07.05.2026

Digitale Partizipation für besseren Klimaschutz in indischen Städten

Eine Gruppe von etwa 25 Personen bei einem Gemeindefest in der indischen Stadt Visakhapatnam.

Die Internationale Klimaschutzinitiative zeigt in Visakhapatnam, wie wirksame Lösungen für Klimagefahren entstehen können, wenn Menschen und Technologie zusammenwirken.

Die globalen Temperaturen lagen im Jahr 2024 im Mittel um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Vergleichswert im vorindustriellen Zeitalter. Die daraus folgenden Klimarisiken wirken sich oftmals besonders stark auf Städte aus. Umso wichtiger ist es, für sie innovative Lösungen zu finden. An diesem Punkt setzt das Projekt „Transformativer Klimaschutz durch partizipative und daten-basierte Entscheidungsplattformen“ (T‑CAP) an, das über das Medium-Grants-Programm der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird.

Die Beteiligten haben dabei ein neuartiges Rahmenwerk für partizipative und lokal passende Klimaschutzmaßnahmen entwickelt, das auf digitale Kanäle und Methoden setzt. Erprobt wurde das Rahmenwerk durch die Einrichtung eines sogenannten Urban Living Lab (ULL) in Visakhapatnam – von den Bürger*innenn kurz V‑PULL für „Visakhapatnam Prajamukhi Urban Living Lab“ genannt.  

Ausgehend von der Simulation einer Überflutung haben die beteiligten Akteur*innen das Rahmenwerk dabei beispielhaft angewendet. Eingebettet in die kommunale Verwaltungsstruktur der Stadt kamen im Lab digitale Werkzeuge, Bürgerbeteiligung und institutionelle Kooperation zum Einsatz. So konnten in Echtzeit Reaktionen auf die Klimagefahr entstehen, die den Gegebenheiten vor Ort gerecht werden.

Das Projekt wurde dafür gemeinsam von einem Konsortium aus gemeinnützigen und staatlichen Organisationen in Partnerschaft mit der Greater Visakhapatnam Municipal Corporation (GVMC) sowie mit Gemeinschaftsgruppen, akademischen Einrichtungen, Freiwilligen, Innovatoren aus dem Privatsektor und kommunalen Verwaltungseinheiten umgesetzt.  

Bewohner, Freiwillige und Projektteammitglieder mit Aufklärungspostern während eines Gemeindefests in der Stadt Visakhapatnam im Februar 2025.
Bewohner, Freiwillige und Projektteammitglieder mit Aufklärungspostern während eines Gemeindefests in Visakhapatnam im Februar 2025.

Bedürfnisse der Gemeinschaft, dynamische Daten und institutionelle Reaktionen

Immer öfter und deutlicher sind (mittelgroße) Städte den Auswirkungen des Klimawandels – wie Hitzewellen und Überschwemmungen – ausgesetzt. Insbesondere Frauen, Menschen mit Behinderungen und die Bewohner*innen informeller Siedlungen spüren diese stark. Traditionelle, hierarchisch aufgebaute Hilfsmodelle haben Schwierigkeiten, die Kluft zwischen den Bedürfnissen der Gemeinschaft, dynamischen Entwicklungen und den Handlungsmöglichkeiten der Institutionen vor Ort zu schließen. T‑CAP liefert hierfür einen neuen Ansatz, bei dem Gemeinschaften die notwendigen Maßnahmen gegen Klimawandelfolgen erarbeiten, die dann mit Hilfe von Technologie beschleunigt und letztlich durch die Regierung in bürgerzentrierte Lösungen überführt werden.

Dafür hat T-Cap einen Ablaufplan entwickelt, der den Bürger*innen ermöglicht, Probleme zu identifizieren, Interventionen gemeinsam zu gestalten und Lösungen zu prüfen. Durch Sitzungen auf Bezirksebene in der Landessprache, aber auch mit Workshops mit besonders gefährdeten Frauengruppen sowie mit Schulungen für Freiwillige und akademischen Partnerschaften sorgt T‑CAP zudem dafür, dass die Menschen vor Ort diese Lösungen wirklich annehmen und sich zu Eigen machen.

Digitale Werkzeuge für Klimaschutz

Im Rahmen von T‑CAP wurden mehrere digitale Lösungen gemeinschaftlich entwickelt:

  • Kartierung von Überschwemmungsrisiken, in der mehr als 20 Indikatoren integriert sind
  • Bestimmung von Aufforstungszonen, um den Wasserabfluss durch naturbasierte Lösungen zu verringern
  • Entwicklung der V‑PULL-Mobile-App, die Mitarbeiter der Bezirke befähigt, Auswirkungen und Schwachstellen der Infrastruktur anhand von Rückmeldungen aus der Gemeinschaft zu erfassen
  • Angebot der V‑PULL‑Website, die Echtzeitübersichten, Wissen und transparente Kanäle für die Interaktion zwischen Bürgern und der Verwaltung bereitstellt
Rund 35 Menschen stehen in einem Raum bei einem Workshop zum Kapazitätsaufbau für partizipativen Klimaschutz mit Regierungsvertretern aus 12 indischen Städten.
Workshop zum Kapazitätsaufbau für partizipativen Klimaschutz mit Regierungsvertretern aus 12 indischen Städten im Rahmen der Skalierung von T‑CAP im Februar 2025.

Dynamik im ganzen Land entwickeln

Ein nationaler Workshop, eine digitale Kampagne, eine Befragung mit mehr als 800 Teilnehmenden in 50 Städten und ein nationaler Runder Tisch haben das Modell in der Folge erweitert und Indien-weit ausgerollt. Die Ergebnisse flossen in einen nationalen Beirat, drei Schulungshandbücher und einen offenen Onlinekurs (MOOC) ein, der anderen Städten die Nachahmung – oder regionale Anpassung – des Ansatzes ermöglicht. Die Vorteile:

  • Gemeinschaftlich gesteuerte, digital unterstützte Klimaschutzmaßnahmen stärken die Resilienz, insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen
  • Lokal geführte Innovationen führen zu passenden und gut verankerten Lösungen, die über die Zeit hinweg nachhaltiger sind
  • Digitale Transparenz schafft Vertrauen, beschleunigt Präventionsmaßnahmen und stärkt die Anpassungsfähigkeit

Im Kern zeigt das Projekt, dass die Zukunft der Politik zur Klimaanpassung in partizipativen digitalen Ökosystemen liegt, nicht in isolierten Technologien oder nur von oben nach unten gerichteten Maßnahmen. 

Entstanden ist ein skalierbares Modell für Städte des Globalen Südens, die sich in einer Zeit beschleunigter Klimaveränderungen zu gerechten, resilienten und menschenzentrierten Orten entwickeln wollen.

12 Freiwillige werden in einem kleinen Raum mit gelben Wänden während der Pilotphase des Urban Living Lab in Visakhapatnam geschult.
Kapazitätsaufbau mit Freiwilligen aus der Gemeinschaft während der Pilotphase des Urban Living Lab in Visakhapatnam im Juli 2024.

Weitreichende Aufmerksamkeit und Anerkennung für das Projekt

Am Ende des Projekts hat die GVMC den V‑PULL‑Ansatz noch einmal weiterentwickelt, indem sie zusätzliche Anwendungsfälle pilotierte. Mit Erfolg. Die GVMC reichte V‑PULL als ein „Modell zur Transformation des urbanen Klimaschutzes im Globalen Süden“ beim Bloomberg Foundation Global Mayors Challenge 2026 ein. Das Projekt wurde im Februar 2026 aus 630 teilnehmenden Städten zu einem der 24 Sieger weltweit erklärt und erhielt damit globale Anerkennung sowie finanzielle Mittel. 

Damit wird die Wirkungsgeschichte von T-CAP in Visakhapatnam fortgeschrieben: Klimaschutz wird durch Partizipation und Digitalisierung vorangetrieben und dient Städten weltweit als Inspiration.

Über die IKI Medium Grants

Mit dem IKI-Medium-Grants-Förderinstrument, das von der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH umgesetzt wird, fördert die Bundesregierung Projekte zum Schutz des Klimas und der Biodiversität, die gezielt kleinere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure in Entwicklungs- und Schwellenländern einbeziehen.
Zusammen mit den IKI Large Grants und den IKI Small Grants vervollständigen die IKI Medium Grants das wettbewerbliche Förderinstrument IKI Compete.

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