Wie Kohlenstoffzertifikate klimafreundliches Kühlen voranbringen
Ein Förderprogramm im südlichen Afrika bringt energieeffiziente Klimaanlagen mit natürlichen Kältemitteln auf den Markt – und nutzt Kohlenstoffmärkte, um die Transformation langfristig zu finanzieren.
Die Zahl der Klimaanlagen im südlichen Afrika wird bis 2030 von 5,4 auf etwa 17,7 Millionen steigen – und damit auch die Treibhausgasemissionen in diesem Bereich. Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) setzt bei dieser Entwicklung an und entwickelt für die Region ein Förderprogramm für klima- und umweltfreundliche Klimaanlagen.
Ein Baustein des Projekts „Cooling Programm für das südliche Afrika“ ist es, Klimaanlagen mit natürlichen Kältemitteln am Markt zu etablieren. Die Partnerländer Botsuana und Eswatini erhielten im Dezember 2025 die ersten „grünen“ Klimaanlagen. Diese Geräte wurden vom Projekt finanziert und sollen für Schulungen und zu Demonstrationszwecken genutzt werden.
Dreifacher Nutzen: kostengünstig und klima- und umweltfreundlich
Die neuen Geräte können sowohl zum Kühlen als auch zum Heizen verwendet werden und zeichnen sich durch eine hohe Energieeffizienz aus. Zudem laufen sie mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290). Im Gegensatz zu synthetischen Kältemitteln ist Propan klima- und ozonfreundlich und hat keine gesundheitsschädlichen Abbauprodukte.
Gut zu wissen: Eine energieeffiziente Klimaanlage mit Propan vermeidet bei zehn Jahren Nutzungsdauer bis zu 24,1 t CO2eq. Das entspricht sieben Flügen von Südafrika nach Deutschland und zurück! Oder anders gesagt: In diesem Zeitraum verbraucht die Anlage bis zu 27.100 kWh weniger Strom als ein herkömmliches Gerät – und die Nutzenden sparen mehrere Tausend Euro an Energiekosten.
Ohne qualifizierte Fachkräfte keine grüne Transformation
Propan ist vor allem als Kochgas bekannt; es ist also schnell entzündlich. Installation und Wartung dürfen daher nur von qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden, die die nötigen Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Gut ausgebildete Technikerinnen und Techniker wissen außerdem, wie sie durch die richtige Installation und regelmäßige Wartung Lecks vermeiden und die Energieeffizienz von Klimaanlagen steigern können – unabhängig davon, welches Kältemittel sie verwenden.
Um die korrekte Installation und Instandhaltung der neuen Geräte sicherzustellen, schult das „Cooling Programm" rund hundert Fachkräfte pro Partnerland. Zu den Partnerländern des Projekts gehören neben Botsuana und Eswatini auch Südafrika und Namibia.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Förderung von Technikerinnen – sie werden für die Energiewende dringend gebraucht, erfahren in dem männerdominierten Sektor aber häufig Diskriminierung.
Starthilfe für grüne Klimaanlagen
Bis zum Projektende im Dezember 2027 sollen mehr als zehntausend grüne Klimaanlagen in den Partnerländern importiert und an Endkunden verkauft werden. Die größte Hürde für die Markteinführung ist, dass energieeffiziente Propan-Klimaanlagen in der Anschaffung teurer sind als solche mit synthetischen Kältemitteln. Das liegt daran, dass sie bisher in geringerer Stückzahl produziert werden.
Der höhere Kaufpreis schreckt potenzielle Kundinnen und Kunden ab, obwohl er während der Nutzung durch den niedrigeren Energieverbrauch mehr als kompensiert wird. Das „Cooling Programm“ zahlt den Importunternehmen daher einen Zuschuss, sodass die umweltfreundlichen Geräte zum selben Preis verkauft werden können wie die herkömmlichen.
Upscaling und Nachhaltigkeit: Die Mechanismen von Kohlenstoffmärkten nutzen
Damit die Verkaufszahlen nach Projektende nicht einbrechen, sollen die Zuschüsse zukünftig über Kohlenstoffmärkte finanziert werden. Grundlage hierfür ist Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens.
Die Idee dahinter: Kohlenstoffmärkte sollen den Klimaschutz vorantreiben, indem sie ermöglichen, dass Minderungsmaßnahmen dort stattfinden, wo sie am kostengünstigsten sind. Das „Cooling Programm“ unterstützt die Partnerländer dabei, diese Voraussetzungen zu schaffen, indem es an der Ausarbeitung der Rahmenbedingungen mitwirkt:
Der erste Schritt in Richtung eines funktionierenden Kohlenstoffmarktes ist die Entwicklung nationaler Carbon Market Frameworks, die beschreiben, wie der Kohlenstoffmarkt im jeweiligen Land organisiert wird, und die sicherstellen, dass die eingesparten Emissionen nicht doppelt gezählt werden.
Das Mitigation Action Design Document (MADD) beschreibt die Minderungsmaßnahme, die verkauft werden soll, also in diesem Fall die Umstellung von klimaschädlichen auf klimafreundlichere Klimaanlagen. MADDs liegen bereits für alle vier Partnerländer vor und werden aktuell durch den TÜV validiert. Der Abschluss wird für Juni 2026 erwartet.
Nach erfolgreicher Validierung können die Länder, die Kohlenstoffzertifikate anbieten, mit potenziellen Käuferinnen und Käufern sprechen, etwa mit Unternehmen oder Ländern mit hohem Treibhausgasausstoß. Das Projekt unterstützt seine Partnerländer dabei, Interessenten zu finden und vermittelt Gespräche.
Die Erlöse sollen in Zuschüsse für weitere Geräte oder zusätzliche Maßnahmen für nachhaltige Kühlung investiert werden.
Ausblick: Klimaschutz mit Signalwirkung
Das „Cooling Programm für das südliche Afrika“ zeigt, wie technologische Innovation, Qualifizierung von Fachkräften und internationale Klimafinanzierung zusammenspielen können. Gelingt es, grüne Klimaanlagen dauerhaft über Kohlenstoffmärkte zu finanzieren, entsteht ein skalierbares Modell für nachhaltige Kühlung – mit Nutzen für Klima, Wirtschaft und Gesellschaft weit über die Region hinaus.
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