Nachhaltige Mobilität gewinnt in Ostafrika an Fahrt
Ein IKI-Projekt zeigt, wie Busse, Radwege und fußgängerfreundliche Straßen den Verkehr in ostafrikanischen Städten entlasten. Das reduziert Treibhausgasemissionen und steigert die Lebensqualität.
Das rasante Wachstum der Städte in Ostafrika ist eine große Herausforderung: Wie können Millionen von Menschen, die in Städten leben, sicher, effizient und nachhaltig mobil sein? Unkontrollierte Verkehrsstaus und Zersiedelung haben zu einem starken Anstieg der Treibhausgasemissionen und der Luftverschmutzung geführt und erschweren zugleich vielen Menschen den Zugang zu Arbeitsplätzen und wichtigen Dienstleistungen.
Das Projekt „Growing Smarter“
Mit Unterstützung der IKI starteten das Africa-Team des Institute for Transportation and Development Policy (ITDP) und die Partner bei UN-Habitat im Jahr 2018 das Projekt „Growing Smarter: Sustainable Mobility in East Africa“. Ziel ist es, die Art und Weise zu verändern, wie Menschen den urbanen Raum erleben und sich darin bewegen, der Fokus liegt auf Bussystemen, Zufußgehen und Radfahren.
Was als Vision begann, ist heute Realität: Dieses neue Verständnis von urbaner Mobilität setzt sich zunehmend in einigen der größten Städte Ostafrikas durch. In Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda hat das Projekt eine enge Zusammenarbeit mit regionalen und internationalen Entscheidungsträgern und Planern etabliert, die daran arbeiten, Verkehrsstaus zu reduzieren und die öffentliche Infrastruktur zu verbessern.
Bus Rapid Transit Systeme (BRT): Fokus auf Schnellbusse und öffentlichen Verkehr
Tansania
In Daressalam, Tansania, lag der Schwerpunkt des Projekts auf der Erweiterung des Dar Rapid Transit (DART) BRT, einem Schnellbussystem, als Alternative zum Privatwagen und der Verbesserung der Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr. Das IKI-Projekt unterstützte die Entwurfsprüfungen und die Überwachung der ersten drei Phasen, die 64,8 km Busspuren umfassen, und begleitete zwei weitere geplante Phasen mit insgesamt 56,1 km. Bereits die erste Betriebsphase reduzierte die Fahrzeit auf einer 21 km langen Strecke von zwei Stunden auf 45 Minuten. Phase 2 soll 2025 starten und den Nutzen auf noch mehr Menschen in der Stadt ausweiten. Nach Fertigstellung könnte das System über drei Millionen Fahrgäste täglich befördern.
Ein großer Erfolg für die Verbesserung des DART war die lang erwartete Einführung des Gross-Cost-Contract-Modells für den Betrieb der ersten Phase – ein entscheidender Schritt hin zu besserer städtischer Mobilität in Daressalam. Dieses Modell ersetzt das zuvor verwendete Net-Cost-Contract-Modell, bei dem Betreiber die Einnahmerisiken trugen. Mit dem neuen Modell wird die finanzielle Stabilität verbessert und die Servicequalität gestärkt, da die Bezahlung stärker an der Leistungserbringung als an den Fahrgeldeinnahmen orientiert ist.
Äthiopien
Das IKI-Projekt war auch eine wichtige Unterstützung für die Bemühungen von ITDP Africa, die BRT-Korridore B2 und B6 in Addis Abeba nach Best Practices zu gestalten und die Finanzierung der Korridore sicherzustellen.
Kenia
Das IKI-Projekt unterstützte die Entwicklung des Serviceplans für die BRT-Linie 2 und unterstrich die Notwendigkeit eines Systems der dritten Generation, das die Fahrgäste direkt mit ihren Zielen verbindet. Die Regierung hat ihr Engagement für das Projekt erneuert und der Bau soll Ende 2025 wieder aufgenommen werden.
Uganda
In der Hauptstadt Kampala gewährleistet die technische Unterstützung des Projekts, dass laufende Infrastrukturmaßnahmen im Einklang mit dem BRT-Masterplan der Hauptstadt umgesetzt werden. Auch wenn viele dieser neuen BRT-Systeme noch in der Planungsphase sind, verdeutlicht dies das wachsende regionale Interesse an hochwertigem und zugänglichem öffentlichen Verkehr und den Bedarf an weiteren Investitionen.
Den Fuß- und Radverkehr stärken
Nachhaltige Mobilität bedeutet auch, nicht-motorisierte und aktive Verkehrsformen in den Mittelpunkt zu rücken. Mit Unterstützung der IKI haben ITDP Afrika und Partner eng mit nationalen und kommunalen Behörden zusammengearbeitet, um die Bedürfnisse von Menschen zu Fuß und Radfahrenden in wachsenden Städten zu berücksichtigen. Das Projekt hat mehrere Stadtverwaltungen in Ostafrika dazu befähigt, neue Leitfäden für städtisches Straßendesign zu entwickeln, die Sicherheit und Barrierefreiheit betonen.
Äthiopien
Das Verkehrsamt von Addis Abeba treibt mit Unterstützung des IKI-Projekts einen vierjährigen Umsetzungsplan für nicht-motorisierten Verkehr (NMT) als Teil einer zehnjährigen Gesamtstrategie für bessere Bedingungen zum Gehen und Radfahren voran. Im Rahmen des IKI-Projekts wurde ein umfassender Radwegenetzplan entwickelt, der 100 km Geh- und Radwege vorsieht; weitere 76 km befinden sich in der Planung.
Kenia
Auch in Kenia setzen Städte wie Kisumu, Mombasa und Nairobi neue Maßstäbe im nicht-motorisierten Verkehr mit geschützten Radwegen, breiteren Gehwegen und sichereren öffentlichen Räumen. In Kisumu arbeitete das Projekt Growing Smarter bereits 2020 am Sustainable Urban Mobility Plan und erstellte Konzeptentwürfe für die Phasen 2 und 3 der Maßnahmen für den nicht-motorisierten Verkehr, darunter hochwertige Geh- und Radwege. Die Umsetzung ist durch die Region Kisumu mit Finanzierung der Weltbank geplant.
Politik und Planung vorantreiben
Nachhaltige Mobilität erfordert eine Neuausrichtung politischer Rahmenbedingungen und die Mobilisierung zentraler Ressourcen, um die autozentrierte Stadtentwicklung zu überwinden. Das IKI-Projekt „Growing Smarter“ spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung einiger der am schnellsten wachsenden Städte Afrikas durch regionale Strategien – von Parkraumbewirtschaftung und Radverkehrskonzepten bis hin zu integrierter ÖPNV-Planung. Diese übergeordneten Maßnahmen tragen dazu bei, dass Stadtwachstum nachhaltiger gestaltet wird – mit gemischter Nutzung, fußgängerfreundlich, fahrradgerecht und auf den öffentlichen Verkehr ausgerichtet.
Durch regionale Konferenzen und Wissensaustausch hat das Projekt zudem eine starke Gemeinschaft von Fachleuten und politischen Entscheidungstragenden auf dem Kontinent aufgebaut. Mit der Kombination aus technischer Expertise, strategischen Partnerschaften und politisch getriebenem Wandel hat das Projekt nicht nur lokale Verbesserungen in der Mobilität bewirkt, sondern auch tiefgreifende regionale Veränderungen in Stadtentwicklung und Klimaschutz angestoßen.
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