Feuchtgebiete als Schlüssel für Klima- und Biodiversitätsschutz
Am 2. Februar begeht die internationale Gemeinschaft den Weltfeuchtgebietstag. Das Jahr 2026 markiert dabei ein besonderes Jubiläum für Deutschland.
Vor 50 Jahren hat Deutschland die Ramsar-Konvention ratifiziert, die sich als eines der ältesten multilateralen Umweltabkommen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten weltweit einsetzt. Angesichts der zunehmenden Klima-, Wasser- und Biodiversitätskrise gewinnt sie weiter an Bedeutung. Inzwischen haben 172 Staaten das Ramsar-Übereinkommen ratifiziert; weltweit gibt es über 2500 ausgewiesene Ramsar Gebiete mit einer Gesamtfläche von über 2,5 Millionen km2. Gemessen an der Fläche Deutschlands ist die ausgewiesene Fläche damit bereits 7,2 mal so groß.
Feuchtgebiete wie Moore, Mangroven, Auen und Seen gehören zu den leistungsfähigsten Ökosystemen der Erde. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt, mildern Hochwasser und Dürren und spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt. Gleichzeitig sichern sie Lebensgrundlagen, Ernährung und Wasser für Millionen von Menschen. Trotz dieser Leistungen sind seit den 1970er Jahren weltweit rund 22 % der Feuchtgebiete verloren gegangen – mit weitreichenden Folgen für Klimaresilienz, Wasserverfügbarkeit und Ökosysteme.
Internationaler Rahmen für wirksamen Feuchtgebietsschutz
Mit der Ramsar-Konvention haben sich fast alle Staaten der Welt verpflichtet, Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung zu erhalten und ihre nachhaltige Nutzung zu fördern. Die Vertragsstaaten betonen in ihren Beschlüssen zunehmend die Bedeutung von Feuchtgebieten für die Erreichung globaler Umweltziele und ihre zentrale Rolle bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, des Globalen Biodiversitätsrahmens und der Agenda 2030. Feuchtgebiete werden als kosteneffiziente naturbasierte Lösungen anerkannt, die sowohl zur Minderung von Treibhausgasemissionen als auch zur Anpassung an den Klimawandel beitragen können. Ebenso wird ihre Schlüsselrolle für Wassersicherheit, Wasserqualität und Katastrophenvorsorge hervorgehoben.
Ein wiederkehrendes Thema in den Beratungen der Vertragsstaaten ist auch die Notwendigkeit, Schutz, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten stärker in nationale Strategien zu integrieren. Gleichzeitig wird betont, dass viele Feuchtgebiete ökologische Prozesse über Verwaltungs- und Staatsgrenzen hinweg verbinden und daher regionale und grenzüberschreitende Ansätze für eine wirksame Umsetzung unerlässlich sind.
Deutschlands Beitrag zum globalen Feuchtgebietsschutz
Deutschland engagiert sich international für die Erhaltung, Wiederherstellung, Vernetzung und das nachhaltige Management von Feuchtgebieten. Eine zentrale Säule dieses Engagements ist die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI). Aktuell fördert das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der IKI 36 Projekte mit Bezug zu Feuchtgebieten und einem Gesamtvolumen von über 390 Millionen Euro. Die Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zur Anpassung an den Klimawandel und zum Erhalt der biologischen Vielfalt – insbesondere durch naturbasierte Lösungen.
Die geförderten IKI-Vorhaben gehen den Schutz von Feuchtgebieten mit unterschiedlichen Schwerpunkten und methodischen Ansätzen an. Ein besonderer Fokus liegt auf ökosystembasierten Anpassungsmaßnahmen in Wassereinzugsgebieten weltweit. Die Projekte umfassen ein breites Spektrum an Lebensräumen – von Feuchtwiesen sowie Moor- und Sumpfgebieten über Auen und Seen bis hin zu Küstenökosystemen wie Salzmarschen, Mangroven und Seegraswiesen.
Projektbeispiel: Erhaltung von Rastgebieten für Zugvögel
Das IKI-Projekt „Entwicklung klimaresistenter Ökosysteme entlang der Ostatlantischen Zugroute“ zielt auf den Schutz von Küsten- und Feuchtgebieten in elf Ländern entlang der Westküste des afrikanischen Kontinents ab. Diese Gebiete gehören zur ostatlantischen Zugvogelroute, die Brutgebiete in der Arktis mit Rast- und Überwinterungsgebieten an den Küsten Europas und Afrikas verbindet. Das Projekt setzt dabei auf eine grenzüberschreitende, koordinierte Planung und Bewirtschaftung der Küsten- und Feuchtgebiete entlang der Route.
Neue Impulse aus dem IKI-Förderaufruf 2024
Im Rahmen des IKI-Förderaufrufs 2024 zum Schutz und zur Wiederherstellung von Feuchtgebieten in Afrika wurden drei Projektideen mit einem Gesamtvolumen von 24,1 Millionen Euro ausgewählt. Ergänzend wurde eine weitere Projektidee zur Stärkung von Gemeinschaften für den Schutz von Küsten und Meeren in Lateinamerika mit 8,4 Millionen Euro zur Förderung vorgesehen.
Die Ramsar-Konvention zeigt, wie internationale Zusammenarbeit zum Schutz zentraler Ökosysteme beitragen kann. Mit ihren Projekten unterstützt die IKI ihre Partnerländer dabei, die Ziele der Konvention in konkrete Maßnahmen zu übersetzen – für Klima, Biodiversität und eine nachhaltige Entwicklung.
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