01.03.2024

Ausgezeichnet! Engagement für die Energiewende in Chile

Rainer Schröer hat rund acht Jahre lang IKI-Projekten zur Energiewende in Chile geleitet. Für sein Engagement und seine erfolgreiche Projektarbeit ist er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. 

Ende November 2023 in der Deutschen Botschaft, Santiago de Chile: Rund 60 Gäste aus dem Energiesektor sind gekommen, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, Unternehmen und Wirtschaftsverbänden des Landes. Auch der amtierende Energieminister und sein Vorgänger sind anwesend. Die Deutsche Botschafterin Irmgard Maria Fellner hatte zu einem Festakt eingeladen, gefeiert werden die Erfolge Chiles bei der Energiewende – und vor allem ein begnadeter Netzwerker, der die Entwicklung des Landes in Richtung „Erneuerbare“ mitbegleitet und vorangebracht hat. Rainer Schröer bekommt an diesem Abend das Bundesverdienstkreuz verliehen. Als Leiter verschiedener Projekte der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) hat er mit großem Erfolg technische Innovationen für die Energiewende in Chile initiiert und deren Umsetzung begleitet. 

Die Auszeichnung honoriert die persönliche Leistung Schröers und ist gleichzeitig ein guter Anlass, um am Bespiel der Energieprojekte in Chile zu beschreiben, wie die IKI konkret in ihren Partnerländern wirkt – und zwar über das Ende der Projektarbeit hinaus.

Akzeptanz schaffen für Erneuerbare Energien 

Runder Tisch des Energiesektors zu Erneuerbaren Energien (Dezember 2014)

Chile ist, wie Rainer Schröer beschreibt, „ein Paradies für erneuerbare Energien, mit Potenzialen in der Solar- und Windenergie, aber auch in den Bereichen Geothermie, Biomasse und Meeresenergie“. Trotzdem hatten die Erneuerbaren einen schweren Stand, als er 2014 mit der IKI-Projektarbeit begann. Vor allem die Mitarbeiter des Energieministeriums und die Netzbetreiber waren skeptisch, wenn die Begriffe „Energiewende“ oder „Klimaschutz“ fielen. „Es galt und gilt die Devise: „Strom muss sicher und günstig sein, man ist Technologieneutral und es gibt keine Subventionen“.

Zunächst musste er viel Überzeugungsarbeit leisten: „Wir haben eng mit den Ministerien und auch viel mit der Privatwirtschaft zusammengearbeitet, das war Teil unseres IKI-Konzept.“ Die Projekte haben kontinuierlich und fundiert technische Unterstützung geleistet: Wo können welche Erneuerbaren mit welcher Leistung wirtschaftlich eingesetzt werden? Diese Frage beispielsweise wurde mit einer sehr detaillierten Potenzialanalyse für das gesamte Land beantwortet, die letztlich die Grundlage für die Energiepolitik Chiles wurde.

Eine besonders harte Nuss unter den Akteuren im Energiesektor waren die Netzbetreiber, die mit großen Bedenken auf unstete Erneuerbare wie Wind und Sonne schauten. „Aber auch denen konnten wir die Sorgen nehmen“, so Schröer. „Wir haben sie zum Beispiel nach Deutschland eingeladen, mit erfahrenen Netzbetreibern zusammengebracht und einen sehr konstruktiven Austausch der Praxiserfahrungen erreicht.“ Heute nutzt der nationale chilenische Netzbetreiber - dank der IKI-Projekte - ein funktionierendes Vorhersagesystem für die Erneuerbaren und kann das Stromnetz optimal regeln.

In den ersten ein, zwei Jahren ging es also vor allem darum, Widerstände gegen Erneuerbare abzubauen und den regulatorischen Rahmen für die Energiewende zu gestalten. „Wir haben an mehr als 34 Regulierungen, Normen und Vorlagen für Energiegesetze mitgearbeitet“, erinnert sich Schröer. Und: „Wir haben in Chile alle an einen Tisch bekommen, Gegner und Befürworter der Energiewende – das war beispielhaft für ganz Südamerika.“

Neue Ideen verfolgen und passende Partner finden 

Die IKI-Projekte beschreibt Rainer Schröer als „unheimlich wertvoll für die Energiewende in Chile“. Mit der Arbeit konnten viele Impulse gesetzt und Grundlagen für eine Neuausrichtung des Energiesektors geschaffen werden. Geschätzt hat er vor allem die Flexibilität der Projekte, die auch Raum für kreatives Arbeiten, neue Ideen und Ansätze zugelassen haben. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der IKI ist zudem die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort, um eine solide Vertrauensbasis aufzubauen, aber auch im internationalen Kontext: 

Für spezielle technische Analysen im Energiesektor waren beispielsweise chilenische Universitäten wichtige Projektpartner, die dadurch lokales Know-how aufbauen konnten und sich im Laufe der Jahre immer stärker auf Energiethemen spezialisiert haben. 

Beim Thema grüner Wasserstoff waren es international agierende Unternehmen, zu denen Rainer Schröer den Kontakt hergestellt hat: „Das Thema haben wir als Pioniere schon ab 2014 in den Blick genommen und als innovative Lösung für Chile erkannt.“ Mehr als 20 internationale und lokale Unternehmen, die derzeit in Chile Wasserstoffprojekte realisieren, wurden durch Aktivitäten der IKI-Projekte unterstützt. 

Ein drittes Beispiel für die Flexibilität der IKI-Projekte, die Anpassung an die jeweilige Situation im Land und die Vielfalt der Partner ist die Zusammenarbeit mit dem chilenischen Bergbausektor: 

„Der Bergbau ist ein zentraler Wirtschaftszweig im Land, und gleichzeitig enorm wichtig für die globale Energiewende“, erklärt Rainer Schröer. „Rund 40 Prozent des weltweit verarbeiteten Kupfers kommt aus Chile. Und Kupfer ist ein Werkstoff, der für die Energiewende gebraucht wird - in Windturbinen, Stromleitungen oder Elektromotoren.“ Das Gleiche gilt für Lithium, das für die Produktion von elektrischen Energiespeichern und Batterien für E-Autos benötigt wird. Schröer denkt die Dinge gerne zusammen: „Wenn in Chile grüne Rohstoffe für die Energiewende nachhaltiger produziert werden, ist das ein starkes Argument für einen Wandel der Branche – und am Ende ein Gewinn für den Klimaschutz.“ Mittlerweile seien große Kupferminen in Chile, durch die Kündigung von langfristigen Stromlieferverträgen aus Kohlekraftwerken und den Abschluss von Lieferverträgen mit Erneuerbaren, sogar zu einem Treiber der Energiewende geworden. 

Wie geht´s weiter nach dem Ende der IKI-Projekte?

Satellitenaufnahme der ersten CSP-Anlage Südamerikas in der Atacama-Wüste

Nach dem Ende der IKI-Projekte zur Energiewende stellt sich, wie bei jedem Projekt, die Frage: Was haben sie bewirkt, und wie geht es weiter? In Chile haben die Projekte nach Einschätzung von Rainer Schröer erfolgreich die Grundlagen für die Energiewende geschaffen, das Land ist mittlerweile Vorreiter in der Region. Hier ein paar Fakten:

  • Mit Blick auf den Ausbau der Erneuerbaren zeigt die Statistik, dass deren Anteil am Energiemix des Landes seit 2014 kontinuierlich gestiegen ist, heute werden mehr als 60 Prozent des chilenischen Stroms mit Erneuerbaren erzeugt. Die IKI-Projekte haben hierfür viele Grundlagen geschaffen.
  • Bereits seit 2020 gibt es eine nationale Wasserstoffstrategie, an der Schröer und seine Kollegen aktiv mitgearbeitet haben, derzeit gibt es mehr als 60 kommerzielle Projekte zum Thema.
  • Das Land hat den vollständigen Kohleausstieg für 2040 geplant und bereits einige Kohlekraftwerke abgeschaltet – als einziger „Nicht-Chilene“ hat Rainer Schröer 2018/2019 in der nationalen Kohlekommission mitgearbeitet und seine Expertise eingebracht.
  • Seit 2021 ist in Chile mit Cerro Dominador, das erste CSP (Concentrated Solar Power)-Kraftwerk Südamerikas in Betrieb, das mit seinen 10.500 Spiegel und seinem 252 m hohen Turm, rund um die Uhr erneuerbaren Strom erzeugt.
  • Insgesamt sind in Chile viele kommerzielle Projekte entstanden, die die Impulse und Initiativen der IKI aufgreifen und fortführen, zum Beispiel das Projekt ALBA: Hier wird von einem amerikanischen Unternehmen erstmals ein Kohlekraftwerk zu einem thermischen Energiespeicher umgebaut, der mit erneuerbaren Energien aufgeladen wird und in Verbindung mit Solar- und Windstrom, rund um die Uhr erneuerbare Energie bereitstellen kann.

Publikation: Chile - Beacon for the Global Energy Transition

Wirkung über die Landesgrenzen hinaus

Rainer Schröer betont, dass die IKI-Projekte zur Energiewende über die chilenischen Landesgrenzen hinausgewirkt haben: „Wir standen mit mehr als 20 Ländern im Austausch - viele Regularien, Methoden oder Gesetzestexte, an denen wir in Chile mitgewirkt haben, sind im spanischen Sprachraum direkt von anderen Ländern übernommen worden.“ 

Die Schwerpunkte des internationalen Austauschs lagen auf den Themen Erneuerbare Energien, Kohleausstieg, Umbau von Kohlekraftwerken, Wasserstoffwirtschaft und Energie im Bergbau. Zum Thema Wasserstoff wurde die regionale Plattform H2LAC initiiert und aufgebaut, an der 13 lateinamerikanischen Länder beteiligt sind.

Zudem haben sich einige chilenische Mitarbeiter als gefragte Energiewende-Experten etabliert, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus den IKI-Projekten in anderen Ländern weitergeben. 

Das Bundesverdienstkreuz

Und wie kommt man nun an das Bundesverdienstkreuz? „Als die Botschaft sich bei mir gemeldet hat, habe ich das zunächst für „Fake News“ gehalten“, erinnert sich Schröer. Allerdings sagt er auch: „Mit den Botschaften und auch den Deutschen Auslandshandelskammern habe ich in den Projekten, die ich geleitet habe, immer gut und produktiv zusammengearbeitet.“ So gab es also auch einen engen Kontakt zur Deutschen Botschaft in Chile, die über die Arbeit Schröers zur Energiewende im Land immer gut im Bilde war.

Die Auszeichnung honorierte die Arbeit Rainer Schröers für die chilenische Energiewende und markierte gleichzeitig das Ende seiner Tätigkeit für die GIZ und die IKI. Mittlerweile ist er in den Ruhestand gegangen oder anders formuliert: Er ist direkt wieder in die Freiberuflichkeit eingestiegen. „Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, ich möchte meiner Expertise einfach weiter zur Verfügung stellen“, so Schröer. Und gefragt ist seine Expertise: Als er die GIZ verlassen hat, landeten direkt Anfragen aus rund 15 Ländern in seiner Mailbox. 

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Kontakt

IKI Office
Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
Stresemannstraße 69-71

10963 Berlin

iki-office@z-u-g.org

Zur Person

Rainer Schröer hat für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) von 2014 bis 2022 in Chile das Energie-Programmcluster 4e Chile aufgebaut und geleitet. In dem Programm waren verschiedene IKI-Projekte zusammengefasst, die die Energiewende im Land vorangebracht haben. 

Schröer war bereits seit 2010 für die GIZ tätig und hatte zunächst von El Salvador aus das Energieportfolio für Zentralamerika aufgebaut. 

Zuvor hat der Physik-Ingenieur rund 20 Jahre in Brasilien gearbeitet. Dort hatte er u.a. mit einem eigenen Unternehmen in Brasilien Investitionsberatung für deutsche Unternehmen und Dienstleistungen für brasilianische Bergbauunternehmen angeboten. 

Die IKI in Chile

Die IKI hat seit Gründung des Förderprogramms im Jahr 2008 rund 40 Projekte in Chile finanziert. Ein Schwerpunkt der Förderung lag auf dem Bereich „Minderung von Treibhausgasemissionen“. Die Projekte zur Energiewende im Land wurden/werden zu einem großen Teil von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umgesetzt.

Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit fördert die IKI aktuell zwei Projekte in Chile, die zu den Themen erneuerbare Energien und Elektromobilität arbeiten. Darüber hinaus ist Chile in drei laufenden regionalen IKI Projekten vertreten. Diese setzen Maßnahmen im Bereich grüner Finanzierungsprodukte, klimagerechter Fiskalpolitik und dem Schutz wandernder mariner Megafauna um.

Seit 2017 steht Chile nicht mehr auf der sogenannten ODA-Liste, neue Projektförderungen über die Ideenwettbwerbe der IKI sind daher nicht mehr möglich.

Alle IKI-Projekte in Chile

Videos zum Projekt

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