Karibische Initiative erhält UN-Preis für naturbasierte Lösungen zur Klimaanpassung
Die EbA Facility, die von der IKI gefördert wird, wurde für ihren naturbasierten Ansatz ausgezeichnet.
Die Ecosystem-based Adaptation (EbA) Facility hat den Partnerschaftspreis der Vereinten Nationen für Kleine Inselentwicklungsländer (SIDS) 2025 in der Kategorie Umwelt gewonnen. Ausgezeichnet wurde ihre wegweisende Arbeit zur Unterstützung karibischer Gemeinschaften bei der Anpassung an den Klimawandel.
Die EbA Facility wurde aus Partnerschaften weltweit ausgewählt – aufgrund ihrer messbaren Wirkung, Innovationskraft und ihres Potenzials zur Übertragbarkeit auf andere kleine Inselentwicklungsländer. Die Facility wird durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) der Bundesregierung gefördert und von der KfW Entwicklungsbank in Zusammenarbeit mit dem Caribbean Biodiversity Fund umgesetzt.
Ein übertragbares Modell
Der UN-SIDS-Partnerschaftspreis würdigt die EbA Facility nicht nur für ihre bisherigen Erfolge, sondern auch als übertragbares Modell für die Finanzierung von Klimaanpassung. Zu den zentralen Erfolgsfaktoren zählen:
- Lokale Führung in Kombination mit fachlicher technischer Unterstützung
- Wettbewerbsbasierte Fördermechanismen, die Innovation fördern und zugleich Netzwerke stärken
- Langfristige Finanzierungszeiträume (bis 2030), die strategische Planung ermöglichen
- Ko-Finanzierungsanforderungen zur Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen
- Systematisches Monitoring zur Förderung von Lernen und adaptivem Management
Angesichts zunehmender Klimarisiken für kleine Inselentwicklungsländer weltweit bietet die EbA Facility einen bewährten Ansatz, um naturbasierte Lösungen zu nutzen, lokale Gemeinschaften zu stärken, Innovationen durch Zusammenarbeit zu fördern und langfristiges Engagement für tiefgreifende Veränderungen sicherzustellen.
Mit einer derzeit laufenden fünften Ausschreibungsrunde erweitert die EbA Facility zudem ihre Reichweite in der Karibik und zeigt, dass Investitionen in die Natur zugleich Investitionen in widerstandsfähige Zukunftsperspektiven sind.
Naturbasierte Lösungen in großem Maßstab
Seit 2016 hat die EbA Facility über 45 Millionen US-Dollar für 34 Projekte in 14 karibischen Ländern bereitgestellt. Dies führte unter anderem zu:
- Über 60.000 Hektar verbesserter oder besser geschützter Küsten- und Meeresökosysteme
- Mehr als 36.000 Menschen, die direkt profitierten, darunter über 16.000 Frauen
- 6,4 Millionen US-Dollar an Ko-Finanzierung, die durch Projektträger mobilisiert wurden
- Wegweisenden Innovationen in der Wiederherstellung von Korallen- und Mangrovn-Ökosystemen.
Die Facility zeigt, wie gezielte Investitionen in die Gesundheit von Ökosystemen gleichzeitig Klimaanpassung, Biodiversitätsschutz und nachhaltige Lebensgrundlagen fördern können – das sind zentrale Prioritäten der IKI.
Karibische Innovation mit globalem Potenzial
Die durch die EbA Facility geförderten Projekte entwickeln innovative Methoden, die den Meeresschutz in der Karibik neu gestalten. In der Dominikanischen Republik wurden KI-gestützte Korallenaufzuchtanlagen aufgebaut. Methoden der Korallenvermehrung wurden bereits im Rahmen von Peer-to-Peer-Lernprozessen von der Dominikanischen Republik nach Kuba übertragen, wo Partner einen nationalen Korallenlaich-Kalender entwickelten.
Jamaika treibt kosteneffiziente „silvikulturelle“ Ansätze zur Massenvermehrung von Korallen voran, während Teams in der östlichen Karibik sogenannte „Assisted Gene Flow“-Modelle erproben, um genetisches Korallenmaterial auszutauschen und lokales Aussterben zu verhindern.
Diese Innovationen reagieren auf eine zentrale Herausforderung: Seit den 1970er-Jahren sind die Korallenriffe der Karibik um über 50 Prozent zurückgegangen. Dies gefährdet sowohl die Biodiversität als auch den natürlichen Küstenschutz, auf den Millionen von Menschen angewiesen sind.
Von lokalen Pilotprojekten zur nationalen Umsetzung
Ein Projekt in Saint Lucia verdeutlicht den gemeinschaftsorientierten Ansatz der Facility. Anfangs stieß die Pflanzung von Vetiver-Gras auf Widerstand, da befürchtet wurde, es könne giftige Schlangen beherbergen. Durch geduldigen Dialog und anschauliche Demonstrationen wandelte sich diese Skepsis jedoch in breite Akzeptanz.
Nachdem ein technischer Leiter des nationalen Wasserversorgungsunternehmens die Wirksamkeit der Methode zur Ufersicherung beobachtet hatte, testete er sie zunächst an einem hochwassergefährdeten Reservoir. Inzwischen setzt das Unternehmen Vetiver-Systeme landesweit an gefährdeten Infrastruktureinrichtungen ein. Dieser Weg von Skepsis hin zur institutionellen Skalierung veranschaulicht das transformative Potenzial gut umgesetzter, gemeinschaftsbasierter Anpassungsmaßnahmen.
Wirkungsmessung mit IKI-Indikatoren
Die EbA Facility nutzt ein umfassendes Monitoring-System mit 17 Indikatoren, darunter drei IKI-Aktionsindikatoren:
- Action Ecosystems: Flächen, die durch Projektmaßnahmen verbessert oder geschützt werden
- Action Mitigation: Reduzierung von Treibhausgasemissionen oder Stärkung von Kohlenstoffspeichern
- Action People: Anzahl der Menschen, die direkt bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden
Ergänzende, projektspezifische Indikatoren erfassen weitere Dimensionen wie adressierte Bedrohungen, verbesserte Lebensgrundlagen und die Integration von Geschlechtergerechtigkeit.
Wissensnetzwerke zur Verstärkung der Wirkung
Über einzelne Projekte hinaus hat die EbA Facility dauerhafte Strukturen für den Wissensaustausch geschaffen:
- Eine EbA-Network-WhatsApp-Gruppe vernetzt 40 aktuelle und ehemalige Projektträger sowie deren Umsetzungspartner
- Das Caribbean Coral Health Forum umfasst 112 Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten sowie 53 aktive Fachpraktikerinnen und -praktiker, die technisches Wissen austauschen
- Regelmäßige Webinare und Feldbesuche stellen sicher, dass in einem Land entwickelte Innovationen der gesamten Region zugutekommen
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