15.01.2026

Good Practice: Erfolgsfaktoren für wirksame urbane Transformation

Grafik zum Thema nachhaltige Stadt

Acht Tools aus zehn Jahren Projektarbeit zur nachhaltigen Stadtentwicklung in der IKI 

2025 haben wir auf zehn Jahre „nachhaltige Stadtentwicklung“ in der Internationalen Klimaschutzinitiative zurückgeschaut: Das Thema bildet seit 2015 einen übergreifenden Schwerpunkt zu den vier Förderbereichen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Weltweit haben bisher über 100 IKI-Projekte zu nachhaltiger Stadtentwicklung in mehr als 50 Ländern gearbeitet. 

Im Rückblick auf die zehn Jahre Projekterfahrung zu erfolgreicher nachhaltiger Stadtentwicklung in der IKI kristallisieren sich insbesondere folgende acht Tools als Gute Praxis heraus: 

  1. Partizipative Ansätze
  2. Demonstrationsprojekte
  3. Wissen und Kompetenzen institutionalisieren
  4. Digitale Anwendungen 
  5. Finanzierung und Upscaling
  6. Synergien mit anderen Projekten und Städtenetzwerke nutzen
  7. Multilevel Governance sowie Rahmenwerke und Normen
  8. Sichtbarkeit und Narrative

Tool 1: Partizipative Ansätze

Bürger*innenbeteiligung ist die Basis für dauerhaften Klimaschutz in Städten. Durch Formate wie „Urban Labs“ werden Bewohner*innen, Unternehmen und Planungsfachleute zusammengebracht, um konkrete Klimaschutz‑ und Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Bottom‑Up‑Ansätze erzeugen Multiplikatoreffekte und fördern die Transformation von Quartieren.

So hat beispielsweise das Urban Lab in Buenos Aires für seinen Vorschlag zur klimafreundlichen Umgestaltung des Nachbarschaftsviertels den dritten Preis im gewonnen. 

Tool 2: Demonstrationsprojekte

Kleine, testbare Vorhaben zeigen die Umsetzbarkeit neuer Konzepte und erleichtern deren Skalierung. Sie stärken sektorübergreifende Zusammenarbeit, beispielsweise zwischen Stadtverwaltungen, Hochschulen und Unternehmen, und unterstützen die vertikale Integration zwischen politischen Ebenen.

Zum Beispiel wurden über das IKI-Projekt Urban Pathways 14 Pilotprojekte in zehn Städten umgesetzt, von einer Fußgängerzone, einem Zentrum zur Beschleunigung von Mobilitäts-Start-ups und energieeffizienten Häusern in Nairobi (Kenia) über eine 30km/h-Zone und Umweltzonen in Belo Horizonte (Brasilien) bis hin zu Elektromobilitätssystemen in Städten wie Kochi (Indien), Hanoi (Vietnam) oder Quito (Ecuador).

Tool 3: Wissen und Kompetenzen institutionalisieren

Wissen, Kompetenzen und Prozesse müssen dauerhaft in lokale Institutionen (Gemeinden, Ministerien, Forschungseinrichtungen, NGOs) eingebettet werden, sonst gehen sie nach Projektende verloren. 

Institutionalisiertes Know‑how schafft ein „institutionelles Gedächtnis“, ermöglicht eigenständige Planung, Umsetzung und Evaluation und verbessert den Zugang zu öffentlichen und privaten Finanzmitteln.

Beispielsweise profitierten neun afrikanische Städte vom Einsatz der städtischen Klimaberater*innen und konnten das Thema Klimaschutz und Anpassung in der Stadtplanung institutionell verankern. 

Tool 4: Digitale Anwendungen

Open‑Source‑Anwendungen unterstützen Datensouveränität, Partizipation und Wissensaustausch. Sie können nach Projektende weiterentwickelt und an lokale Bedürfnisse angepasst werden, wodurch Wissen und Daten langfristig verfügbar bleiben.

Beispiele dafür sind die Online-Biodiversitätsplattformen CitiesWithNature und RegionsWithNature, die im Rahmen der IKI-Projektarbeit entwickelt wurden.

Mit dem kostenlosen Open-Source-Tool Energy Performance and Carbon Assessment and Monitoring (ECAM) wurde ein international nutzbarer Standard geschaffen, um kommunale Versorgungsunternehmen zu unterstützen, durch gezielte Effizienzmaßnahmen Emissionen im Wassersektor zu senken und zum Klimaschutz beizutragen. 

Tool 5: Finanzierung und Upscaling

Stabile, langfristige Finanzierungsmodelle sind unerlässlich, um Pilotprojekte auf größere Maßstäbe zu übertragen. Frühzeitiges Match‑Making zwischen Projekten und öffentlichen oder privaten Geldgebern erhöht die Erfolgsquote. Unterstützungsangebote sollten bereits im Projektzyklus beginnen und ein „Ökosystem“ aus Entwicklungsbanken, Städtenetzwerken und technischen Partner*innen bilden. 

Ein gutes Beispiel sind die in über 20 Städten Lateinamerikas gegründeten Water Funds. Sie bringen Gemeinden, Unternehmen und Behörden zusammen, um durch Beiträge und Tarife Naturschutzmaßnahmen langfristig zu finanzieren. 

Tool 6: Synergien mit anderen Projekten & Städtenetzwerke nutzen

Der Austausch über Netzwerke wie C40, Global Covenant of Mayors oder spezialisierte Projektkooperationen ermöglicht den Transfer bewährter Praktiken, spart Ressourcen und erhöht die Sichtbarkeit. 

Durch die Kombination von Klimaschutz mit Themen wie Energie, Kreislaufwirtschaft oder Wasser entstehen integrierte Lösungsansätze. 

C40 stellte beispielsweise das Netzwerk seiner Mitgliedsstädte, bewährte Methoden und fachliche Expertise bereit. Durch diese Partnerschaft konnten in neun Pilotstädten umfassende Klimaschutz‑ und Anpassungspläne erarbeitet, mehr als 150 Fachkräfte zu nachhaltigen Minderungsstrategien qualifiziert und ein regionaler Wissens‑ und Datenhub eingerichtet werden.

Tool 7: Multilevel Governance sowie Rahmenwerke und Normen

Eine abgestimmte Zusammenarbeit aller Regierungsebenen – national, regional und kommunal – verbindet politische Vorgaben, lokale Umsetzung und Finanzierung. 

Internationale Rahmenwerke und Normen bieten klare Leitlinien und erhöhen die Vergleichbarkeit von Maßnahmen. 

Als Basis für Klimarisikoanalysen öffentlicher Infrastruktur kann beispielsweise das PIEVC-(Public Infrastructure Engineering Vulnerability Committee)-Protokoll der Engineers Canada genutzt werden. In Costa Rica wurde die Methodik übertragen. 

In Brasilien wurde mit Unterstützung der IKI eine Nachhaltigkeitsagenda entwickelt, die aufzeigt, wie konkrete Maßnahmen des Städteministeriums mit den laufenden Initiativen der Bundesregierung zu Nachhaltigkeit und Klimawandel sowie mit internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen in Einklang stehen. 

Tool 8: Sichtbarkeit und Narrative

Öffentlichkeitswirksame Formate wie Kurzfilme oder Illustrationen und Ansätze des Storytellings machen Erfolge nachvollziehbar und mobilisieren Unterstützung. 

Starke Narrative vermitteln komplexe Inhalte verständlich und schaffen emotionale Bindungen, was die Nachahmung in anderen Städten erleichtert. 

Gute Beispiele aus der IKI sind die Kurzfilmserie A True Paradise in der namhafte Klimaexperten zu Wort kommen und die illustrierten Natural Asset Maps

Vom Projekt zur Struktur: Wie nachhaltige Stadtentwicklung gelingt

Zehn Jahre Projekterfahrung der IKI machen deutlich: Nachhaltige Stadtentwicklung ist kein Einzelinstrument, sondern ein Zusammenspiel aus Beteiligung, Wissen, Finanzierung und politischem Rahmen. Die acht identifizierten Tools zeigen, wie aus lokalen Pilotprojekten dauerhafte Strukturen entstehen können – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig vernetzt, institutionell verankert und finanziell abgesichert. So wird Klimaschutz in Städten nicht nur planbar, sondern skalierbar – und damit zu einer tragenden Säule der globalen Transformation.

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Kontakt

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