26.05.2026

Speichertechnologien als Schlüssel zur Energiewende

Solaranlage mit Energiespeicher in Andaman

Mit Batteriespeichersystemen unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative die Energiewende in Indien – von Pilotprojekten bis hin zur Ausbildung von Fachkräften.

Indien durchläuft derzeit einen bemerkenswerten Wandel seines Energiesystems. Solarenergie trägt heute bereits rund 9,4 Prozent zur Stromerzeugung bei und half, den Anstieg der CO₂-Emissionen im Jahr 2025 auf lediglich 0,7 Prozent zu begrenzen – der niedrigste Zuwachs seit zwei Jahrzehnten. Gleichzeitig deckt Kohle weiterhin etwa 50 Prozent des Strombedarfs in Indien - trotz der ehrgeizigen Ziele des Landes von 500 GW nicht-fossiler Kapazitäten bis 2030 und Netto-Null-Emissionen bis 2070.

Die Herausforderung besteht nicht nur in der Erzeugung erneuerbarer Energien, sondern auch in deren Integration in das Stromnetz. Solar- und Windenergie unterliegen natürlichen Schwankungen, und ohne Speicherlösungen wird überschüssige erneuerbare Energie häufig abgeregelt, während Kohle- und Dieselkraftwerke weiterhin Spitzenlasten decken.

Stromverteilung im Wandel

Energiespeichersysteme bieten hierfür eine Lösung. Laut dem India Energy & Climate Centre können Speicher die Nutzung erneuerbarer Energien auf 58 bis 63 Prozent erhöhen, die jährlichen Emissionen um 40 bis 50 Millionen Tonnen reduzieren und Investitionen in fossile Erzeugungskapazitäten hinauszögern.

Gleichzeitig stehen Indiens Verteilnetze – die Stromversorgungssysteme für Haushalte, Unternehmen und Industrie – vor anhaltenden Herausforderungen. Dazu gehören Verluste von 15 bis 20 Prozent, Spannungsschwankungen durch die zunehmende Installation von Solaranlagen auf Dächern sowie eine steigende Stromnachfrage in den Abendstunden.

Der Einsatz von Speichern auf Verteilnetzebene kann helfen, diese Probleme zu lösen. So kann kostengünstiger Solarstrom vom Tag gespeichert und während der Spitzenlastzeiten am Abend genutzt werden. Zudem verbessert dies den lokalen Netzausgleich, erhöht die Spannungsstabilität und verringert den Bedarf an kostspieligen Netzausbauten.

Von Demonstrationsprojekten zu skalierbaren Modellen

Indien verfügt derzeit über rund 247 GWh an Energiespeicherkapazität in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Allerdings sind bislang nur etwa 1,2 GWh tatsächlich in Betrieb, und die meisten Projekte konzentrieren sich auf große Netzspeicher. Anwendungen auf Verteilnetzebene sind weiterhin begrenzt.

Das deutsch-indische Projekt „Energiespeicher für die Integration Erneuerbarer Energien“ (StoREin), das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird, schließt diese Lücke durch Demonstrationsprojekte in enger Zusammenarbeit mit Energieversorgern. Bislang wurden Absichtserklärungen mit Versorgungsunternehmen in Gujarat und Delhi unterzeichnet.

Das erste Demonstrationsprojekt umfasst die Installation eines Batterie-Energiespeichersystems (BESS) mit einer Leistung von 12 MW / 25 MWh und netzbildender Wechselrichtertechnologie im Verteilnetz von Delhi. Die Inbetriebnahme ist für 2026 geplant. Das Projekt soll die Emissionen um rund 12.000 tCO₂e reduzieren und gleichzeitig die Kompetenzen des Energieversorgers in den Bereichen Speicherplanung, Beschaffung, Betriebsmanagement und Entwicklung von Geschäftsmodellen stärken.

Aufbau einer einheitlichen Forschungs- und Entwicklungslandschaft

Die Forschungslandschaft für Energiespeicherung in Indien war lange Zeit fragmentiert. Um dem entgegenzuwirken, hat das Projekt das Indian Research & Development Forum for Grid-connected Energy Storage Systems ins Leben gerufen. 

Die Plattform bringt Wissenschaft, Industrie, Regierung und Thinktanks zusammen, um Wissen auszutauschen, Forschung stärker an den Anforderungen der Praxis auszurichten und die großflächige Integration erneuerbarer Energien zu unterstützen.

Das Forum arbeitet außerdem an einer nationalen Roadmap für dezentrale Energiespeicherung und fördert die deutsch-indische Zusammenarbeit durch gemeinsame Forschung und Technologietransfer zu Speicherlösungen der nächsten Generation.

Fachkräfte qualifizieren

Weiterbildung zu Energiespeichersystemen

Indiens wachsender Energiespeichersektor benötigt qualifizierte Fachkräfte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Deshalb führte das Projekt StoREin eine Analyse der Qualifikationslücken durch, die Hersteller, Projektentwickler, Energieversorger, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen umfasste. 

Die Studie identifizierte Defizite in technischen, operativen, finanziellen und managementbezogenen Kompetenzen sowie eine begrenzte Ausbildungsinfrastruktur und hohe Ausbildungskosten.

Um diese Lücken zu schließen, entwickelt das Projekt:

  • zwei berufliche Ausbildungsprogramme;
  • einen akademischen Kurs für Plattformen wie „Study Webs of Active-Learning for Young Aspiring Minds“ und „National Programme on Technology Enhanced Learning“;
  • eine digitale E-Learning-Plattform mit Selbstlernmodulen, Assessments und Kursen, zugeschnitten auf Stromverteilungsunternehmen, den Finanzierungssektor, Fachkräfte für Betrieb und Wartung von BESS-Anlagen, Techniker*innen und akademische Einrichtungen;
  • ein Programm zur Qualifizierung von Lehrkräften sowie zur Ausbildung von Multiplikator*innen , das den Aufbau eines nationalen Pools von rund 25 Trainer*innen zum Ziel hat. 

Das Projekt will insgesamt 1.500 Fachkräfte in den Bereichen Planung, Design, Finanzierung, Umsetzung und Betrieb von Energiespeichersystemen schulen. Auf nationaler Ebene wird erwartet, dass die Kombination aus der digitalen Selbstlernplattform und die Wissensvermittlung durch die Multiplikator*innen indirekt zur Qualifizierung und Sensibilisierung von mehr als 10.000 Fachkräften und Praktiker*innen. beiträgt. 

Wissen bündeln und zur Verfügung stellen

Im Rahmen der Wissensvermittlung hat das IKI-Projekt das Portal Urja Sanchay entwickelt – eine zentrale Plattform für Informationen rund um Energiespeichersysteme in Indien. Sie umfasst interaktive Dashboards, E-Learning-Angebote, Dokumentationen der Forschungsplattform sowie eine digitale Wissensbibliothek mit nationalen und internationalen Materialien.

Das Portal soll künftig vom indischen Ministerium für neue und erneuerbare Energien (MNRE) betrieben werden, um fundierte Entscheidungen rund um Energiespeichersysteme zu unterstützen und institutionelles Wissen zu stärken.

Ausblick

Energiespeicherung ist ein zentraler Baustein für Indiens Energiewende. Durch Demonstrationsprojekte, Forschungskooperationen, Kompetenzaufbau und Wissensplattformen schafft die Internationale Klimaschutzinitiative eine Grundlage für die großflächige Einführung von Energiespeichersystemen. 

Mit der weiteren Unterstützung des MNRE können diese Maßnahmen zu einem nationalen Leitmodell für Energiespeicherung werden und zugleich anderen Ländern als Vorbild für eine resiliente und kohlenstoffarme Energiezukunft dienen. 

Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert

Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org