Erhalt und Wiederherstellung natürlicher Kohlenstoffsenken

Video: Der Förderbereich "Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken/REDD+" kurz erklärt

Wälder, vor allem tropische Waldökosysteme, speichern in ihrer Biomasse große Mengen an Kohlenstoff. Durch Landnutzungsänderungen, Entwaldung und die Übernutzung von Wäldern gelangt dieser gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre und trägt zum globalen Klimawandel bei. Die dadurch entstehenden Treibhausgasemissionen machen nach Angaben des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC) ungefähr zwölf Prozent der gesamten menschengemachten Emissionen weltweit aus. Die internationale Staatengemeinschaft hat daher den sogenannten REDD+-Ansatz entwickelt, mit dem der Erhalt von Wäldern in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziell honoriert wird. Ziel ist es, Emissionen aus Entwaldung und Waldzerstörung langfristig zu reduzieren.

Im Förderbereich "Erhalt und Wiederherstellung natürlicher Kohlenstoffsenken" unterstützt die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) Partnerländer insbesondere dabei, den REDD+Mechanismus umzusetzen. Zudem fördert die IKI Vorhaben, die im Rahmen der Bonn-Challenge Wälder und Landschaften wiederherstellen (FLR).

Unterstützt werden insbesondere Strategien, die dazu beitragen, die national bestimmten Klimaschutzbeiträge (NDC) der Partnerländer umzusetzen. Die Schwerpunkte liegen auf der Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle und der Mobilisierung privater Investitionen. Ein zentraler Ansatz der Projektarbeit ist es, Synergien zwischen Waldschutz und dem Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zwischen Emissionsminderung und Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu nutzen.

Impulse für Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität weltweit

Erkenntnisse aus den IKI-Projekten geben Impulse für internationale Verhandlungen unter der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD). Zudem fließen Erfahrungen aus der Projektarbeit in internationale und multilaterale Initiativen ein. Beispiele hierfür sind das UN-REDD Programme, die von Deutschland mitfinanzierte Forest Carbon Partnership Facility und der BioCarbon Fund der Weltbank

Die Vereinten Nationen unterstreichen die Bedeutung der Wiederherstellung von degradierten Wäldern und anderer Landschaften als Beitrag zum Klima- und Biodiversitätsschutz und haben den Zeitraum 2021 bis 2030 zur Dekade für die Wiederherstellung von Ökosystemen erklärt. Das Ziel dieser UN-Dekade ist es, einen Beitrag zu den Zielen der drei UN-Konventionen zu Klimawandel, Biodiversität und Wüstenbekämpfung sowie zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDG).

Zu einer nachhaltigen Entwicklung gehört auch eine maßvolle Nutzung von Ökosystemen, die wesentlich zum Lebensunterhalt lokaler Bevölkerungsgruppen in den IKI-Partnerländern beiträgt. Ein gesichertes Einkommen bei gleichzeitigem Schutz der Wälder spielt auch für den dauerhaften Erhalt dieser Ökosysteme eine zunehmend wichtige Rolle.

Vielfalt der Ökosysteme bietet vielfältige Möglichkeiten zur Kohlenstoffspeicherung

Neben FLR- und REDD+-Maßnahmen, die vor allem in tropischen Gebieten umgesetzt werden, finanziert die IKI auch Maßnahmen zur Emissionsreduktion und Kohlenstoffspeicherung in weiteren Ökosystemen. Dazu gehören beispielsweise Moor- und Graslandschaften sowie boreale Nadelwälder.

 

Intakte Wälder für den Klimaschutz: Der REDD+-Mechanismus

Die Grundidee des REDD+-Mechanismus besteht darin, Entwicklungs- und Schwellenländern finanzielle Anreize für die nachweisliche Reduktion von Entwaldung und Degradierung ihrer Wälder zu geben. Der Ansatz umfasst drei Phasen:

Phase 1: Readiness - Voraussetzungen schaffen

Die Länder entwickeln nationale REDD+-Strategien und legen auf der Basis historischer Entwaldungsraten und des aktuellen Waldbestands einen Referenzwert fest. So kann die Entwicklung der Waldflächen mit den Waldflächen aus der Vergangenheit verglichen und dadurch messbar gemacht werden. Aus der Differenz lässt sich unter anderem errechnen, wie viel Wald erhalten wurde und wie viele Treibhausgasemissionen damit tatsächlich vermieden worden sind. In dieser sogenannten Readiness-Phase befinden sich die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer.

Phase 2: Umsetzung

Die Länder setzen vereinbarte Maßnahmen um, verringern die Entwaldung und erproben in Pilotprojekten, wie mit REDD+ Emissionen vermieden werden können. Die entsprechenden IKI-Vorhaben liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie Wälder am besten konfliktfrei geschützt und die REDD+-Zahlungen gerecht auf alle beteiligten Gruppen verteilt werden können.

Phase 3: Zahlungen

Die Länder werden für nachgewiesene Emissionsreduktionen rückwirkend honoriert. Zahlungen können auch geleistet werden, wenn das Land Fortschritte bei der Umsetzung von Reformen im Forstsektor erzielt hat. Die Zahlungen werden über Gewinnverteilungssysteme an die beteiligten Akteure weitergeleitet. Eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung übernimmt hier insbesondere der Green Climate Fund (GCF). Zwei weitere wichtige Finanzierungsquellen sind der „Readiness Fund“ und der „Carbon Fund“ der „Forest Carbon Partnership Facility“ (FCPF). Die beiden Fonds unterstützen die Länder bei der Entwicklung nationaler REDD+ Strategien und ermöglichen ergebnisbasierte Zahlungen an Länder, welche erfolgreich bei der Imple-mentierung von REDD+ sind und Emissionen in ihren Wald- und Landnutzungssektoren nachweislich reduziert haben.

Ökologische und soziale Sicherheitsstandards und zusätzlicher Nutzen zur Kohlenstoffspeicherung

In der internationalen Debatte gilt der Schutz der biologischen Vielfalt als wichtiger zusätzlicher Nutzen von REDD+. Um solche sogenannten "Co-Benefits" zu erhöhen, sollten entsprechende Kriterien in die REDD+-Strategien integriert werden. Gleichzeitig müssen ökologische und soziale Sicherheitsstandards (Safeguards) angewendet werden, um negative Auswirkungen von REDD+-Maßnahmen zu verhindern. Hier gilt es insbesondere, die Rechte und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung und indigener Völker sicher zu stellen. Deshalb unterstützt die IKI Projekte, die solche Safeguards entwickeln, einsetzen und überwachen sowie Co-Benefits fördern.

Die Rolle der IKI bei der Etablierung des REDD+-Mechanismus

Die IKI hat an der Ausgestaltung des internationalen REDD+-Mechanismus mitgewirkt, indem sie Partnerländer dabei unterstützt hat, innovative Lösungen zur Umsetzung von REDD+-Strategien (Phase 2) zu entwickeln und umzusetzen. So konnte ein ergebnisbasiertes REDD+-System aufgebaut werden. Das Spektrum an Instrumenten in den IKI-Projekten ist breit gefächert. Es reicht von Demonstrationsprojekten über den Aufbau technischen Know-hows und institutioneller Strukturen, Politikberatung und Bereitstellung technischer Expertise bis zum wirksamen Einsatz von Investitionen im Waldsektor und zur Förderung von Wissens- und Erfahrungsaustausch.

Ausgewählte Projekte

Operationalisierung von REDD+ durch öffentlich-private Finanzierungen und Partnerschaften für nachhaltige Landschaften in Lam Dong

Produktionsorientierte Waldlandschaftswiederherstellung unter REDD + durch Privatsektor - Gemeindepartnerschaften als regionaler Lernaustausch in Asien

Bonn Challenge: Waldlandschaften wiederherstellen

In vielen Ländern führen Entwaldung und Degradierung von natürlichen Waldökosystemen zu einer deutlichen Abnahme von Ökosystemdienstleistungen wie Wasser- und Kohlenstoffspeicherung oder Erosionsschutz. Maßnahmen zur Wiederherstellung und ökosystembasierten Anpassung von Wäldern leisten daher nicht nur einen entscheidenden Beitrag für Klimaschutz, sondern auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund haben im September 2011 die Bundesregierung und die Weltnaturschutzunion IUCN die „Bonn Challenge“ ins Leben gerufen. Die beteiligten Staaten haben sich zum Ziel gesetzt, 150 Millionen Hektar bis zum Jahr 2020 und 350 Millionen Hektar entwaldeter und degradierter Waldflächen bis 2030 (New York Declaration on Forests) wiederherzustellen.

Zahlreiche Länder haben mittlerweile zugesagt, sich zu beteiligen. Im Jahr 2020 lagen die Zusagen von Staaten und der Privatwirtschaft für den Wiederaufbau von Waldlandschaften bei über 170 Millionen Hektar.

Die IKI unterstützt Projekte, die innovative Ansätze bei der Wiederherstellung von Waldökosystemen testen und Maßnahmen sowie Finanzierungsinstrumente zur größtmöglichen Verbreitung dieser Bemühungen entwickeln.

Ausgewählte Projekte

Emissionsminderung und Kohlenstoffspeicherung messen, Bericht erstatten und verifizieren

Seit Beginn der internationalen Klimaverhandlungen wird von politischen und wissenschaftlichen Akteuren an einem System gearbeitet, das die Reduktion von Treibhausgasemissionen messen, berichten und überprüfen kann (Measurement, Reporting and Verification, MRV). Der Begriff MRV beschreibt das Überwachen von Daten zu Minderungsmaßnahmen und Treibhausgasemissionen, die Aufbereitung der Informationen in Berichten und Inventaren sowie deren Überprüfung in einem internationalen Prozess.

Jedoch stellt die Entwicklung von MRV-Systemen und die Anwendung der MRV-Anforderungen eine große Herausforderung dar. Alle Länder müssen beispielsweise die notwendigen Daten sammeln sowie Treibhausgasinventare, Emissionsprognosen und wirtschaftliche Analysen erstellen.

Da die politischen Richtlinien und nationalen Standards für MRV von REDD+ bisher noch unzureichend sind, entwickeln in vielen Ländern subnationale Initiativen ihre eigenen Referenzniveaus und Monitoringsysteme. Diese verschiedenen Ansätze müssen nun in nationale REDD+-Systeme einfließen. Zudem müssen die Länder alle zwei Jahre zum Stand ihrer Emissionen, auch im Wald- und Landnutzungsbereich, an die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen berichten.

Die IKI fördert gezielt Projekte, die die Partnerländer bei der Planung und Umsetzung von Minderungsmaßnahmen unterstützen, die unter einem künftigen internationalen Klimaschutzabkommen MRV-fähig sein sollen. Dazu zählen auch Süd-Süd-Kooperationen, die Methoden für das Monitoring von Treibhausgasemissionen und Informationssysteme für REDD+-Safeguards entwickeln.

Ausgewählte Projekte

Nationales Landbeobachtungs- und Informationssystem für ein transparentes NDC-Reporting

Landnutzung und Landwirtschaft: Potenziale für den Klimaschutz nutzen

Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) geht davon aus, dass etwa ein Viertel aller anthropogenen Treibhausgasemissionen weltweit durch die Land- und Forstwirtschaft sowie durch sonstige Landnutzungsänderungen verursacht werden. Gleichzeitig führt der Klimawandel zu Extremwetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen, die große Schäden in der Landwirtschaft anrichten. So wird vor allem armen Bevölkerungsgruppen in ländlichen Gebieten die Lebensgrundlage entzogen.

Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Landnutzung und ihr großes Potenzial für Minderung und Anpassung ist seit dem IPCC-Sonderbericht vom August 2019 stark in den internationalen Fokus gerückt: Einerseits ist es notwendig, durch widerstandsfähige und intakte Ökosysteme die Lebensgrundlage von Bäuerinnen und Bauern nachhaltig zu sichern. Andererseits kann eine nachhaltige Landwirtschaft - zum Beispiel durch Humusaufbau oder das Pflanzen von Schattenbäumen - einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Landschaftsbasierte Ansätze

Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt Partnerländer insbesondere dabei, durch landschaftsbasierte Ansätze („landscape approach“) konkurrierende Landnutzungsinteressen auszubalancieren. Die Ansätze berücksichtigen sowohl das menschliche Wohlergehen als auch eine intakte Umwelt. Hierdurch können Ökosystemleistungen erhalten bleiben oder wiederhergestellt werden. Zudem spielen in vielen Projekten zur ökosystembasierten Anpassung (EbA) Wälder eine wichtige Rolle.

Agroforstsysteme

Darüber hinaus nutzt die IKI das große Minderungs- und Anpassungspotenzial von Agroforstsystemen (AFS). Die Initiative fördert Projekte, die den Aufbau von nachhaltigen Agroforstsystem-Wertschöpfungsketten unterstützen, wie zum Beispiel von Kakao oder Kaffee. Gegenüber Monokulturen sind biodiverse Agroforstsysteme ökologisch nachhaltiger, da sie mit geringeren oder ohne chemische Pflanzenschutzmittel und synthetischen Dünger auskommen. Zudem bieten sie eine Vielzahl von „Co-Benefits“, wie zum Beispiel Kohlenstoffbindung, Einkommensdiversifizierung, Schädlingsbekämpfung und eine Erhöhung der Bodenfeuchte. Darüber hinaus beraten IKI-Projekte Regierungen in den Partnerländern zur nachhaltigen institutionellen Verankerung von Agroforstsystemen.

Ausgewählte Projekte

Landnutzungswandel in Savannen und Grasländern

Kooperationen mit dem privaten Sektor für sozialverträglichen Wiederaufbau von naturnahen Wäldern

Wiederherstellung von Kakaoplantagen und Waldökosystemen durch die Pflanzung von Schattenbäumen im Hochwald von Ghana

Nachhaltige Landnutzung für den Erhalt von Wäldern, den Schutz des Klimas und den Friedensprozess in Kolumbien

United Nations Environment Programme (UN Environment) - Panama

Weitere Informationen

Conservation, Restoration and Sustainable Useof Natural Carbon Sinks – REDD+

Screenshot PDF

Download PDF (Englisch | 373 KB)