28.04.2022

Wirtschaftsentwicklung und Klima zusammen betrachten

Bäume von unten mit Blick in den Himmel
Foto: AdobeStock/kvdkz

Makroökonomische Modellierungen der IKI machen den gesamtwirtschaftlichen Nutzen von Anpassungsmaßnahmen sichtbar. 
 

Der Bericht Climate Change 2022 – Impacts, Adaptation and Vulnerability des Weltklimarats (IPCC) zeigt: Eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten ist nur möglich, wenn Klimaanpassung einen höheren Stellenwert in der Langfristplanung der Länder bekommt. Insbesondere müssen wirtschaftliche Entwicklung und Klimaanpassung integriert betrachtet werden. Doch genau diese Verzahnung von Wirtschaftspolitik und Anpassungsmaßnahmen ist noch in zu wenigen Ländern die Norm - mit dem Ergebnis, dass Klimarisiken ihr verheerendes Potenzial weitgehend ungehindert entfalten und vermeidbare wirtschaftliche Schäden verursachen. 

Hier setzt das IKI-Projekt Politikberatung für klimaresiliente Wirtschaftsentwicklung (CRED) an. Makroökonomische Modellierung soll insbesondere dabei helfen, die Informationsgrundlage für politische Entscheidungen zu verbessern. Der größte Nutzen der makroökonomischen Modellierung liegt dabei darin, Synergien darzulegen und eine langfristige Planungsperspektive zu ermöglichen. 

Modellierungsergebnisse können aufzeigen, wie sich die Investition in eine Anpassungsmaßnahme mittel- bis langfristig auf gesamtwirtschaftliche Indikatoren auswirken – zum Beispiel auf das Bruttoinlandsprodukt oder die Beschäftigung des jeweiligen Landes. Klimarisiken und Anpassungsmaßnahmen können so in die nationale Wirtschaftspolitik integriert werden, um klimaresiliente Wirtschaftsentwicklung Realität werden zu lassen. 

Makroökonomische Modellierung im Anpassungspolitikzyklus

Die Publikation Macroeconomic Models for Climate Resilience des IKI-Vorhabens CRED beschreibt den Nutzen makroökonomischer Modellierungen am Beispiel von Anpassungspolitik. 

Der Anpassungspolitikzyklus lässt sich dabei in drei Phasen unterteilen: 

Makroökonomische Modellierung, dargestellt im Anpassungspolitikzyklus. Abbildung: angelehnt an Climate-ADAPT

Die erste Phase legt die Grundlage für makroökonomische Modellierungen. Zunächst ist es wichtig, Bedarfe und politische Mandate für Anpassungsmaßnahmen innerhalb eines Ministeriums zu etablieren. Im besten Fall sollte daraus eine politische Führungsrolle resultieren, die bei der Umsetzung der weiteren Schritte und der Koordinierung zwischen den beteiligten Akteuren hilfreich ist. 

Im nächsten Schritt werden die Klimarisiken und Vulnerabilitäten eines Landes analysiert und ökonomisch bewertet. Dies beinhaltet die Betrachtung zukünftiger Klimaszenarien und die Analyse vergangener sowie aktueller wirtschaftlicher Schäden durch klimabedingte Gefährdungen (climate hazards). So lässt sich abschätzen, wie sich wirtschaftliche Schäden langfristig entwickeln werden. 

Anschließend werden Anpassungsmaßnahmen für die makroökonomische Modellierung identifiziert – das können konkrete Investitionen in klimaresiliente Straßen, Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft, Schutz vor Starkwinden durch Hecken und vieles mehr sein. Da die Analyse sehr datenintensiv ist, sollten hierfür nur die relevantesten Maßnahmen ausgewählt werden. 

Die zweite Phase des Politikzyklus beinhaltet die eigentliche Modellierung, die einen langfristigen Zeitraum von mindestens 30 Jahren abdeckt. Über diesen Zeitraum wird die Entwicklung wirtschaftlicher Schlüsselindikatoren abgebildet, zu denen unter anderem das Bruttoinlandsprodukt, die sektorale Produktivität und die Beschäftigung gehören. 

Um die wirtschaftlichen Auswirkungen einzelner Anpassungsmaßnahmen besser beurteilen zu können, arbeitet die Modellierung mit einem hypothetischen Vergleichsszenario, in dem es keinen Klimawandel gibt. In dieses Vergleichsszenario werden dann zunächst die zuvor analysierten Klimarisiken integriert. So können die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft aufgezeigt werden. 

In einem weiteren Schritt können nun Anpassungsmaßnahmen eingebaut werden. Durch den Vergleich der Szenarien „Klimawandel ohne Anpassung“ und „Klimawandel mit Anpassung“ lassen sich die gesamtwirtschaftlichen Folgen einzelner Anpassungsmaßnahmen abschätzen. 

Beispiele für solche Modellierungen finden sich in Policy Briefs, die durch das CRED-Vorhaben entstanden sind, beispielsweise in den Veröffentlichungen Landwirtschaft in Kasachstan sowie Tourismus und Infrastruktur in Georgien.

In der dritten Phase des Politikzyklus werden die Anpassungsmaßnahmen schließlich, orientiert an den Modellierungsergebnissen, ausgewählt und implementiert. Die erforderlichen Haushaltsentscheidungen werden durch die vorherige Bewertung der ökonomischen Auswirkungen von Anpassungsmaßnahmen unterstützt. Die Modellierungsergebnisse können zudem das Monitoring und die Evaluierung der Anpassungsmaßnahmen verbessern, da sie bereits Indikatoren, wie zum Beispiel die Beschäftigung, zur Bewertung der Maßnahmen bereithalten.

Nutzen und Herausforderungen auf einen Blick

Der größte Nutzen makroökonomischer Modellierungen liegt auf der Hand: die ökonomischen Auswirkungen von Klimarisiken sowie Anpassungsmaßnahmen werden sichtbar gemacht und können in die nationale Wirtschaftspolitik Eingang finden. Zudem ermöglichen makroökonomische Modelle umfassende Risikoanalysen, wodurch die sozialen und ökonomischen Auswirkungen klimatischer Risiken besser erfasst werden. 

Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass nicht unmittelbar ökonomische Auswirkungen des Klimawandels in der Regel nicht mit dem Modell darstellbar sind (zum Beispiel das Aussterben einer bestimmten Tierspezies). Eine weitere Schwierigkeit makroökonomischer Modellierungen ergibt sich aus der hohen Datenintensität; es werden umfassende Daten zu wirtschaftlichen Indikatoren, Klimarisiken und -schäden sowie Kosten-Nutzen-Analysen zu geplanten Anpassungsmaßnahmen benötigt. 

Trotz der Herausforderungen makroökonomischer Modellierungen ist es wichtig anzuerkennen, dass eine große Stärke dieses Ansatzes darin liegt, die Modelle kontinuierlich weiterzuentwickeln: So sind Ökonominnen und Ökonomen mit Wirtschaft und Wissenschaft sowie Entscheidungstragenden der Regierung in ständigem Austausch darüber, welche die effektivsten Anpassungsansätze für eine resiliente Wirtschaft sind. 

Diese Dialogprozesse sind ebenso wichtig wie die Modellierungsergebnisse, denn: Sie tragen dazu bei, ein „Zusammendenken“ von Klima und Wirtschaft zu fördern. 

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