"International PtX Hub" entwickelt E-Fuel-Pilotprojekte
Der International PtX Hub unterstützt Power-to-Liquid-Pilotprojekte in Kolumbien, Vietnam und Kenia.
Der International PtX Hub, unterstützt von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI), arbeitet mit Industriepartnern in Kolumbien, Vietnam und Kenia zusammen, um Power-to-Liquid-Pilotanlagen (PtL) für E-Fuels zu entwickeln. Die Pilotprojekte sollen demonstrieren, dass klimaneutrale E-Fuels für die Luft- und Schifffahrt an Industriestandorten hergestellt werden können, die traditionell mit der fossilen Raffination in Verbindung gebracht werden.
Power-to-Liquid ist ein Verfahren, das Strom aus erneuerbaren Energien mit nicht aus fossilem Quellen stammenden CO2 kombiniert, um flüssige Kraftstoffe wie e-SAF (synthetischen, nachhaltigen Flugkraftstoff) herzustellen. Diese Kraftstoffe können fossiles Kerosin ersetzen, ohne dass Änderungen an bestehenden Flugzeugtriebwerken erforderlich sind. Von allen derzeit verfügbaren Wegen zu nachhaltigem Flugkraftstoff bietet PtL die tiefgreifendsten Emissionsminderungen und die größte langfristige Skalierbarkeit.
Zwei Absichtserklärungen im Mai 2026 unterzeichnet
Die erste Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) wurde am 7. Mai 2026 mit Binh Son Refining and Petrochemical (BSR) unterzeichnet, einer Tochtergesellschaft von PetroVietnam und Betreiber von Vietnams größter Raffinerie in Dung Quat. Im Rahmen der Vereinbarung werden BSR und der International PtX Hub auf eine Pilotanlage hinarbeiten, die Strom aus erneuerbaren Energien und nicht-fossilen Kohlenstoff nutzt. Ein biogener CO2-Strom aus der BSR-eigenen Bioethanol-Anlage wird als Option für den Rohstoff in Betracht gezogen.
Durch die Zusammenarbeit mit BSR an einer konkreten Pilotanlage wollen wir Vietnams Fähigkeit zur Produktion nachhaltiger Kraftstoffe anschieben und ein Referenzmodell für den breiteren PtX-Sektor im Land schaffen.
Später in diesem Monat wurde auf dem World Hydrogen Summit 2026 in Rotterdam eine zweite Absichtserklärung zwischen der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Ecopetrol, Kolumbiens größtem Energieunternehmen, unterzeichnet. Das kolumbianische Pilotprojekt soll in der Cartagena-Raffinerie von Ecopetrol entwickelt werden und kann auf dem Coral-Projekt aufbauen, einer Anlage für grünen Wasserstoff, die am selben Standort bereits in Betrieb genommen wird. Ein Auftakt-Workshop in Bogotá ist für Anfang Juli 2026 geplant.
Zusammenarbeit mit staatlichen Raffinerien
In beiden Fällen sind die Partnerunternehmen große, staatliche Akteure im Erdölsektor. Eine bewusste Entscheidung, denn etablierte Raffinerieunternehmen wie BSR und Ecopetrol bringen das technische Know-how, die Raffinerieinfrastruktur, die Betriebsmittel und die finanzielle Stärke mit, die erforderlich sind, um eine neuartige Anlage vom Konzept bis zum kommerziellen Betrieb zu führen. Durch die Entwicklung der ersten PtL-Piloten mit diesen Unternehmen soll das Programm glaubwürdige Referenzfälle für die nationale Dekarbonisierung schaffen, die von anderen Industrieakteuren in der Region nachgeahmt werden können.
Die Nachfrageseite untermauert dieses Vorhaben. Internationale Vorschriften wie das Rahmenwerk Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA) der Internationalen Zivilluftfahrorganisation (ICAO) und ReFuelEU Aviation der Europäischen Union (EU) verschärfen die Kraftstoffanforderungen schrittweise. Gleichzeitig bleibt das Angebot an emissionsarmen E-Fuels weit hinter der Nachfrage zurück.
Kenia: Grundlagenarbeit für ein drittes Pilotprojekt
Parallel zu den beiden Industriepartnerschaften bereitet der International PtX Hub ein drittes Pilotprojekt in Kenia vor, bei dem sich die Arbeiten noch in einem früheren Stadium befinden. Eine kürzlich in Zusammenarbeit mit dem kenianischen Ministerium für Energie und Erdöl, der kenianischen Zivilluftfahrtbehörde (Kenya Civil Aviation Authority, KCAA) und Kenya Airways erstellte Vor-Machbarkeitsstudie untersucht, wie das Land SAF herstellen könnte, und zeigt den Weg zu einer ersten Anlage auf.
Kenia ist dafür gut aufgestellt. Es verfügt über reichlich erneuerbare Energien aus Geothermie-, Solar-, Wind- und Wasserkraftquellen und ist ein regionales Luftfahrt-Drehkreuz mit rund 8,6 Millionen Passagieren im Jahr 2023. Die SAF-Produktion ist bereits eine erklärte nationale Priorität im Rahmen von Kenias „Green Hydrogen Strategy and Roadmap“ für 2023 bis 2032, unterstützt durch einen Nationalen Aktionsplan für die Luftfahrt und einen eigenen Lenkungsausschuss.
Die Studie empfiehlt eine hybride Power-and-Biomass-to-Liquid-Anlage, die den Methanol-to-Jet-Weg nutzt, auf erneuerbaren Strom sowie lokale Biomassereste zurückgreift und eine Jahresproduktion von rund 21.900 Tonnen SAF anstrebt. Sie vergleicht drei mögliche Standorte: Olkaria wegen seiner erneuerbaren Energieressourcen, Nairobi wegen der Fachkräfte und der Nähe zum Hauptflughafen des Landes sowie Mombasa wegen des Zugangs zu Wasser und seines Seehafens. Der nächste Schritt ist Interessenbekundungsverfahren beim Ministerium für Energie und Erdöl, gefolgt von einer vollständigen Machbarkeitsstudie und der Suche nach einem Industriepartner.
Ein übertragbares Modell für die industrielle Dekarbonisierung
Die Unternehmen, die am besten aufgestellt sind, um die fossile Brennstoffindustrie zu dekarbonisieren, sind oft diejenigen, die sie heute betreiben. Das ist der Grundgedanke hinter den Pilotprojekten in Kolumbien und Vietnam, die bis Anfang 2028 baureif sein sollen. Indem der International PtX Hub staatliche Raffinerien zu Produzenten von klimaneutralen E-Fuels macht, will er zeigen, dass die Energiewende in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren nicht bei null anfangen muss. Sie kann von innen heraus beginnen.
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Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH
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Publikationen zum Projekt
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12/ 2025 | Bericht | Tool/Open-Source-ProduktA Guide to PtX Modelling and Allocation in Long Term Energy Planning
Englisch (PDF, 500 KB)