16.05.2023

Zehn Jahre Entwicklung und Durchführung von Plänen zur Finanzierung der Biodiversität

Mit Wäldern bedeckte Berglandschaft im Sonnenuntergang

Die Biodiversitätsfinanzierungsinitiative (BIOFIN) feiert zehn Jahre Arbeit und Erfolge.

Anlässlich der Weltnaturkonferenz (CBD COP 15) 2022 in Montreal feierte die von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützte Biodiversitätsfinanzierungsinitiative (BIOFIN) ihr zehnjähriges Bestehen, und blickte auf die Arbeit und ihre Erfolge seit ihrer Gründung im Jahr 2012 zurück.

Eine neue Methode für nationale Pläne zur Finanzierung der Biodiversität

Ein wesentlicher Grund für die mangelnden Fortschritte beim Erhalt der Ökosysteme weltweit ist eine große Lücke in den verfügbaren Finanzmitteln, die auf 598 bis 824 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt wird.

Die vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) verwaltete und von der IKI unterstützte Biodiversitätsfinanzierungsinitiative (BIOFIN) wurde 2012 ins Leben gerufen. Sie ermöglicht es Ländern, unter Einsatz aller möglichen Quellen auf nationaler Ebene umfassende Finanzierungsstrategien zu entwickeln.

Um den Erfolg von Finanzierungsstrategien zu gewährleisten, müssen diese durch eine solide Basis aus Informationen über die biodiversitätsfördernden Ausgaben eines Landes quer über die gesamte Wirtschaft untermauert werden. Dazu gehört auch eine Analyse von Anreizen, die sich negativ auf die Natur auswirken könnten sowie eine Schätzung des Finanzbedarfs für alle nationalen Biodiversitätsziele.

Dies geht aus dem BIOFIN Workbook aus dem Jahr 2018 hervor, das auf Pilotprojekten in 30 Ländern beruht. Das Workbook beinhaltet außerdem: eine Überprüfung der Politik und Institutionen im Bereich der Biodiversitätsfinanzierung, eine Überprüfung der Ausgaben für die Biodiversität, die Bewertung des Finanzbedarfs, den Plan zur Finanzierung der Biodiversität sowie den abschließenden Schritt zur Durchführung des Plans zur Finanzierung der Biodiversität und seiner Lösungsansätze.

Ein Menü aus mehr als 150 Optionen zur Finanzierung der Natur

Um den beteiligten Ländern die Möglichkeit zu geben, die Optionen auszuwählen, die sie in ihre Pläne zur Finanzierung der Biodiversität aufnehmen möchten, wurde der Katalog mit Lösungsansätzen zur Finanzierung der Biodiversität entwickelt. Er basiert auf einer globalen Analyse bestehender Lösungsansätze zur Finanzierung. Er listet mehr als 150 individuelle Optionen auf, welche die Länder verfolgen könnten. Die BIOFIN setzt diesen Katalog als zentrales Instrument in ihrem Prozess (Lösungsansätze zur Finanzierung ermitteln, gestalten und durchführen) ein.

Ein neues e-Learning-Modul

Seit 2019 haben sich mehr als 5000 Personen für das e-Learning-Modul (EN, FR, ES, RUS) zum Selbststudium angemeldet, in dem die gesamte Methodik der BIOFIN erläutert wird. Es steht allen Interessierten frei zur Verfügung.

Erste Finanzierungsergebnisse

Seit 2019 konzentrieren sich die teilnehmenden Länder im Wesentlichen auf die Durchführung ihrer Pläne zur Finanzierung der Biodiversität. Die Durchführung auf nationaler Ebene befindet sich in den 41 teilnehmenden Ländern in verschiedenen Stadien.

Philippinen

Auf den Philippinen half die BIOFIN dabei, eine Lücke in der Gesetzgebung für Schutzgebiete zu schließen (2018) und unterstützte die Ausarbeitung eines Antrags auf Haushaltsmittel in Höhe von 40 Millionen US-Dollar für Schutzgebiete. Dieser Antrag wurde Ende 2019 für die Haushaltsmittel 2020-2 angenommen. Gemeinsam mit der Zahlungsplattform GCash/Alipay wurde eine neue App „GCash Forest“ eingeführt, die Anreize für nachhaltiges Verhalten mit Zahlungen für das Pflanzen von Bäumen kombiniert. In einem Jahr wurden so mehr als 500.000 US-Dollar gesammelt, und in Kooperation mit nationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bereits eine Million Bäume gepflanzt.

Sri Lanka

Sri Lanka hat 2019 eine von der Zentralbank des Landes geleitete Richtlinie für einen nachhaltigen Finanzsektor sowie ein neues Zertifizierungssystem für nachhaltigen Tourismus verabschiedet.

Indonesien

Indonesien hat mithilfe einer Finanzierung über Sukuks (islamisches Finanzprodukt, vergleichbar mit Anleihen bzw. Bonds) Investitionen in Höhe von 2,7 Millionen US-Dollar für die Sicherung eines Vogelschutzzentrums auf den Molukken, einer indonesischen Inselgruppe, bereitgestellt.

Thailand

In Thailand hat die Insel Koh Tao seit April 2022 eine neue Gebühr für den Besuch der Insel eingeführt, die rund 200.000 US-Dollar pro Jahr für die Wiederherstellung von Korallenriffen und die Abfallbewirtschaftung einbringen könnte.

Kasachstan

In Kasachstan wurden 2017 und 2021 offiziell neue Rechtsvorschriften für mehrere Finanzierungslösungsansätze verabschiedet. Diese umfassen unter anderem eine Definition für Ökosystemleistungen und natürliches Kapital und erstmalig Gesetze über Kompensationen für die Biodiversität und Zahlungen für Ökosystemleistungen sowie ein verbessertes Gesetz für Schutzgebiete. In Georgien hat das Umweltministerium eine Erhöhung der Haushaltsmittel für den Biodiversitätserhalt von 30.000 US-Dollar auf 270.000 US-Dollar vorgesehen, nachdem es bessere Investitionsmöglichkeiten ausgearbeitet hatte.

Guatemala

In Guatemala haben fünf Küstengemeinden die verfügbaren Mittel für den Biodiversitätserhalt im Meer und in den Küstenregionen sowie deren Bewirtschaftung von 2018 bis 2019 auf mehr als 50 Prozent erhöht. Möglich wurde dies durch eine ergebnisorientierte Planung der Haushaltsmittel.

Mexiko

Mexiko hat erfolgreich zwei große Umweltfonds neu gestaltet: einen nationalen Klimafonds (der zuvor nicht einsatzfähig und nicht auf die Biodiversität ausgerichtet war), der seitdem einen Umsatz von mehr als drei Millionen US-Dollar erzielte, von denen zwei Millionen US-Dollar in naturbasierte Lösungsansätze für die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen geflossen sind, und einen Grünen Fonds für Mexiko-Stadt. Dieser führte durch die von der BIOFIN ermittelten Effizienzgewinne und eine stärkere Ausrichtung auf die Biodiversität zu einer Einsparung von drei Millionen US-Dollar pro Jahr.

Costa Rica

Eine vom Vizepräsidenten geleitete Crowdfunding-Kampagne in Costa Rica brachte 1,7 Millionen US-Dollar von öffentlichen und privaten Organisationen und Einzelpersonen für die Aufforstung von Wäldern ein.

Sambia

Sambia hat Anfang 2020 einen nationalen Rahmen für grüne Anleihen erlassen und erfolgreich ein Hindernis für Investitionen in den Naturschutz beseitigt, indem die Investitionsschwelle zur Qualifizierung von grünen Anreizen Ende 2021 von 500.000 US-Dollar auf 50.000 US-Dollar gesenkt wurde.

Botswana

Botswana führte ein neues Gebührensystem für seine Schutzgebiete ein, das die Einnahmen pro Jahr voraussichtlich um eine Million US-Dollar steigern wird.

Ausweitung

Irland war das erste westeuropäische Land, das die Methodik der BIOFIN durchgeführt und die Überprüfung der Politik, Institutionen und Ausgaben im Bereich der Biodiversität abgeschlossen hat. Schweden startete mit der Methodik der BIOFIN im Jahr 2022. Die Globale Umweltfazilität (GEF) hat ein neues Programm initiiert, das es allen GEF-berechtigten Ländern ermöglicht, in den kommenden Jahren ihre nationalen Pläne zur Finanzierung der Biodiversität zu erstellen. Mehr als 90 Länder haben sich angemeldet. Das Kernprogramm der BIOFIN wurde vor kurzem erweitert und wird nun bis Ende 2027 laufen.

Hochrangige Veranstaltung im Rahmen der CBD COP 15 in Montreal

Steffi Lemke sitzt an einem Tisch
Bundesumweltministerin Steffi Lemke war zu Gast beim Jubiläumsevent der BIOFIN-Initiative auf der CBD COP 15 in Montreal.

Die BIOFIN feierte im Rahmen der CBD COP 15 in Montreal gemeinsam mit hochrangigen Delegierten sowie Partnerinnen und Partnern aus der ganzen Welt ihr zehnjähriges Bestehen.

Die ebenfalls anwesende Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Steffi Lemke, sagte: „Die BIOFIN steht für einen international anerkannten Lösungsansatz, der es den Ländern ermöglichen soll, Finanzierungslücken zu analysieren, Lösungsansätze zu ermitteln und anschließend daran zu gehen, ihre Pläne zur Finanzierung der Biodiversität durchzuführen.“

Dies wurde von Philda Nani Kereng, Ministerin für Umwelt, den Erhalt natürlicher Ressourcen und Tourismus, Botswana, bestätigt: „Die BIOFIN hat uns dabei geholfen, eine Strategie zu finden, Lücken zu ermitteln und den Biodiversitätsplan zu entwickeln. Dabei sind wir bei der Überprüfung der Parkgebühren auf interessante Lösungsansätze gestoßen.“ Eine kürzlich durchgeführte Aktualisierung der Gebühren für Schutzgebiete, die von der BIOFIN unterstützt wurde, wird die verfügbaren Einnahmen für das Land erheblich steigern.

Dies wurde auch von Orlando Habet, Minister für nachhaltige Entwicklung, und Kenrick Williams, Generaldirektor im Ministerium für nachhaltige Entwicklung, Klimawandel und Katastrophenmanagement, Belize, bekräftigt. Beide legten dar, wie die BIOFIN dazu beigetragen hat, die Arbeit des Landes im Bereich der Biodiversität neu zu gestalten: „Wir sind von dem Gedanken ausgegangen, dass der Aufbau einer institutionellen Struktur einen wichtigen Bestandteil in der Zusammenarbeit mit der BIOFIN darstellt. Daraus ist dann das im Jahr 2020 gegründete nationale Büro für Biodiversität hervorgegangen. Damit konnten wir viele einzigartige Lösungsansätze zur Finanzierung der Biodiversität einführen, wie zum Beispiel Abkommen mit NGOs und anderen Partnerinnen und Partnern für ein gemeinsames Management von Schutzgebieten, um die Natur zu schützen und die Fortschritte nachzuverfolgen.“

Ein besonderer Höhepunkt der abschließenden Diskussionsrunde war die Ankündigung einer Zusage von Norwegen, für 2023 vier Millionen US-Dollar bereitzustellen, verbunden mit der Option, in den Jahren 2024 und 2025 vergleichbare Beiträge zu leisten.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

Videos zum Projekt

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Bau einer Pipeline in Kolumbien; Foto: Christian Roman

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Hirten in der Mongolei; Foto: James Maiden/UN

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