31.05.2022

Energiewende in Indonesien: Von Deutschland und Australien lernen

Braunkohlekraftwerk

Das IKI-Projekt „Saubere, bezahlbare und sichere Energie für Südostasien (CASE)“ hat einen virtuellen Austausch zu Strategien für den Kohleausstieg organisiert.

Wenn von Energiewende die Rede ist, wird gemeinhin davon ausgegangen, dass die Prozesse komplex sind und von den nationalen Gegebenheiten abhängen. Die politische Landschaft, die verfügbaren Ressourcen, Strukturen der Strommärkte und die spezifischen Vorschriften sorgen in jedem Land für eine unterschiedliche Ausgangsposition für einen Kohleausstieg. Hinzu kommen weitere wichtige Faktoren wie unter anderem soziale Überlegungen zur Sicherheit von Arbeitsplätzen und zur Bezahlbarkeit von Energie. Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten, die länderübergreifend in die Überlegungen einbezogen werden können. Dazu gehören die Strategien, die eingesetzt werden können, um die Ziele des Kohleausstiegs zu erreichen sowie einen gerechten Übergang für Arbeitnehmende zu schaffen und die sozioökonomischen Vorteile einer Energiewende zu maximieren.

Indonesien, dessen Energieversorgung bisher stark von fossilen Energieträgern abhängt, kann daher von den Erfahrungen lernen, die andere Länder mit dem Kohleausstieg gemacht haben. Das Land könnte die Erkenntnisse nutzen, um seine eigenen Lösungen für eine Energiewende zu entwickeln, die den spezifischen Herausforderungen Indonesiens gerecht werden.

Vor diesem Hintergrund hat die indonesische Abteilung des Programms „Saubere, bezahlbare und sichere Energie für Südostasien“ (CASE), das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird, ein virtuelles Seminar organisiert. Die Veranstaltung diente als Plattform, um indonesischen Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertretern, führenden Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft sowie der Öffentlichkeit zu vermitteln, was den Kohleausstieg in Deutschland und Australien ausmacht.

Kohleausstieg in Deutschland

Mit Blick auf Deutschland stellte ein Redner des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Ziel des Landes vor, den CO2-Fußabdruck seiner Energiesysteme durch den Kohleausstieg bei gleichzeitigem Ausbau erneuerbarer Energien zu verringern. Mit der Schaffung einer „Kommission für den Kohleausstieg“ hat Deutschland einen starken politischen Willen gezeigt, den Kohleausstieg zu beschleunigen. Der Kohleausstieg wird hier auf verschiedenen Wegen vorangebracht. Dazu gehören Vereinbarungen über die vorzeitige Stilllegung von Braunkohlekraftwerken sowie das Auktionssystem zur Abschaltung von Steinkohlekraftwerken. Aus diesem innovativen Mechanismus gewann die Regierung wichtige Erkenntnisse für die Planung eines Ausstiegssystems, das für die Energielandschaft Deutschlands geeignet ist.

„Just Transition“ in Australien

Der zweite Teil des Seminars konzentrierte sich auf Australien. Die Regierung des Bundesstaats Victoria setzte sich mit der Gründung der Latrobe Valley Authority (LVA) für eine gerechte Energiewende ein. Die LVA ist eine Behörde für die Region Latrobe Valley, die das Zentrum der Energiewirtschaft von Victoria bildet und in der Energie hauptsächlich aus Braunkohle gewonnen wird.

Obwohl sie über die zweitgrößten Braunkohlereserven der Welt verfügt, investierte die Regierung des Bundesstaats Victoria rund eine Viertelmilliarde Dollar, um den ehemaligen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Kohlebergbau und den Kohlekraftwerksbetreibern einen gerechten und nachhaltigen Übergang zu ermöglichen. Dieser Übergang wurde durch das fortgesetzte Engagement der LVA ermöglicht, in Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft ein nachhaltiges Leben mitzugestalten. Die wirtschaftliche Diversifizierung und der Übergang hin zu expandierenden Beschäftigungssektoren müssen auf der Grundlage der Stärken und Möglichkeiten des lokalen Umfelds erfolgen. Dieser an die lokalen Gegebenheiten angepasste und personalisierte Ansatz repräsentiert eine einzigartige Strategie, die Indonesien vom Latrobe Valley übernehmen könnte.

Großes Interesse am deutschen Ansatz

Insgesamt beteiligten sich 210 Teilnehmende an der Diskussion, darunter rund 30 Prozent Vertreterinnen und Vertreter indonesischer Regierungsbehörden. In einer Umfrage nach der Veranstaltung stellte das Projektteam fest, dass die Session über Regulierungsangelegenheiten und sozioökonomische Aspekte in Deutschland auf das größte Interesse gestoßen war. So waren die Befragten daran interessiert, zukünftig an ähnlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Die Themen reichten dabei von Technologie für erneuerbare Energien über Energiekrise bis hin zu einer Roadmap für und Finanzierung von Netto-Null-Emissionen – wofür CASE bereits verschiedene Veranstaltungen organisiert hatte.

Anfang April 2022 wurde ein CASE Insight veröffentlicht, der die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst und weitere Hinweise liefert, wie Indonesien diesen transformatorischen Schritten folgen könnte.

Ausblick

Im Anschluss an diese Veranstaltung plant CASE, im August 2022 eine Nebenveranstaltung zur G20-Arbeitsgruppe für Entwicklung zu organisieren. Dazu werden Vertreterinnen und Vertreter der G20 eingeladen, um über ihre Strategien zur Einbeziehung von Dekarbonisierungsmaßnahmen in ihre nationale Entwicklungspolitik zu sprechen.

 

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