18.05.2026

Feuchtgebietsmanagement für Biodiversitäts- und Klimaschutz

Ein Blick auf das Renukaji-Feuchtgebiet in Himachal Pradesh, Indien

Die Internationale Klimaschutzinitiative fördert in Indien den Schutz und das Management von Feuchtgebieten - und stärkt die Zusammenarbeit zum Erhalt dieser Ökosysteme.

Von Hochgebirgsseen über kleine Dorfteiche bis hin zu Mangroven: Feuchtgebiete bilden die leise Grundlage für Biodiversität, Wassersicherheit, Ernährung, Lebensgrundlagen und kulturelle Identität von Millionen Menschen in Indien. 

Da über 75 Prozent der indischen Distrikte von extremen Überschwemmungen, Dürren oder Zyklonen betroffen sind, spielt das Management dieser natürlichen Puffer eine zentrale Rolle. Ihre Degradation und ihr Verlust führen zu sinkenden Wasser-, Nahrungs- und Brennstoffressourcen sowie zu einer geringeren Klimaresilienz.

Diese Ökosysteme standen im Mittelpunkt des Projekts „Feuchtgebiete als wichtige Pfeiler für Biodiversitäts- und Klimaschutz“, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wurde. Ziel des Projekts war es, institutionelle Rahmenbedingungen und Kapazitäten für ein ökosystembasiertes, integriertes Management international bedeutender Feuchtgebiete (Ramsar-Gebiete) in Indien zu stärken.

Planung des Managements von Feuchtgebieten

Zur besseren Einschätzung der Projektgebiete – von den Himalaya-Regionen über Küsten bis hin zu Flussauen – wurden hydrologische, ökologische und klimatische Risiken analysiert. Diese Bewertungen bildeten die Grundlage für nachhaltige Managementpläne. Insgesamt wurden integrierte Managementpläne für elf Feuchtgebiete - darunter sieben Ramsar-Gebiete - entwickelt, die auch nationale Leitlinien im Rahmen des „National Plan for Conservation of Aquatic Ecosystems“ beeinflussten.

Zur kontinuierlichen Bewertung wurde das „Management Effectiveness Tracking Tool“ (METT) für indische Feuchtgebiete entwickelt. Es wird inzwischen für alle Ramsar-Gebiete empfohlen und wurde bis April 2026 bereits in 65 Gebieten angewendet. Zudem unterstützte das Projekt die Ausweisung von 13 neuen Ramsar-Gebieten und trug so zur Erweiterung des Netzwerks in Indien bei, das heißt konkret: von 26 Gebieten im Jahr 2018 auf 99 Gebiete im Jahr 2026.

Aufbau von Kapazitäten für eine sinnvolle Nutzung von Feuchtgebieten

Patrouillen des Forstministeriums von Odisha in den Mangroven von Bhitarkanika

Mehr als 3.000 Feuchtgebietsmanager*innen – darunter Behördenvertreter*innen, zivilgesellschaftliche Akteure und Privatpersonen – wurden durch Schulungen und Praxiseinsätze qualifiziert. 

Tausende Teilnehmer*innen haben inzwischen den interaktiven E-Learning-Kurs zum Thema „Schutz und Bewirtschaftung von Feuchtgebieten“ absolviert, der auf der Plattform „Integrated Government Online Training (iGOT) Karmayogi“ angeboten wird, dem offiziellen webbasierten Lernportal für indische Beamte.

Zusätzlich entwickelte das Projekt das webbasierte India Wetlands Portal, das heute vom indischen Umweltministerium betrieben wird und umfassende Daten, Ressourcen und Informationen zum Thema bereitstellt. 

Auch institutionelle Strukturen wie Ausschüsse zum Feuchtgebietsmanagement auf Distriktebene wurden in zwei Bundesstaaten eingeführt.

Zusammenarbeit und Beteiligung

Die Vielfalt der Feuchtgebiete erfordert die Zusammenarbeit unterschiedlichster Akteure. Mit dem webbasierten Tool WetCAP wurde eine Plattform geschaffen, die Kooperationen zwischen öffentlichem und privatem Sektor fördert.

Lokale Gemeinschaften – darunter Fischer, Landwirte und Ökotourismusakteure – wurden aktiv einbezogen. Besonders wichtig waren lokale „Wetland Champions“ (die als Inspirationsquelle, Vorbild oder Impulsgeber dienen), Frauengruppen, Schulen und Medien. Kooperationen mit Bildungs- und Tourismusministerien integrierten Feuchtgebiete in Bildung und berufliche Qualifizierung.

Diese Kooperationen trugen nicht nur zur Bereicherung der Managementpläne bei, sondern prägten auch die Strategien in den Bereichen Kommunikation, Bildung, Beteiligung und Sensibilisierung (CEPA) in drei Bundesstaaten sowie auf nationaler Ebene. Dabei lag ein Fokus auf der Analyse der Rollen und Wechselbeziehungen verschiedener Bevölkerungsgruppen in Bezug auf Feuchtgebiete.

Soziale und ökologische Wirkung

Kalakanhu Swain, Leiter einer Mangrovenbaumschule im Bezirk Kendrapara, Odisha, Indien

Diese Wechselbeziehungen wurden während der Corona-Pandemie besonders deutlich, als durch den erwarteten Mangel an regulären Beschäftigungsmöglichkeiten ein Raubbau an den Feuchtgebieten befürchtet wurde. 

Die Renaturierung von Kanälen, Mangroven und Teichen als kurzfristige Beschäftigungsmaßnahme zum langfristigen Schutz der Ökosysteme sowie die Qualifizierung für alternative Erwerbsmöglichkeiten wie Handwerk, Imkerei und Gartenbau trugen dazu bei, über 900 Gemeindemitglieder zu unterstützen. Durch diese Maßnahmen zur „grünen Erholung“ (Green Recovery) wurden etwa 120 Tonnen CO₂-Äquivalent gebunden. 

Zu den längerfristigen Auswirkungen dieser und weiterer Maßnahmen gehören ein verbesserter Sturmschutz, höhere Fischfänge, Zugang zu Süßwasser, die Wiederherstellung von Lebensräumen für die Biodiversität und eine allgemeine Verbesserung des Wohlergehens der Gemeinschaft durch diversifizierte Einkommensquellen und eine verbesserte Widerstandsfähigkeit. 

Feuchtgebiete als Schlüssel für Klimaschutz

Angesichts zunehmender klimatischer Unsicherheiten bieten Feuchtgebiete eine wichtige Schnittstelle zwischen naturbasierten Lösungen und dem Wohlergehen der Menschen. Investitionen in Feuchtgebiete sind daher eine pragmatische Notwendigkeit.

Die Zusammenarbeit mit nationalen und Landesregierungen bot die Gelegenheit, mehrere nationale Initiativen wie „Amrit Dharohar“ zu konzipieren, die die einzigartigen Naturschutzwerte von Ramsar-Gebieten fördern.

Die Partnerschaften innerhalb der globalen, nationalen und lokalen Feuchtgebietsgemeinschaft, die während der Projektlaufzeit entwickelt wurden, werden den Erhalt diese Ökosysteme weiterhin unterstützen. 

So hat die Internationale Klimaschutzinitiative einen Beitrag geleistet, globale und nationale Ziele in den Bereichen Klimaanpassung, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

What are Ramsar Sites?

Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung (Ramsar-Gebiete) werden im Rahmen der Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete ausgewiesen – einem weltweiten Übereinkommen, das sich ihrem Schutz und ihrer nachhaltigen Nutzung widmet. 

Videos zum Projekt

Video Thumbnail "Guardians of Wetlands (Hindi)"

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Video Thumbnail "Biodiversity and Beyond: The Story of Point Calimere"

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Thumbnail giz Green Renuka Fair

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