26.06.2026

Aus guten Ideen werden investitionsreife Lösungen

Ein Mann hockt am Boden und bearbeitet mit einem Werkzeug ein Metallstück.

Die Mitigation Action Facility unterstützt Länder und Branchen dabei, eine kohlenstoffarme Zukunft zu gestalten – gerade auch dort, wo dies besonders schwierig ist.

Schwerindustrien wie die Stahl-, Zement- oder Luftfahrtbranche zählen zu den am schwierigsten zu dekarbonisierenden Sektoren. Ein Wandel in diesen Bereichen erfordert erhebliche Investitionen, innovative Technologien sowie eine langfristig ausgerichtete Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen und Finanzinstitutionen. Für viele Länder ist die Herausforderung dabei nicht nur technologischer, sondern auch finanzieller und organisatorischer Natur.

Mit ihrer Detailed Preparation Phase (DPP) bietet die Mitigation Action Facility (MAF) eine vollständig finanzierte Unterstützung für ausgewählte Projekte in diesen Wirtschaftsbereichen. Die Hilfe ermöglicht zum Beispiel Machbarkeitsstudien, technische Beratung sowie die Vermittlung von Fachwissen zu Finanzierungsmöglichkeiten, Kohlenstoffmärkten, Minderungspotenzialen, Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Inklusion. Die Unterstützung der MAF hilft Projekten dabei, bestehende Hürden zu überwinden, Partnerschaften zu stärken – und die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung sowie künftige Investitionen zu schaffen.

Die nächste Generation kohlenstoffarmer Industrieprojekte

Projekte zur Dekarbonisierung der Industrie gelten häufig als zu komplex, zu risikoreich oder noch nicht ausreichend entwickelt, um mit konventionellen Finanzierungsinstrumenten unterstützt zu werden. Die Mitigation Action Facility schließt diese Lücke, indem sie skalierbare Klimaschutzprojekte fördert, investitionsreife Geschäftsmodelle entwickelt, institutionelle und technische Kapazitäten stärkt und öffentliche sowie private Akteure entlang gemeinsamer Transformationspfade zusammenbringt.

Projekte in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren mit hohem Minderungspotenzial nehmen dabei eine zunehmend große Rolle für die Arbeit der Mitigation Action Facility ein. Neben Energie und Verkehr zählt die Industrie zu den Schwerpunktbereichen, in denen tiefgreifende Transformationen und langfristige Emissionsminderungen vorangetrieben werden sollen.

Neue Märkte für nachhaltige Flugkraftstoffe in Brasilien

Die Dekarbonisierung der Luftfahrt beispielsweise gestaltet sich weiterhin als besonders anspruchsvoll. Insbesondere im Langstreckenverkehr ist eine Elektrifizierung derzeit nicht realistisch. Nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) gelten daher als die einzige skalierbare Lösung, um die Emissionen bestehender Flugzeugflotten deutlich zu senken. Dennoch bleibt die SAF-Produktion bislang begrenzt – unter anderem aufgrund eines Mangels an nachhaltig verfügbaren Rohstoffen.

In Brasilien begegnet ein von der Mitigation Action Facility unterstütztes Projekt dieser Herausforderung mit einer integrierten „Seed-to-Fuel“-Plattform. Im Mittelpunkt steht der Anbau von Macaúba, einer ertragreichen heimischen Ölfrucht, die auf degradierten Flächen kultiviert werden kann.

Die gewonnene Biomasse wird mit einer Bioraffinerie verknüpft, die künftig jährlich rund eine Milliarde Liter SAF produzieren soll. Während für die Raffinerie bereits Finanzierungen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar gesichert wurden, benötigt der Aufbau der landwirtschaftlichen Lieferkette zusätzliches Kapital, um die erforderliche Skalierung in Gang zu setzen.

Die Mitigation Action Facility unterstützt den Aufbau der ersten speziell auf die Verarbeitung von Macaúba ausgerichteten Ölmühle – ein entscheidender Schritt für die Etablierung der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette. Das Projekt hat das Potenzial, die Emissionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg um bis zu 80 Prozent gegenüber herkömmlichem Flugkraftstoff zu reduzieren. Gleichzeitig trägt es zur Wiederherstellung degradierter Flächen bei, schafft neue Arbeitsplätze und eröffnet Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zusätzliche Einkommensmöglichkeiten.

Das Projekt könnte einen wegweisenden Maßstab für die Finanzierung von Bioökonomie-Infrastrukturen in Lateinamerika und anderen aufstrebenden Märkten setzen.
Leonardo Pereira R. dos Santos, Sekretariat der BIP (Brazil Climate and Ecological Transformation Investment Platform) und Leiter der Abteilung für Klimatransformation der brasilianischen Regierung

Industrielle Wertschöpfungsketten in Vietnam transformieren

Das von der Mitigation Action Facility unterstützte Projekt „Viet Nam – Sustainable Industries“ fördert die Dekarbonisierung der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie des Lebensmittel- und Getränkesektors des Landes. Diese Branchen sind zusammen für rund 60 Prozent des Energieverbrauchs in der Leichtindustrie verantwortlich.

Das Projekt unterstützt mehr als 300 Industrieanlagen bei der Einführung energieeffizienter Technologien sowie der Elektrifizierung energieintensiver Prozesse. Gleichzeitig verbessert es den Zugang zu Finanzierungen durch grüne Kreditlinien und Innovationszuschüsse.

Durch die erwartete Reduktion von Emissionen in Höhe von 7,21 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zeigt das Projekt, wie gezielte Unterstützung eine beschleunigte Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Industrie ermöglichen kann.

Sechs Personen sitzen bei einer Gesprächsrunde auf Stühlen auf einer Bühne.
Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Electrification of Industry – Renewable Energy-Powered Heat Pumps“ im Dezember 2025, bei der Vietnams erstes Bangjie-Wärmepumpensystem vorgestellt wurde.

Industrielle Dekarbonisierung in zahlreichen Ländern und Projekten

Mehrere zusätzliche Projekte erhalten derzeit eine vollständig finanzierte Unterstützung für die Ausarbeitung ihrer Antrags- und Projektvorschläge durch die Mitigation Action Facility – unter anderem in Südafrika, Vietnam, Brasilien, der Türkei und Indien. Parallel dazu befinden sich sieben Industrieprojekte aus der Projektausschreibung 2026 aktuell in der Bewertungsphase für die weitere Projektvorbereitung.

Mit Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) wird die Mitigation Action Facility weiterhin technische Unterstützung sowie Klimafinanzierung für ambitionierte Minderungsvorhaben bereitstellen. Ziel ist es, zentrale Sektoren der Wirtschaft und Gesellschaft auf ihrem Weg zur Dekarbonisierung zu unterstützen und so einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in großem Maßstab zu leisten.

Eine große Industrieanlage liegt in einer weiten, menschenleeren Landschaft, während die Sonne bereits fast untergegangen ist.
Die Mitigation Action Facility unterstützt die nächste Generation von Projekten zur Dekarbonisierung von Industrien.

Die Mitigation Action Facility

Die Mitigation Action Facility – ein multilaterales Förderprogramm – stellt technische Unterstützung und Finanzierung bereit, um die Umsetzung ambitionierter Minderungsmaßnahmen zu fördern. Sie treibt die Dekarbonisierung in den drei Schwerpunktsektoren Energie, Verkehr und Industrie voran. Einer ihrer wichtigsten Finanzierungspartner ist die deutsche Bundesregierung, die ihre Unterstützung über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) bereitstellt.

Mehr Informationen über die Mitigation Action Facility

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