Vom Schutz der Bienen zur Politik für biologische Vielfalt
Mit Unterstützung der IKI hat Nigeria wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen für den Erhalt von Bestäubern überführt.
Manchmal können die kleinsten Dinge große Veränderungen in Bewegung setzen. Das Landen einer Biene auf einer Blume ist ein gutes Beispiel dafür. An sich ist es nur ein einfacher Vorgang. Bestäuber wie Schmetterlinge, Fledermäuse oder eben Bienen spielen aber eine entscheidende Rolle für das Gleichgewicht ganzer Ökosysteme – und damit für die Ernährung der Weltbevölkerung.
In Nigeria hat das wachsende Bewusstsein für die Bedeutung von Bestäubern eine breite Bewegung für den Schutz der Biodiversität auf den Weg gebracht. Mit Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) hat das Land dabei die Erkenntnisse zweier wegweisender Berichte des Weltbiodiversitätsrats (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) in konkrete politische Maßnahmen und eine Stärkung des gesellschaftliches Bewusstseins übertragen.
Aufbauend auf den Prioritäten, die im BES Net Anglophone Africa Regional Trialog 2019 festgelegt wurden, nutzte Nigeria das „IPBES Thematic Assessment on Pollinators, Pollination and Food Production“ sowie das „IPBES Thematic Assessment on Land Degradation and Restoration“ als Grundlage für die Entwicklung seines Biodiversitätsmanagements. Sechs Beispiele für wichtige Entwicklungen, die daraus hervorgegangen sind:
1. Politik für Bestäuber stärken
Aufbauend unter anderem auf die IKI-Förderung hat Nigeria zwei wichtige nationale Strategien entwickeln können: eine Bestäuberstrategie und eine integrierte Schädlingsmanagementstrategie. Beide zielen darauf ab, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, Bestäuberpopulationen zu schützen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern.
Die Strategien wurden im Jahr 2025 validiert und haben bereits die Aktualisierung des nationalen Biodiversitätsstrategie‑ und Aktionsplans beeinflusst. Zudem wurden Teile der Strategien in den Regionen Benue und Kano, wo der chemische Pestizideinsatz weit verbreitet ist, schon erprobt.
2. Junge Menschen informieren
Schulen spielten eine zentrale Rolle dabei, das Bewusstsein für die Bedeutung von Bestäubern in Nigeria zu verbreiten. Der Welttag der Bienen 2021 wurde mit einem nationalen Kunstwettbewerb begangen, an dem 150 Schülerinnen und Schüler teilnahmen und Kreativität mit Lernen verknüpften. Die Aktion legte den Grundstein für die Gründung von Schulbestäuberclubs in Zusammenarbeit mit der St. Catherine’s Group of Schools. Diese Initiative zielt darauf ab, Bestäuberbildung systematisch in schulische Aktivitäten zu integrieren und das langfristige Engagement zu diesem wichtigen Thema zu stärken. Über 300 Teilnehmende beteiligten sich an Aktionen, die sich auf den Schutz und die Bewirtschaftung von Bestäubern konzentrierten.
3. Kartieren und überwachen
Um Bestäuber besser verstehen und schützen zu können, initiierte Nigeria eine weitreichende Dokumentations-Initiative. Forschende konservierten dabei unter anderem die DNA von 100 verschiedenen Schmetterlingsarten sowie fünf Bienen- und zehn Fledermausarten. Diese Informationen bildeten die Grundlage für eine nationale Gen-Datenbank für Bestäuber.
Ergänzend dazu wurden Infografiken und QR-Codes entwickelt, mit denen seitdem das öffentliche Bewusstsein für wichtige Bestäuberarten gestärkt und das Wissen über sie verbreitet werden. Expertenteams identifizierten zudem Bestäuberlebensräume in den drei Nationalparks Old Oyo, Kainji Lake und Cross River.
4. Wissen an Landwirte weitergeben
Ein neues Handbuch für Landwirte vermittelt wissenschaftliche Empfehlungen und Informationen über regionale Gegebenheiten. Es wurde landesweit verteilt und beschreibt praktische Maßnahmen zum Schutz von Bestäubern sowie zur Steigerung der Produktivität. Über 100 Menschen – darunter Landwirte und Beratungsfachkräfte – wurden als Multiplikatoren darin geschult, das Handbuch in ihren Gemeinden anzuwenden und die Inhalte weiterzugeben.
5. Eine Demonstrationsfläche einrichten
Um den Nutzen einer bestäuberfreundlichen Landwirtschaft in der Praxis zu veranschaulichen, wurde in Kwali, Abuja, eine Demonstrationsfläche eingerichtet. Dort wachsen seitdem 27 Heil- und 15 Nahrungspflanzen, die für Bestäuber die Lebensbedingungen verbessern. Darauf aufbauend wurden Landwirte – darunter auch viele Frauen – zu den Vorteilen der Integration dieser Pflanzen in ihre landwirtschaftlichen Flächen und Gärten geschult.
Die Teilnehmenden erhielten neben Exemplaren des Bestüber-Handbuchs auch eigene Bienenstöcke und Imkereigeräte. Die Schulung trug dazu bei, die Einstellungen der Menschen vor Ort dahingehend zu verändern, dass Landwirte Bienen nicht länger als Schädlinge, sondern als unverzichtbare Verbündete für den Pflanzenbau und die Honigproduktion betrachten.
6. Landnutzung kartieren und Naturschutz-Prioritäten bestimmen
In 22 nigerianischen Bundesstaaten wurden Geoinformationen analysiert, um Veränderungen der Landbedeckung zu bewerten beziehungsweise deren Muster zu identifizieren. Die Studie lieferte wichtige Basisdaten für das künftige Monitoring und die Steuerung von Maßnahmen.
Die Ergebnisse helfen zudem aufzuzeigen, wo Naturschutzmaßnahmen am dringendsten erforderlich sind. Sie wurden mit lokalen Behörden und Gemeinden sowie Unternehmen geteilt, um nachhaltigere und umweltfreundlichere landwirtschaftliche Praktiken fördern zu können.
Ausblick: Eine Grundlage für positiven Wandel
Die Erfahrungen Nigerias zeigen, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zur biologischen Vielfalt echter Wandel entstehen kann. Als wichtig hat sich erwiesen, auf lokale Bedürfnisse einzugehen und dies in passende Maßnahmen münden zu lassen. Von nationalen politischen Strategien über Schulprogramme bis hin zu feldbasiertem Monitoring hat das Land wichtige Schritte hin zu einer nachhaltigeren Landnutzung und einem stärkeren Schutz von Bestäubern unternommen.
Mit Unterstützung der IKI stärken diese Bemühungen nicht nur das Ernährungssystem, sondern auch ländliche Lebensgrundlagen – und bringen diese in Einklang mit übergeordneten globalen Zielen für Natur und Menschen.
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Über BES-Net
Das Biodiversity and Ecosystem Services Network (BES-Net) hat sich zum Ziel gesetzt, weltweit Kapazitäten und Engagement für den Schutz der biologischen Vielfalt aufzubauen, indem es die neuesten Ergebnisse der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) in konkrete Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Erhaltung der Natur vor Ort umsetzt. BES-Net wird von der deutschen Bundesregierung im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative und von SwedBio finanziert.
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05/ 2024 | Publikations-Typen | BerichtNavigating Towards a Nature-Positive Future: Strategic Uptake of Evidence Towards Tangible Biodiversity Solutions – BES Net
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