11.09.2020

Nachhaltiger Konsum- und Produktionsweisen

Ökologische Landwirtschaft in der Provinz Nan. Foto: WWF

Wie nachhaltige Produktionsweisen das Leben in den Gemeinden im thailändischen Bezirk Bua Yai grundlegend verbessert haben.

Der Bezirk Bua Yai in der nordthailändischen Provinz Nan liegt in einer Ebene unterhalb der Berge, in der in großem Maßstab Kohl angebaut wird. Die Kohlpflanzen werden jedoch häufig und massiv von Schädlingen befallen. Zur Schädlingsbekämpfung werden Pflanzenschutzmittel mit Flugzeugen versprüht. Die Folge: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln finden sich in den Nahrungsmittelkulturen, verunreinigen Böden und Grundwasser und gelangen schließlich über das Trinkwasser direkt in den menschlichen Körper. Die meisten Menschen der Region sind Bäuerinnen und Bauern, die eine intensive Landwirtschaft betreiben. Zur Erzeugung der von ihnen später verkauften und verzehrten Nahrungsmittel haben sie bislang zahlreiche giftige Agrarchemikalien eingesetzt, beispielsweise Pflanzenschutzmittel wie Herbizide und Insektizide sowie Düngemittel. Neben der daraus resultierenden Umweltverschmutzung steht die Gemeinde jedoch vor zahlreichen weiteren Problemen. Dazu zählen insbesondere Fragen des Landbesitzes sowie eine hohe Schuldenlast.

Lokales Engagement als Lösungsansatz

Thipkamporn Gongsorn betreibt eine Farm in Bua Yai. Angesichts der Probleme in ihrer Gemeinde beschloss sie, geeignete Lösungen dafür zu erarbeiten. Zunächst nahm sie an den Gemeindeversammlungen teil, brachte ihre Ideen ein und wurde Vorsitzende der örtlichen Frauengruppe. In dieser Funktion begann sie, Daten über das Einkommen der Haushalte in der Gemeinde zu erheben.

Thipkamporn erkannte, dass ein großer Teil der aktuellen Probleme mit der Landwirtschaft zusammenhängt. So hatten viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihre Flächen an Grundeigentümer verkauft, von denen sie die Felder anschließend zurückmieteten. Dadurch gerieten etliche in eine Schuldenspirale. Zur Rückzahlung ihrer Schulden waren die Bauern auf höhere Ernteerträge angewiesen und setzten deshalb Agrarchemikalien ein. Dadurch wiederum ruinierten sie die Qualität der Böden und die Bodenfruchtbarkeit. Nun waren sie gezwungen, neues Ackerland zu gewinnen, und begannen, durch Brandrodung von geschützten Wäldern neue Flächen zu erschließen. Die Folge: Sie verursachten dadurch eine erhebliche Luftverschmutzung und andere Umweltschäden. Dadurch handelten sie sich letzten Endes rechtliche Probleme und Konflikte mit Behörden ein. Ein Teufelskreis, der letztlich in den Ruin führt. „Alles hängt mit allem zusammen“, so Thipkamporn. „Wenn wir nachhaltig leben und mit dem Land und den natürlichen Ressourcen nachhaltig umgehen wollen, müssen wir mit ‚ehrlichen Lebensgrundlagen‘ arbeiten.“

Nachhaltigkeit als zentrales Ziel der Nahrungsmittelproduktion

Der Nachhaltigkeitsgedanke war entscheidend, um Verbesserungen zu erreichen. Die Bäuerinnen und Bauern mussten lernen, das Nachhaltigkeitskonzept zur Grundlage ihres Handelns zu machen, um dadurch ihre eigene Gesundheit und die der Allgemeinbevölkerung künftig nicht mehr zu belasten. Thipkamporn sah in einer ökologischen Landwirtschaft die Lösung der Probleme. Denn durch den Anbau verschiedener mehrjähriger und einjähriger Pflanzen anstelle von Monokulturen können die Bauern auch auf kleinen Flächen höhere Erträge und Einkommen erzielen. Wenn sie dabei auf Agrochemikalien verzichten, bleiben die Qualität und Fruchtbarkeit des Bodens erhalten. Außerdem ist es so nicht mehr notwendig, zur Gewinnung neuer Ackerflächen Wälder zu roden – im Gegenteil: Die Bauern können die zerstörten Wälder wieder aufforsten und gleichzeitig ihre Gemeinden mit nahrhaftem, ökologisch erzeugtem und nicht mit Pflanzenschutzmitteln belastetem Obst und Gemüse versorgen, das überdies erschwinglich ist.

Je intensiver Thipkamporn nach einer Lösung suchte, desto größer wurde ihr Netzwerk von Verbündeten. Dazu gehörte auch die Organisation WWF-Thailand, die das von der internationalen Klimainitiative (IKI) geförderte Projekt „Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen“  umsetzt. Im Rahmen des SCP-Projekts wurde ein Lösungsmodell mit der Bezeichnung FLR349 entwickelt, das die Bauern dabei unterstützen soll, ihre Produktionsweise von einer chemisch-intensiven Monokulturlandwirtschaft, bei der Wälder zerstört werden, auf eine agrarökologische Produktionsweise umzustellen.

Social Enterprise Participatory Guarantee System (SCE PGS)

Durch diese Unterstützung gelang es Thipkamporn, auf Gemeindeebene einen Mechanismus zur Zertifizierung von ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln einzuführen, das sogenannte Social Enterprise Participatory Guarantee System (SCE PGS). Dieses für den lokalen Markt bestimmte partizipative Garantiesystem hat inzwischen landesweite Anerkennung bei staatlichen Stellen und großen Einzelhandelsunternehmen gefunden, so dass sich die Bauern der Gemeinde in den Supermarktregalen einen Platz für ihre Bioprodukte sichern konnten.

Dadurch erzielen die Menschen der Gemeinde nun Einkommen aus dem Anbau und Verkauf von Kürbissen, Orangen, Taro, Kakao und Cashew-Nüssen. Die Betriebe, die auf eine nachhaltig-ökologische Landwirtschaft umgestellt haben, sind damit erfolgreich, was dazu führt, dass die nach wie vor konventionell geführten Betriebe nun ebenfalls über eine Umstellung nachdenken. Innerhalb eines Jahres konnte Thipkamporn ihr zunächst nur in einem Bezirk umgesetztes Konzept ausweiten, so dass sie jetzt die gesamte Provinz erreicht. Thipkamporn bewirtschaftet inzwischen nicht mehr nur ihre eigene Farm, sondern engagiert sich ehrenamtlich in fünf Führungspositionen für die Agrarwende.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

 

 

Videos zum Projekt

Für Maisanbau entwaldete Hügel rund um Mae Khi Muk; Foto: Florian Nüsch

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