehrspolitischen Elemente von Chinas 1+N-Politiksystem zu entwickeln, in dem die Ziele für die Erreichung der Kohlenstoffspitzenwerte und der Kohlenstoffneutralität festgelegt werden.

Auf der Grundlage von Interviews mit den NDC-TIA-Partnerinnen und -Partnern und anderen in China tätigen Organisationen, namentlich der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, dem Weltressourceninstitut China (WRI), dem International Council on Clean Transportation (ICCT), der Agora Verkehrswende und der Partnership on Sustainable Low Carbon Transport, haben sich vier Erkenntnisse für eine effektive multilaterale Zusammenarbeit herauskristallisiert, um Chinas NDCs voranzubringen und die Zielsetzung zur Dekarbonisierung des Transportsektors zu erhöhen:

1. Die richtigen Interessengruppen verstehen und einbeziehen

Die NDC-TIA fördert behördenübergreifende Plattformen für diverse Interessengruppen auf nationaler und provinzieller Ebene, um öffentliche und private Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen. Auf nationaler Ebene konzentriert sich diese Plattform auf die Entwicklung eines Rechtsrahmens für Treibhausgas- und verkehrsbedingte Luftschadstoffemissionen. Auf Provinzebene arbeitet die Plattform an einem Fahrplan für die Begrenzung der Treibhausgasemissionen, der sich an den NDCs in China orientiert.

Obwohl es eine Herausforderung sein kann, Ministerien mit unterschiedlichen Zielen und Arbeitsbereichen zusammenzubringen, hat die NDC-TIA erfolgreich Akteurinnen und Akteure auf verschiedenen Ebenen eingebunden, indem sie ihre Angebote auf die Bedürfnisse der Ministerien zugeschnitten hat.

Auf nationaler Ebene arbeitet die NDC-TIA zum Beispiel mit dem Ministerium für Ökologie und Umwelt, dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) und dem Verkehrsministerium zusammen, um diesen Parteien relevante Informationen bereitzustellen. Das Ministerium für Ökologie und Umwelt ist für die gemeinsame Reduzierung von Treibhausgasemissionen und Luftschadstoffen verantwortlich. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, das für Vorschriften und Verordnungen zur Kraftstoffeffizienz zuständig ist, konzentriert sich auf die Dekarbonisierung als Weg zur Unabhängigkeit vom Erdöl und hält Informationen über die Wettbewerbsvorteile eines kohlenstofffreien Transportsektors für besonders wichtig für seine Arbeit. Das Verkehrsministerium überwacht die Politik, die den Straßenzugang, die Mautgebühren und die Organisation des Transportsektors regelt, und legt besonderen Wert auf Analysen zu multimodalen Strategien.

In der Provinz Guangdong trafen sich die NDC-TIA-Partnerinnen und -Partner mit Interessenvertreterinnen und -vertretern aus verschiedenen regionalen Abteilungen, um die politische Dynamik und die Verantwortlichkeiten bei der Dekarbonisierung des Transportsektors besser zu verstehen. Auf der Grundlage dieser ersten Gespräche nahm das WRI China schrittweise Kontakt zu Akteurinnen und Akteuren auf, die bei der Entwicklung der Plattform helfen könnten.

Die Identifizierung der Bedürfnisse, Motivationen und Einschränkungen der einzelnen Interessengruppen innerhalb der Plattform hilft der NDC-TIA, Vertrauen aufzubauen und einen Mehrwert für jede Interessengruppe zu schaffen.

2. Die Dekarbonisierung des Transportsektors erfordert einen systemischen Ansatz

Chinas 1+N-Politiksystem zur Kohlenstoffneutralität stimmt zwar mit den NDCs überein, aber es gibt Lücken bei der Integration und Abstimmung von Dekarbonisierungszielen im Transportsektor mit anderen Sektoren und ministeriellen Strukturen sowie bei der Steigerung der Zielsetzung auf lokaler Ebene, um nationale Ziele zu erreichen.

Eine kürzlich vom WRI China durchgeführte Szenarioanalyse ergab, dass neben der Elektrifizierung von Fahrzeugen auch strukturelle Veränderungen wie Transport-verlagerungen und die Dekarbonisierung des Stromnetzes entscheidend für die Erreichung der chinesischen Ziele für 2030 und 2060 sein werden. Die GIZ hat betont, wie wichtig es sei, den Rahmen „Vermeiden-Verschieben-Verbessern“ für die Dekarbonisierung des Transportsektors zu nutzen. Der Bericht des NDC-TIA-Rates spiegelt auch die Notwendigkeit wider, Ressourcen wie Subventionen für fossile Brennstoffe umzuverteilen und sich mit dem Energiesektor abzustimmen, um das Laden von Fahrzeugen nachhaltig in das Stromnetz zu integrieren. Derzeit werden im Rahmen des 1+N-Politiksystems noch hochrangige Maßnahmen zur Elektrifizierung und Ressourcenzuweisung benötigt.

Neben der sektorübergreifenden Koordinierung hat die Arbeit der NDC-TIA über die Grenzen der Ministerien hinaus deutlich gemacht, dass die ministerielle Struktur ganzheitlich betrachtet werden muss. Derzeit ist das Ministerium für Ökologie und Umwelt für die Abgasnormen zuständig, während das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie für die Kraftstoffverbrauchsnormen verantwortlich ist. Das chinesische Emissionsregulierungssystem könnte effektiver sein, wenn die Arbeit zwischen den Ministerien besser koordiniert würde. Da das MIIT beispielsweise nicht für die Einhaltung der Vorschriften für bereits auf dem Markt befindliche Fahrzeuge zuständig ist, könnte das MIIT Daten zur CO2-Typgenehmigung mit dem MEE austauschen und dem MEE die Möglichkeit geben, die Leistung der Fahrzeuge bei Emissionsprüfungen zu verifizieren. Eine solche Zusammenarbeit würde den Fahrzeugherstellerinnen und -herstellern einen Anreiz bieten, die entsprechenden Normen einzuhalten.

Die Arbeit der NDC-TIA hat auch gezeigt, dass es trotz des starken nationalen Willens auf lokaler Ebene mehr Hindernisse für die Dekarbonisierung des Transportsektors in China gibt, vor allem aufgrund der Kosten. Um die Ziele für 2030 und 2060 zu erreichen, ist ein langfristiges Engagement erforderlich, um auf lokaler Ebene die Zustimmung zur Dekarbonisierung in den Provinzen und Gemeinden zu gewinnen und eine Politik zu entwickeln, die den regionalen Bedürfnissen und Ressourcenbeschränkungen entspricht.

3. Suche nach zugrunde liegenden Datenlücken

China hat seine Ambitionen bei der Dekarbonisierung des Transportsektors gesteigert, aber es fehlt an Basisdaten und Klarheit über spezifische Dekarbonisierungsmöglichkeiten. Die NDC-TIA hat sich dieser Herausforderung angenommen, indem sie eine technische Modellierungs- und Analyseunterstützung bereitstellte, Kapazitätslücken identifizierte und die nationalen und provinziellen Ministerien koordinierte, um Chinas Emissionen und Schadstoffreduktionstrends zu analysieren. Diese Analyse ist entscheidend, um die Lücke zwischen der nationalen und provinziellen Politikgestaltung zu überbrücken und Emissions-Grundlagenwerte zu erstellen, um zu quantifizieren, wie schnell kohlenstoffarme Strategien eingeführt werden müssen und um die NDC-Ziele zu erreichen.

Die NDC-TIA arbeitet derzeit mit der Provinzregierung von Guangdong zusammen, um verschiedene Strategien zur Emissionsbilanzierung zu modellieren, mit denen die Emissionen des Straßenverkehrs gemessen und verfolgt werden können. Da nicht alle Emissionen der Provinz von den lokalen Behörden allein reduziert werden können, wird die Verknüpfung von politischen Instrumenten und der Verfügbarkeit von Emissionsdaten dazu beitragen, realistische Bezugswerte für die Zukunft festzulegen. Ein demnächst erscheinendes Arbeitspapier des WRI China wird diese Ergebnisse dokumentieren.

4. Gerechter Zugang zum Transportsektor erfordert eine integrierte Planung

Die Zugänglichkeit des kohlenstofffreien Transportsektors ist ein wichtiger Aspekt der Mobilitätsgerechtigkeit in China. Der 14. Fünfjahresplan (2021-2025) räumt dem emissionsfreien Personen- und Güterverkehr Priorität ein. Während die Abkehr von Verbrennungsmotoren und die Reinigung des Stromnetzes von entscheidender Bedeutung sind, wird die Konzentration auf einzelne Fahrzeuge den Einkommens- und Zugangsschwankungen nicht gerecht. Die Integration von Aspekten der Mobilitätsgerechtigkeit und der Zugänglichkeit, wie die Bereitstellung besser zugänglicher, sicherer und effizienter öffentlicher Verkehrsmittel und aktiver Mobilitätsoptionen, wird in Zukunft entscheidend sein. China hat in den letzten 15 Jahren den öffentlichen Nahverkehr in vielen Städten ausgebaut, und es wird wichtig sein, weiterhin Wege zu finden, um Menschen auf effiziente und zugängliche Weise zu befördern. Eine detailliertere Datenerhebung und Analyse der Emissionsspitzen im Transportsektor, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf bestimmte Bevölkerungsgruppen, ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Derzeit konzentriert sich die NDC-TIA auf die Einkommensunterschiede zwischen den Regionen und die Zugänglichkeit des Transportsektors für ältere Menschen sowie Menschen mit Behinderungen und besonderen Bedürfnissen. Die Verbesserung der Mobilitätsgerechtigkeit wird auch in den kommenden Jahren eine Priorität bleiben.

Chinas 1+N-Politiksystem ist sehr ehrgeizig und erfordert die Zusammenarbeit auf allen Ebenen der nationalen und lokalen Regierung. Die Lehren aus der bisherigen Arbeit der NDC-TIA zeigen, dass die Zusammenarbeit mehrerer Interessengruppen den Fortschritt bei der Umsetzung der NDC am effektivsten unterstützen kann, wenn ein starkes gemeinsames Verständnis des Systems und der Nachfrage vorhanden ist. Weitere Erfolgsfaktoren sind die strategische Einbindung von Interessengruppen sowie eine integrierte Planung in Bezug auf die Dekarbonisierung des Transportsektors, die Elektrifizierung und den gleichberechtigten Zugang.

[Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht auf der TheCityFix Webseite]

Verfasser: Maggie Dennis und Yiqian Zhang

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