19.06.2026

Drei Jahre UN-Hochseeschutzabkommen: vom Verhandlungserfolg zur Umsetzung auf der Hohen See

Großer Walhai schwimmt im offenen Meer neben einer Gruppe kleinerer Fische
Der Walhai ist der größte Fisch in den Ozeanen. Er ist mit den Walen ist er nicht verwandt..

Der Schutz der Hohen See ist ein wichtiger Beitrag, um die planetaren Krisen zu bekämpfen. Die IKI unterstützt deshalb das UN-Hochseeabkommen mit ihren Projekten.

Nach vielen Jahren der Verhandlungen verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen am 19. Juni 2023 das Abkommen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in Meeresgebieten außerhalb nationaler Hoheitsbefugnisse, kurz UN-Hochseeschutzabkommen oder BBNJ-Abkommen (Biodiversity Beyond National Jurisdiction, BBNJ). Vor drei Jahren wurde damit erstmals die Möglichkeit geschaffen, flächendeckend Meeresschutzgebiete auf der Hohen See auszuweisen und dadurch die biologische Vielfalt in hoheitsfreien Gewässern (Areas Beyond National Jurisdiction, ABNJ) besser zu schützen und nachhaltig zu nutzen. 

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Hohen See ist essenziell

Der Große Tümmler ist noch nicht gefährdet, doch auch hier droht ein Rückgang der Population.

Die Hohe See umfasst etwa die Hälfte der Erdoberfläche und beherbergt einzigartige Lebensräume, Arten und Ökosysteme. Diese spielen nicht nur eine wichtige Rolle für die Klimaregulierung, sondern tragen auch maßgeblich zur globalen Ernährungssicherheit bei und beeinflussen wichtige Prozesse im globalen Ozean. Gleichzeitig sind diese Gebiete jedoch zunehmend von Übernutzung, Verschmutzung und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.

Das BBNJ-Abkommen schafft erstmals detaillierte gemeinsame Umweltregeln für den Schutz und die nachhaltige Nutzung dieser Gebiete und ist ein Umsetzungsabkommen des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (United Nations Convention on the Law of the Sea, UNCLOS). Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Handlungsfelder:

  1.  Marine genetische Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich;
  2.  Gebietsbezogene Schutzmaßnahmen einschließlich Meeresschutzgebieten;
  3. Umweltverträglichkeitsprüfungen;
  4. Kapazitätsaufbau und Technologietransfer. 

Damit bildet das Abkommen auch eine wichtige Grundlage für die Umsetzung des Ziels des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal (Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, GBF) bis 2030 mindestens 30 Prozent der Meeresflächen weltweit wirksam zu schützen.

Internationale Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung

Buckelwale durch Zusammenstöße mit Schiffen, Meeresverschmutzung, die Klimakrise und industriellen Lärm bedroht. Immer wieder geraten die Tiere in Fischernetze.

Neben diesen vier Handlungsfeldern misst das BBNJ-Abkommen auch der internationalen Zusammenarbeit eine zentrale Bedeutung bei. Die Vertragsstaaten sind verpflichtet, bei der Umsetzung des Abkommens eng zusammenzuarbeiten und die Kooperation mit bestehenden internationalen und regionalen Organisationen, Abkommen und Gremien zu stärken. Ziel ist es, den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt auf der Hohen See besser mit bestehenden sektoralen und regionalen Governance-Strukturen, etwa im Bereich Fischerei, Schifffahrt oder regionaler Meeresabkommen, zu verzahnen und Synergien zu schaffen.

Das BBNJ-Abkommen ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der dreifachen planetaren Krise aus Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung und unterstützt die Erreichung internationaler Ziele für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, insbesondere das Nachhaltigkeitsziel 14 der Agenda 2030. Nach mehr als 15 Jahren Verhandlungen gilt das Abkommen als einer der bedeutendsten Fortschritte im internationalen Meeresschutz seit dem Inkrafttreten von UNCLOS.

Anfang 2026 konnte das BBNJ-Abkommen nach der nötigen Mindestanzahl an Ratifizierungen (60 Mitgliedsstaaten) endlich rechtsverbindlich in Kraft treten und damit ein wichtiger Meilenstein erreicht werden. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, müssen die Vertragsstaaten nun gemeinsam die institutionellen Strukturen des Abkommens aufbauen und die Voraussetzungen für die praktische Anwendung seiner Instrumente schaffen. 

Mit der IKI von regionalen Ansätzen zur Umsetzung des BBNJ- Abkommens

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) begleitet die Prozesse zum Abkommen bereits seit vielen Jahren. Mit dem Projekt „STRONG High Seas“ unterstützte die IKI von 2017 bis 2022 die Entwicklung regionaler Ansätze für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Meeresgebieten außerhalb nationaler Hoheitsbefugnisse. Gemeinsam mit regionalen Partnerorganisationen im Südostatlantik und Südostpazifik wurden wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet, regionale Dialogplattformen aufgebaut und Empfehlungen für die Ausgestaltung des BBNJ-Abkommens entwickelt. Die gewonnenen Erfahrungen flossen in die internationalen Diskussionen zur zukünftigen Governance der Hohen See ein.

Der Bestand nahezu aller Hochseehaie ist rückläufig. Deshalb sind Schutzgebiete in diesen Gebieten für sie besonders wichtig.

Seit 2025 trägt das IKI-Projekt „Lebendige Hochsee: Partnerschaften für die Biodiversität der Ozeane“ maßgeblich zur Umsetzung des BBNJ-Abkommen bei und unterstützt Partnerländer dabei, die Umsetzung des BBNJ-Abkommens anzugehen. Gemeinsam mit Partnerländern in Atlantik, Indischem und Pazifischem Ozean werden wissenschaftlich fundierte Vorschläge für Schutz- und Gebietsmanagementmaßnahmen auf der Hohen See entwickelt, Kapazitäten gestärkt sowie der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Staaten, regionalen Organisationen und internationalen Institutionen gefördert. Damit leistet das Projekt auch einen wichtigen Beitrag zur internationalen Kooperation und zur Schaffung kohärenter Governance-Strukturen für den Schutz der biologischen Vielfalt auf der Hohen See.

Drei Jahre nach seiner Verabschiedung steht das BBNJ-Abkommen damit nicht mehr nur für einen historischen Erfolg des Multilateralismus. Mit seinem Inkrafttreten und den ersten Schritten zur Umsetzung beginnt eine neue Phase des internationalen Meeresschutzes und eine wichtige Chance, die biologische Vielfalt der Hohen See für kommende Generationen zu bewahren. Die IKI steuert weiterhin tatkräftig bei, um dieses wichtige Ziel zu erreichen.

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