28.07.2022

Erste Biosphärenreservate in Georgien anerkannt

Die IKI hatte die Planungen des Biosphärenreservats „Three Alazani Rivers“ unterstützt.

Auf der 34. Tagung des Internationalen UNESCO Koordinierungsrates des Programms „Man and Biosphere“ (MAB) im Juni in Paris wurden die beiden ostgeorgischen Reservate Dedoplistskaro und Three Alazani Rivers offiziell als Biosphärenreservate anerkannt. Die Biosphärenreservate sind damit die ersten des Landes und im Südkaukasus. 

Neben dem Klimawandel gehören der Schutz und der Erhalt der biologischen Vielfalt der Erde zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon heute im Südkaukasus und in Georgien zu verzeichnen: Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur im westlichen Georgien hat sich verringert, im östlichen Teil hat sie sich erhöht. Gleichzeitig hat in den bergigen Gebieten Georgiens die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge abgenommen.

Wissenschaftlichen Prognosen zufolge wird sich die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur landesweit weiter erhöhen und die Dauer von Hitzewellen weiter ausdehnen. In den Sommermonaten und im Osten des Landes ist die Anfälligkeit für klimawandelbedingte Negativ-Entwicklungen in Zukunft besonders groß. Die Anpassung an den Klimawandel ist daher ein wichtiger Schwerpunkt in der Region. 

Der Kaukasus weist einen hohen Grad an Biodiversität auf, aber eine Vielzahl an Arten und Ökosystemen der Region sind bedroht. Umweltbedingte Herausforderungen entstehen durch Bodendegradation, illegalen Holzeinschlag und regionalen Wassermangel, wobei die Desertifikation in Georgien als anhaltendes Problem anerkannt wird. Insbesondere der Agrarsektor, der die Haupteinnahmequelle die Landbevölkerung in Georgien ist, gilt als anfällig für den Klimawandel, denn: Überweidung und Degradation landwirtschaftlicher Flächen tragen zu einer nicht-nachhaltigen Entwicklung bei. 

Bewerbung als Biosphärenreservat 

Das Vorhaben „Capacity Development für Klimapolitik in den Ländern Südost-, Osteuropas, des Südkaukasus und Zentralasiens, Phase III“ der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) hat die georgische Regierung bei ihrer Planung zur Einrichtung eines Biosphärenreservats unterstützt. Dabei baute es auf intensiven und ausführlichen Vorarbeiten der Michael Succow Stiftung, die im Jahre 2015 gestartet waren, auf. Das Bundesumweltministerium (BMUV) fördert die Arbeiten zum Aufbau eines Biosphärenreservats in Kachetien bereits seit vielen Jahren. 

Ein EU-finanziertes Projekt arbeitete parallel an der Konzeptionierung eines weiteren Biosphärenreservats in Vashlovani. Beide geplanten Biosphärenreservate liegen nah beieinander und sind durch den seit Jahrhunderten bestehenden Transhumanz-Migrationskorridor verbunden. 

Enge Zusammenarbeit in der Region

Die enge Koordination beider Projekte ermöglichte die Planung der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen den beiden Biosphärenreservaten, insbesondere in Bezug auf das Management des Wandertierkorridors. Zusätzlich zu einem Netz von Schutzgebieten umfassen die beiden Biosphärenreservate in Kachetien und Vashlovani Winter- und Sommerweiden für das Vieh, das saisonal zwischen den beiden Gebieten im Norden und im Süden wandert. In Kachetien wird diese Art der Wandertierhaltung seit Jahrhunderten praktiziert und hat die einzigartige Landschaft beeinflusst und geformt. 

Anfang Dezember 2020 fand auf Initiative des georgischen Ministeriums für Naturschutz und Landwirtschaft ein hochrangiger Austausch zu den geplanten Biosphärenreservaten in der Region Kachetien zwischen den Akteuren statt. Teilnehmende dieses Austausches waren Vertreterinnen und Vertreter

  • der Regierungen aus Georgien und Deutschland,
  • von Durchführungsorganisationen,
  • von NGOs,
  • aus den georgischen Regionen
  • sowie internationale Fachleute aus dem Bereich Biosphärenreservaten.

Das sehr hohe Interesse und die Motivation der Teilnehmenden verdeutlichte, wie wichtig es ist, alle betroffenen Stakeholder in den Antragsprozess einzubeziehen, um auch darüber hinaus das Biosphärenreservat lokal und regional nachhaltig zu verankern.

Mit der Anerkennung der ersten beiden georgischen Biosphärenreservate durch die UNESCO ist nun der Weg frei für einen integrierten Ansatz, der den Erhalt der Arten und kulturellen Vielfalt ebenso berücksichtigt wie eine wirtschaftliche, soziokulturelle und ökologisch nachhaltige Entwicklung sowie die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. 

Hintergrund: Modellregionen für nachhaltige Entwicklung

UNESCO-Biosphärenreservate sind weltweit Modellregionen für nachhaltige Entwicklung, die es ermöglichen, praktische Ansätze zum Schutz der Biodiversität und zur Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels zu erarbeiten. Das angestrebte integrierte Management fördert die regionale Einbindung sozialer, ökonomischer und ökologischer Interessen sowie der kulturellen Identität. Somit können Biosphärenreservate in Georgien zum Erhalt der Artenvielfalt, der Ökosysteme und auch der alten Kulturlandschaften beitragen. Heute erstreckt sich das globale Netz der Biosphärenreservate über 738 Biosphärenreservate in 134 Ländern. Weltweit leben mehr als 250 Millionen Menschen in Biosphärenreservaten.

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